Sudan Archive

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170 R. Ebner, erhielten wir auf diese Weise. Das darf nicht wundernehmen, denn es ist dem Weißen aus verschiedenen Gründen nur selten möglich, die Wohnstätten der einheimischen Bevölkerung auch von innen genauer kennen zu lernen. Einen teilweisen Ersatz hiefür erzielten wir durch die Untersuchung der Rasthäuser und Tukuls, die uns oft als Nachtquartier, bisweilen auch zur Mittagsrast dienten (Taf. I, Fig. 2); hier fanden wir vor allem Tenebrioniden, aber auch Laufkäfer (Antliia), Ameisen, Termiten und Kleinschmetterlinge. Desgleichen boten mir die großen Hotels in Khartum und Port Sudan erwünschte Sammelplätze in abgelegenen Winkeln und weniger benutzten Räumen; ich möchte aber feststellen, daß wir dort niemals von Ungeziefer belästigt wurden. In einigen größeren Orten (Sennar, Khartum, El Obeid, Bara, Tonga und Port Sudan) lieferten Gemüse- und Ziergärten manche sonst fehlende Art; insbesondere des Gartens von Bara möchte ich hier gedenken, dessen blühende Zwiebelbeete eine große Menge prächtiger Hymenopteren anlockten. Daß unsere Tätigkeit von den Europäern überall entsprechend gefördert wurde, ist wohl selbstverständlich. Namentlich die österreichischen Missionäre in Dilling und Tonga unterstützten uns vielfach, erstere schickten uns sogar eine Anzahl Insekten und Spinnentiere nach Wien, unter denen ich von Käfern namentlich Graphipterus lineatiis erwähnen möchte; weitere Sendungen wurden leider durch die geänderten politischen Verhältnisse vereitelt. Das abends vorgenommene Präparieren lockte naturgemäß eine Anzahl Insekten ans Licht, doch war der Anflug eigentlich nicht bedeutend und beschränkte sich auf verhältnißmäßig wenige Arten.

In Sennar waren es in erster Linie Bostrychiden (Sinoxylon senegalense) und Ameisen (Aenictus), in Kordofan kamen an manchen Orten Himatismiis villosus und Mutilliden in Anzahl herbei. — Wesentlich anders gestalteten sich die Verhältnisse auf den Nildampfern. Bei unserer Rückfahrt von Tonga nach Khartum mit dem »Omdurman« lockten die elektrischen Lichter große Mengen der verschiedensten Insekten an und es war reizvoll, die nach dem Landschaftsbild sich ändernde Fauna zu studieren.

Nicht nur zahlreiche, mehr weniger an das Wasser gebundene Formen (Ephemeriden, Trichopteren, Mücken), sondern auch typische Landtiere sammelten sich in der Nähe der Lampen auf den weiß gestrichenen Brettern. Die Bostrychiden mögen vielleicht teilweise mit dem zur Feuerung dienenden Holz auf das Schiff gebracht worden sein, während andere Tiere selbst von den Ufergebieten herbeigekommen waren. Ich erwähne hier besonders die Rutelinen, die meistens zufällig am Licht gefangen werden, zumal die $ $ , wenn sie auf der Suche nach einer Stelle zur Eiablage in den Bannkreis einer starken Lichtquelle kommen (Oh aus, briefliche Mitteilung), ferner einen neuen Rüsselkäfer (Camptorrliinus hoplocnemis), einige Cerambyciden, Anthiciden usw. — In Port Sudan war der Anflug besonders stark: Unmassen von Staphyliniden (Bledius capra) und Tenebrioniden (Anemia granulata), ferner Schizonycha flavicornis, kleinere Schmetterlinge und Myrmeleoniden wiurden durch das weit hinaus strahlende, grelle Licht herbeigelockt, sodaß ich kaum mit dem Einsammeln nachkommen konnte.

Mehrmals fand ich, entweder frei am Boden liegend oder in hohlen Baumstümpfen und kleinen Höhlungen, mehr oder weniger gut erhaltene Fragmente größerer Käfer, welche daher auch nur teilweise in der Aufzählung berücksichtigt werden konnten. Da es sich meist um sonst nicht nachgewiesene Arten handelte, dürfte das Insektenleben in einer anderen Jahreszeit (Regenperiode) eine etwas abweichende Zusammensetzung aufweisen. Auch große Käferlarven, die wir bisweilen von Eingeborenen erhielten, scheinen mir eine Bestätigung dieser Ansicht zu bilden.

Es ist nicht meine Aufgabe, hier besondere tiergeographische Folgerungen zu ziehen. Denn einmal bin ich kein Käferspezialist und außerdem ist das vorliegende Material für solche Zwecke absolut nicht ausreichend. Nur einige Tatsachen und Bemerkungen möchte ich hier noch vorbringen, welche sich unschwer erkennen lassen und in Übereinstimmung mit dem Studium anderer Tiergruppen stehen. Das ist zunächst die weite Verbreitung vieler Arten von Westafrika bis in den Sudan — eine Erscheinung, die sich durch weitgehende klimatische und floristische Ähnlichkeit großer Gebiete genügend erklären lassen dürfte. Die Grenze zwischen paläarktischer und äthiopischer Region, die ich etwa bei den Orthopteren deutlich erkennen konnte, trat mir bei den Käfern lange nicht so gut in Erscheinung. Der große Reichtum an Arten und Individuen vieler Insektengruppen in der Umgebung von Bara kommt

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