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Coleoptera A. 160 eine ganz unglaubliche: viele Tausende von Wasserwanzen (Notonectidae und Corixidae) und deren Larven, Hunderte von Schwimmund Wasserkäfern (vorwiegend Eretes sticticiis) zappelten hilflos im Tuch. Da die ßewachsung des schlammigen Teiches anscheinend sehr gering war, so erschien mir die endgiltige Ernährung dieser großen Zahl von Raubinsekten nicht ganz klar. — Auch auf der Rückreise am Weißen Nil (bei Tonga und Renk) hatten wir wieder mehrmals Gelegenheit, wasserbewohnende Käfer zu sammeln, die sich am Rande des Flusses und in kleinen Gräben zwischen Wasserpflanzen herumtrieben, ohne aber einen besonderen Individuenreichtum aufzuweisen. — Ich will noch bemerken, daß ich in diese erste Hauptgruppe von Käfern nicht nur die Dytisciden, Gyriniden und Hydrophiliden stelle, sondern auch alle jene Formen, welche sich am Ufer und an feuchten Stellen aufhalten, mithin auch einen Teil der Cicindeliden, Carabiden und Staphyliniden.
Die zweite große Gruppe umfaßt alle Steppenformen im weitesten Sinne und läßt sich natürlich nach den. Pflanzenformationen weiterhin unterteilen. Ich bin mir vollständig bewußt, daß dieser Versuch lückenhaft bleiben muß und zahlreiche Fehler aufweisen wird, da ich mich in erster Linie nur auf die Ergebnisse unserer mehrmonatigen Expedition zur Trockenzeit stütze; zur Regenzeit werden sich die Verhältnisse zweifellos ganz bedeutend ändern, indem sich einerseits die Grenzen verschieben werden und anderseits die Fauna durch das Auftreten neuer Elemente bereichert wird, welche die ungünstige Periode in irgend einem Ruhezustand oder auf andere Weise geschützt verbringen.
Sowohl bei Sennar als auch in Kordofan konnten wir an Stellen, die entweder vom Nilstrom oder vom Grundwasser genügend befeuchtet waren, mehr oder weniger geschlossene Wälder antreffen, die vorwiegend von Akazien gebildet wurden, aber bisweilen wegen der Trockenzeit nur teilweise belaubt waren oder blattlos dastanden. Das ist wohl auch der Hauptgrund, weshalb bei den Insekten eine eigentliche Waldfauna so gar nicht recht zum Ausdruck kam: Formen, die wir eventuell hieher rechnen können, lebten ebenso gut in der Baum- und Buschsteppe. Es sind dies einmal Käfer, die mindestens als Larven in Holz und Rinde bohren, und ferner die Blütenbewohner. Von ersteren machten sich namentlich die Bostrychiden bisweilen durch ihre große Menge bemerkbar, letztere hatten meist nicht viel Auswahl und drängten sich daher auf den wenigen blühenden Pflanzen (namentlich Akazien) zusammen. In der Nähe unseres Zeltes im Buschwald von Sennar befand sich ein mittelgroßer Busch von Acacia seyal (Taf. I, Fig. 1), den ich täglich mehrmals aufsuchte, da seine zahlreichen gelben Blüten nicht nur von vielen Hymenopteren, sondern auch von Käfern (Steraspis) gerne besucht wurden. Auch an anderen Orten erwiesen sich blühende Akazienbüsche stets reichlich belebt, so bei Dilling (Acmaeodera, Bradybibastes variabilis) und Gulfan (Rhabdotis, Pachnoda). Anderseits ist die große Armut an Insekten, speziell an Coleopteren, in manchen Gebieten sehr auffallend. Wie oft habe ich auch nach längerer und eifriger Benützung des Streifsackes fast keinen brauchbaren Inhalt vorgefunden; die nicht blühenden und meist dornigen Gebüsche schienen tatsächlich nahezu unbewohnt zu sein, während im dürren Steppengras wenigstens Heuschrecken und dünne, langbeinige Wanzen lebten. Unter den echten Steppen- und Wüstenbewohnern sind außer den schon vielfach genannten Tenebrioniden noch die Rüsselkäfer aus der Gruppe der Cleoninae besonders hervorzuheben. Bei Bara in Nordkordofan war Cosmogaster cordofanus unter lockerer und trockener Rinde ungemein häufig, auch hatte ihn Werner schon 1905 am Gebel Arashkol in stattlicher Anzahl gesammelt. Eine ganz ähnliche Lebensweise führen ferner noch Pycnodactyliis und Episiis. Im Norden Kordofans fehlen Steine in der Ebene fast vollständig und der Boden besteht daselbst aus feinem Sand (Taf. I, Fig. 2), so daß die genannten Curculioniden zu dem ungewöhnlichen Versteck unter der Rinde gezwungen sind. Die Tiere sind sehr zählebig und vertragen auch einen längeren Aufenthalt im Zyankaliglas, da sie anfangs nur leicht betäubt werden. Ein Exemplar der erstgenannten Art spazierte sogar in Wien aus einem Kamelschädel hervor, den ich von Bara in einer Kiste mitgenommen hatte.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist auch die Hilfe der Eingeborenen beim Sammeln, wenngleich diese Ergebnisse für den Entomologen wesentlich geringer waren als bei Reptilien und Kleinsäugern. Wo immer wir Gelegenheit hatten, veranlaßten wir die Leute gegen ein entsprechendes Bakschisch, ihre Geschicklichkeit im Fangen von allerlei Getier zu üben. Sie brachten in erster Linie ihre verschiedenen Hausbewohner, wie Mäuse, Ratten, Eidechsen, Kröten, Spinnen, Grillen» Ohrwürmer und Käfer (namentlich Ocnera hispida);. manches Tier, das wir selbst niemals angetroffen hatten.