Sudan Archive

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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 7 sah nur wenige Kräuter, die grösstentheils vertrocknet oder verbrannt waren. Folgende Pflanzen habe ich am Rôrô beobachtet: Sobeig Combretum IIartmanni\ Dalbergia,Poivrea, viele kleine Dom-Palmen, aber nur eine einzige grosse; zahlreiche grosse Tamarinden, Vangueria, eine Raudia, im Gebelawin-Dialekt Amange-hori genannt, deren Frucht als Seife zum Waschen der Stoffe dient. Kegelig sind nament­ lich am Fusse sehr gemein ; Ficus platyphy 11a und inter­ media Caillaud’s, letztere in sehr grossen Exemplaren. Cordia (abyssinica ?), Kadad (CaitZea dicktrostac/iys); eine Bignonia von niedrigem Wuchs Namens Has-ljas; Gardenia lutea, hier »Abak genannt; Zizyphus (Nabaq-el-fîl) und der gewöhnliche Nabaq, Cissus quadrangularis, eine Grewia mit Dornen (Tamr->agib) und Grewia populifolia (Quddam). Talha, Tuffar, Hasab, Kitr, Laôd, Qaqamüt, Sterculia setigera (Tertr). Der Semem wird ein grosser Baum mit grossen Blättern; Killi, ein nur hier vorkommender Baum ; Cratoeva Adansonii (Arab. Dobkar); Rogeria wird sehr gross und . stark; Sanseveria; Ricinus um die Häuser. Scorpiurus, Hibiscus; Pistien reichlich in den Gewässern. Ausserdem sah ich die Frucht von Strychnos innocua.

Mittwoch den 18. Februar. Wir brachen am Morgen von Rôrô, dessen Mek uns auf wenig zuvorkommende Weise empfangen hatte, auf und ritten die malerische südöstliche Seite des Berges entlang. Hie und da liegt am Fusse ungeheuerer Felsen und beschattet von schönen Bäumen eine Wasserlache, die als Waschbecken dient. Zwischen den schönen Hegelig längs dem Fusse des Berges liegen Faqihgräber mit flatternden weissen Fähnchen versteckt. Eine schöne grünende, mit Strauchwerk übersäete Ebene trennt uns von dem Berg Tabi, dessen blaue Kette den östlichen Horizont bildet. Vor uns erhebt sich der óemmam und jenseits von ihm die imposante Masse des Gule. Am Fusse des Gemmam angelangt, rasteten wir zum Frühstück am Brunnen im Schatten von Bäumen, die mit Schwärmen von Turteltauben bedeckt waren. Einige Gazellen kamen gleich­ zeitig mit uns hin und eine Hyäne floh bei unserer An­ näherung Von dannen. Vorüberziehende steigen hier immer ab, um zu trinken, und die Araber führen von allen Seiten ihre Kameele dahin. — Gegen Südosten gewahrt man den Gebel Qabanit, der von Inqasana, vermischt mit (ja > al in und Hameg, bewohnt ist. Man sammelt dort viel Sitêta.

Der Wald, der den Rôrô vom Gule trennt, gleicht dem, der nördlich vom Rôrô liegt, ist aber weniger dicht. Nahe beim Gule wird die Ebene ganz baumlos. Der Gule mit seinem von mächtigen Baobab beschatteten Dörfergürtel gewährt einen grossartigen Anblick. Eine Masse von Raub­ vögeln und endlose Schwärme von Corvus scapularis um­ kreisen seine Gipfel. — Wir stiegen in dem Dorfe Regeb’s und vor dem Hause seines Bruders Adlân ab. Am anderen Tage lud er mich für den Abend ein. In einem von einem Lichtstumpf erleuchteten Stall, worin zwei Lagerstätten von Ebenholz mit Teppichen und Fergi für Adlan und mich standen, befanden sich 3 fast nackte, aber sehr geschmückte Negersängerinnen und eine Vorsängerin, die niedergekauert dasassen, während die anderen Anwesenden draussen vor der Thüre im Kreise kauerten. Andere Negerinnen reichten Branntwein und Bilbil herum. Es wurde aus vollem Halse gesungen und von Zeit zu Zeit sprang aus dem Publikum ein Neger in die Mitte des Raums und drehte sich im Kreise, indem er den Sêf (das Schwert) oder den Sotal (ein gebogenes Messer) über den Köpfen der Anwesenden schwang. Ich zog mich spät zurück und man kam dann zu mir, um mir die Telqa zu Theil werden zu lassen.

