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Coleoptera A. 167 Wesentlich ungünstiger steht es allerdings mit unseren Kenntnissen über die sudanesische Insektenfauna. Wohl liegt aus älterer Zeit das prächtige Werk von Ehrenberg vor (Symbolae physicae, Inse cta & Arachnida, Decas I—V, Berlin 1829 — 45), der nicht nur in Ägypten, sondern auch in Nubien sammelte und dessen Ergebnisse von Klug teilweise bearbeitet wurden. Die Ausbeuten anderer Reisen sind vielfach in Verlust geraten oder besitzen wegen ungenügender Fundortsangaben nur einen beschränkten wissenschaftlichen Wert. In den letzten Jahrzehnten haben nur wenige größere Expeditionen im ägyptischen Sudan systematische Aufsammlungen von Insekten vorgenommen und späterhin darüber ausführlich publiziert; hier möchte ich namentlich auf die Schwedische Forschungsreise hinweisen, deren Ergebnisse von verschiedenen Bearbeitern in den »Results of the Swedish Zoolog. Exped. to Egypt and the White Nile 1901 under the direction of L. A. Jägerskiöld« niedergelegt sind (Coleoptera: Part I— II, Uppsala 1904— 1905). Auch in den »Reports of the Wellcome Research Laboratories at the Gordon Memorial College Khartoum« findet man viele Angaben von H. H. King über Insekten, die im Sudan schädlich auftreten. Doch war namentlich Kordofan in bezug auf seine niedere Tierwelt fast unbekannt, weil dieses ausgedehnte Gebiet bisher noch niemals regelrecht durchforscht worden war. Das ist bei der geringen Zugänglichkeit, bei dem Gebundensein an einige wenige Karawanenstraßen, sowie bei dem zur Trockenzeit oft sehr empfindlichen Wassermangel nicht verwunderlich; aber auch das so leicht erreichbare Port Sudan am Roten Meer lieferte unerwartet günstige Ergebnisse.
Allgemeine Bemerkungen über die Coleopterenfauna des im Jahre 1914 bereisten Gebietes.
Indem ich mir eine ausführliche Besprechung der Expedition in bezug auf die entomologischen Ergebnisse für die spätere Bearbeitung der Orthopteren vorbehalte, möchte ich doch schon an dieser Stelle einiges über die biologischen Verhältnisse mitteilen und ein paar tiergeographische Bemerkvmgen anschließen. Einen genaueren Bericht über den Verlauf der Forschungsreise, sowie eine Schilderung der Landschaftsformen und der Vegetation hat bereits Wettstein anläßlich der Bearbeitung der Vögel und Säugetiere geliefert (Denkschr. der Akademie der Wissenschaften in Wien, math.-nat. KL, Bd. 94, 1917); ich möchte auf diese schöne und wichtige Arbeit hier besonders dringend verweisen. Von Insekten sind schon die Lepidopteren von Rebel und Zerny (ibid., Bd. 93, 1916) und die Mantodeen von Werner (ibid., Bd. 95, 1918) erschienen; die Dipteren von Becker, die Formiciden von Viehmeyer, die Vespiden von Schulthess und die Thysanopteren von Karny sind bereits im Druck. Wohl dürfte im ersten Augenblick die Artenzahl einiger Käferfamilien gering erscheinen — wenn man aber die große Gleichförmigkeit weiter Strecken berücksichtigt, und wenn man bedenkt, daß wir zur Trockenperiode in relativ kurzer Zeit ausgedehnte Gebiete durchritten und auch an zoologisch günstigen Orten oft nur wenige Tage oder gar nur Stunden verweilen konnten — so mag dies vielleicht eine Erklärung dafür bieten.
Wenngleich sehr viele Insekten sowohl in Ägypten als auch im Sudan vorkommen — es handelt sich dabei meist um Arten, die entlang des Nils von einem Gebiet in das andere vordrangen — so mutet uns die Fauna Ägyptens naturgemäß viel bekannter an. Da treffen wir zahlreiche Formen, die in den gut bewässerten und bebauten Teilen günstige Lebensbedingungen gefunden haben; anderseits aber auch Arten, welche die pflanzenarmen steppen- und wüstenartigen Landstriche bevorzugen und unter scheinbar ungünstigen Bedingungen oft eine staunenswerte Individuenzahl aufweisen. Schon ein Ausflvig von Kairo nach Gizeh konnte uns dies deutlich zeigen. Am Wege zu den Pyramiden war dje große, durch ihre kräftig bedornten Elytren charakteristische Pimelia aciileata auf dem festen Boden häufig und auch im heißen Sonnenschein recht lebhaft. Der Sandboden in der Nähe der Pyramiden erwies sich anfänglich als vollständig insektenleer; wenn man aber ein wenig neben den kleinen halbvertrockneten Büschen und Sträuchern zu graben begann, so kamen alsbald diverse Käfer zum Vorschein: die behende Zophosis plana und der hell gefärbte Cossinoderus candidiis, der nach Boehm seine Entwicklung in den Wurzeln von Alhagi manniferiiin durchmacht, seien hier besonders genannt.
Verschiedene Tenebrioniden sind gelegentlich noch vorhanden, wie denn überhaupt diese Familie in den 1 Inzwischen sind auch die Arbeiten von Becl<er, Viehmeyer und Schulthess erschienen (ibid., Bd. 98, 1922),