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168 R. Ebner, trockenen, wüstenartigen Gebieten Ägyptens und des Sudans eine ungemein reiche Arten- und Individuenzahl aufweist. Die vorwiegend steinige Mokattam-Wüste beherbergt vielfach dieselben Formen wie die Gebiete am linken Nilufer, außerdem fielen uns die langbeinigen Adesmia-Arien auf, die anscheinend harten Untergrund vorziehen. Andere Käfer, wie zum Beispiel einige mittelgroße Buprestiden (Psiloptera, Sphenoptera) bewohnen die kümmerlichen niederen Pflanzen, wo sie bisweilen eine Beute von Spinnen und Mantiden (Blepharopsis mendica) werden dürften. Da wir uns in Ägypten nur möglichst kurze Zeit aufhalten wollten, machten wir erst in Assuan wieder für einige Tage Station, um namentlich die beiden Inseln Elephantine und Kitchener-Insel etwas zu durchforschen. Ihre sandigen Ufer sind im hellen Sonnenschein von zahlreichen, schattenartig dahinhuschenden Cicindela nüotica belebt; an schattigen und etwas feuchten Stellen wandern bedächtig viele Pimelia angulata und Ocnera hispida herum. Eine Wanderung, die wir von Assuan aus etwas nilabwärts in die Wüste unternahmen, war landschaftlich sehr interessant, lieferte aber dem Sammler fast gar nichts. Dort ist der Boden öde und steinig, auf weite Strecken lag die Sandwüste kahl vor uns, während sich an anderen Stellen hohe Felsen und Gesteinsbänke emportürmten. Der Pflanzenwuchs fehlte ganz und die sonst unvermeidlichen Tenebrioniden erschienen erst wieder in der Nähe des Ortes. Wie ganz anders war aber das Bild, als wir einen Ausflug zum Simeonskloster unternahmen! Wohl ist auch dort der Boden sandig, doch er ernährt immerhin einige kümmerliche Büsche und Polster vom Stachelgras und damit sind auch die Existenzbedingungen für bescheidene Tierformen gegeben. Zwar trafen wir nur wenige Stücke der früher genannten Pimelia an, aber der feinsandige Grund wies eine Unzahl von Spuren auf, deren Urheber auf diese Art ihre Anwesenheit und ihre vermutlich nächtliche Lebensweise verrieten. Kreuz und quer liefen die Fährten der Käfer, bisweilen unterbrochen von solchen, die von Eidechsen, Schlangen und kleinen Säugern herrühren mochten. In den Abendstunden erschienen die Pimelien in Anzahl, das Graben in der Nähe der kleinen Büsche lieferte andere kleine Tenebrioniden, welche während des Tages dort verborgen sind und vermutlich erst mit dem Nachlassen der Temperatur zum Vorschein kommen. Eine Bestätigung hiefür fanden wir auch späterhin noch oft während unseres Aufenthaltes im Sudan: am Morgen führten oft viele Käferspuren bei unseren Feldbetten vorbei, während der feinsandige Boden abends noch frei von solchen war. Aber ich möchte anderseits diese Tatsachen nicht verallgemeinern. Bei Abu Simbel ging ich spät abends mit einer Laterne nochmals zu Stellen, wo ich schon bei Tag mit Erfolg gesammelt hatte, konnte jedoch nur verhältnismäßig wenige und meist kleinere Käfer antreffen, die sich vorwiegend im dichten, niederen Gestrüpp aufhielten.
Die Insektenfauna des von uns durchforschten Gebietes möchte ich im allgemeinen mindestens in zwei große Abteilungen zerlegen. Zunächst alle jene Formen, welche ökologisch irgendwie an das Wasser gebunden sind. Wir treffen die Mitglieder dieser Lebensgemeinschaft nicht nur am Nil, seinen wenigen Nebenflüssen und seinen mit dem Hauptstrom mehr oder weniger zusammenhängenden Tümpeln, sondern auch weit weg von der Hauptwasserader des Landes an den wenigen Seen und tümpelartigen Dorfteichen, sowie endlich auch an ganz kleinen Wasseransammlungen, wie Brunnen, Viehtränken und dergleichen. Es sind naturgemäß vorwiegend immer dieselben Arten, die wir bei Kairo und am Bahr-el-Gebel wiederfinden können. Während aber Werner im Jahre 1905 hauptsächlich in der Nähe des Nilstromes blieb und daher eine stattliche Anzahl von wasserbewohnenden Käfern mitbrachte, war dies 1914 nicht der Fall. Infolge der großen Trockenheit dieses Jahres war bei Sennar am Blauen Nil nur im Flußbett selbst Wasser anzutreffen, so daß die tümpelbewohnenden Insekten mit Ausnahme von Mückenlarven meist in sehr geringer Anzahl zur Beobachtung gelangten; die Wasserreste zwischen den trockenliegenden Muschelbänken zeigten sich • kaum von Insekten besiedelt. — Hingegen erwies sich der große Dorfteich von El Obeid diesbezüglich ungemein ergiebig. Aus dem sumpfigen Wasser tauchten überall zahlreiche Käfer und Wanzen empor, um ihren Luftvorrat zu erneuern. Als die Eingeborenen unsere Fischerei mit Wassernetzen bemerkten, kamen sie uns in radikaler Weise zu Hilfe: mehrere Leute brachten ein großes, leintuchartiges Gewebe und benützten dieses als ein gewaltiges Netz, indem sie es watend durch das Wasser zogen. Die Menge der so erbeuteten Tiere war in der Tat