Äusser den beim Rôrô erwähnten Pflanzen mit Aus­ nahme des Killi, den ich hier nicht sah, fand ich auf dem Gule: Ein Ocimum; eine Amaranthacee, Haskanit genannt; den Segr-es-semm, eine giftige Euphorbienart; El-basöm, eine Pflanze, von der man die gekrümmten Stöcke macht, sie kommt auch auf dem Gebel Moye, aber nicht nördlicher vor; El-goiomez, wahrscheinlich eine Anonacee, am Aras-kol Kafal genannt; El-Lara, ein von Caillaud erwähnter Strauch, der zum Ausstopfen von Kissen benutzt wird; ferner sah ich sehr kleine Dom-Palmen, die namentlich auf der Südost­ seite des Berges ungemein häufig sind, und ein Combretum Namens Quego. An Thieren beobachtete ich Columba guinea auf den Dolêb; den Cynocephalus des Weissen Flusses und Cicaden. Das Schwein, das ich in Sennär sah und das nach Hartum gebracht wird, ist hier Hausthier und hat keine Ähnlichkeit mit dem wilden Schwein. Der Halüf dieser Gegend ist das Warzenschwein.

Umkreisung des Berges. Am Ende des Dorfes der Gajalin steht um eine grosse Wasserlache herum ein Kreis schöner Baobab, in deren Schatten die Reküben der Schmiede liegen. Die Südwestseite des Berges ist steil und besteht aus unge­ heueren Blöcken herabgestürzter Felsmassen, zwischen denen ein ziemlich reicher Pflanzenwuchs gedeiht und eine Masse Perlhühner ihr Wesen treiben. Man sieht jedoch hier weder Tamarinden noch Baobab. Der Granit ist von wechselnder, meist grobkörniger Struktur. Die vorherrschende Farbe ist Grau, ähnlich wie bei dem der Insel Elba, woraus die Säulen der Kirche S. Paolo fuori delle mura in Rom ge­ hauen sind. — Die Nordseite bildet einen tiefen Halbkreis steiler Höhen, der nach Nordwesten offen ist. Diese Seite ist sehr malerisch, mit schöner Waldung bedeckt, und der Blick umfasst die Berge Girewa, Sen, Gemmam, Ahmar und Rôrô. Vor dem Dorfe Burün steht in der Ebene ein riesiger Baobab, den ich abzeichnete. Das Dorf selbst ist ganz überschattet von diesen Bäumen, die wunderbar gut zwischen den Felsen gedeihen. Dieses Dorf stösst an ein anderes, El-mek genannt, das die nordöstliche Ecke des Berges bildet und ebenfalls seine Baobab besitzt. Von da wendet man sich nach Südwesten. Auf dieser wenig gegliederten und nur schwach bewaldeten Seite steht eine grosse Anzahl rie­ siger Baobab und fast ebenso hoher Tamarinden. Am Fusse dieses steilen und ungebrochenen Absturzes finden sich die meisten Quellen.

Die Bewohner des Berges sind Hameg, ebenso wie die­ jenigen aller Berge, die sich bis zum G. Heli estrecken, diesen eingeschlossen. Sie sind dem Regeb tributpflichtig. Die Leute vom Aqadi, Tabi und der benachbarten Berge sind ihre Verwandten und sprechen dieselbe Sprache; sie werden Inqasana genannt. Die vom Tefafan stammenden Fung sind auch von ihrer Race und sprechen ihre Sprache. Jenseits Hell wohnen die Berta, die eine andere Sprache reden. Die Hameg sind im Allgemeinen schöne Neger oder bilden vielmehr die Übergangsform zum Neger, wie die Nuba in Kordofan. Die Mädchen sind lebhaft und hübsch und frisiren ihren reichen Haarwuchs in prächtiger Weise. Ihre Sklaven, die sie aus dem Süden beziehen, sind eben­

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