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6 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
unter die Steine und Sträucher gerollt waren. Auch einen nur auf Bergen vorkommenden Raben (Corvus er assir ostris oder umbrinus sahen wir; man sagte uns, dass derselbe nun im zweiten Jahre auf dem Berge niste; seine Heimath sind die südlichen Fung-Berge. Wir beobachteten auch eine Strix flammea und Perlhühner und sahen Cercopithecus Sabaeus. — Der Berg besteht, abgesehen von einzelnen abgesonderten Felsen, aus drei getrennten Massen, davon eine westsüdwestlich, die andere ostsüdöstlich vom Haupt gipfel gelegen sind. Die erstere ist die entferntere und trägt ein Dorf, das dem Nordgipfel von Werkat zugekehrt ist ; die zweite hat an der Südseite Brunnen ; die höchste Gruppe hat am Fusse drei Dörfer, die sich von Nordnordost bis Südost hinziehen. Die Bewohner haben das Aussehen eines Mischvolkes; der grösste Theil ist von Arabischem Typus und röthlicher Farbe, der Rest schwarz und dem Negertypus sich nähernd. Sie zählen sich zu den Arabern und sprechen noch nicht den Dialekt der Berge von Rôrô, Sen und Gule. — Es giebt am Qerebîn keine Löwen und nur wenige Hyänen. Das Wasser des Berges ist abscheulich. An den Felsen des Qerebîn kann man vortrefflich sehen, wie sich der Granit in dicke Schichten absondert, die wie concentrische Schalen eines ungeheueren Sphäroids erscheinen. Diese Schalen bersten wieder und zerfallen in beinahe recht winklig parallelepipedische Blöcke, die meist nach und nach ihre Kanten abrunden, wieder sich der Sphäroi'dgestalt nähern, um sich wieder in Schalen aufzublättern. Dadurch, dass einzelne Blöcke im Gleichgewicht geblieben sind, wäh rend andere Zusammenstürzen, sind nun die sonderbarsten Übereinanderthürmungen entstanden, au manchen Orten stützen prismatische Säulen einen ungeheueren Architrav, anderwärts sind die ungeheueren Sphäroide und Kuppeln auch mitten durch geborsten und bilden 40—50 Fuss tiefe Spalten mit völlig glatten Seitenwänden, die man auf die Gefahr hin, den Hals zu brechen, überspringen muss. Diese Spalten und Zwischenräume zwischen den übereinandergethürmten Blöcken bilden ein Labyrinth, aus welchem die Panther,. BaSöm und Qeqö, von denen es darin wimmelt, , nicht zu * vertreiben sind. Inmitten dieser zusammen gestürzten Felsen erheben sich riesenhafte Baobab, die wie Briareus ihre ungeheueren Arme gen Himmel strecken. Man möchte sie fast Bäume von Granit nennen, denn auch die Farbe ihrer Rinde besitzt dieselbe Rosafarbe, wie das Ge stein. Wilde Feigenbäume umschlingen die Felsblöcke mit ihren mächtigen Armen und der Klippschliefer läuft behende über schlüpfrige fast senkrechte Granitflächen.
Dienstag den 17. Februar sattelten wir vor Tagesanbruch und ritten über eine Ebene von Qubas Andropogon, wo wir schwarzbauchige Trappen aufscheuchten. Die Sonne war kaum aufgegangen, als wir in Werkat ankamen, einem grossen Dorfe am Fuss des Nordgipfels des gleichnamigen Berges. Von der Kehle aus, die den Berg in 2 Gruppen theilt, sah ich, dass der Qerebîn noch ein viertes Massiv besitzt, das mir, durch das dritte verdeckt, unsichtbar ge blieben war. Zerstreute Weiler bedecken die dem Qerebîn zugewandte Seite des Berges. Die Bevölkerung gleicht der des Qerebîn. Es giebt Schulen von Faqîh hierselbst. Wir liessen uns von einer Frau etwas Wasser geben, das besser ist als das des Qerebîn, und gingen dann nach dem Südende des Berges weiter. Die Vegetation ist die des Qerebîn.
Von da zogen wir in der Richtung auf Rôrô durch Gehölze von kleinen Nabaq, Tuffar, Qaqamùt, die nach und nach zu einem recht hübschen Wald wurden, indem Hegelîg, Kitr, Talha, Haśab und Grewia hinzutraten. Alle Krautpflanzen waren verdorrt oder verbrannt, ich erkannte in dessen eine grosse Composite, eine sich rankende Asclepias, Sida mutica, Croton plicatum, das überall in Fülle vorkommt, Ceiosia argentea und Ethulia gracilis. Vögel sind selten; wir sahen Turteltauben, Toccus hastatus , Crateropus, Bessornis und Coracias. Der Boden hebt sich von Qerebîn an nur sehr wenig und ist überall mit ausgezeichnetem Humus bedeckt. Bald senkt er sich aber wieder merklich, Combretum und Anogeissus treten auf. Dieser Theil des Waldes ist übelberüchtigt, denn die Inqasana lauern im hohen Gras verborgen den Vorüberziehenden am Wege auf und geben ihren Opfern kein Quartier. Am Ausgang des Waldes hat man die Kette der aus röthlichem Granit be stehenden Rôrô-Berge vor sich. Wir begegneten hier einem Neger, der uns Balaniten anbot, die ausgezeichnet waren. Am Fusse des Berges waren mehrere Weiler sichtbar; wir wendeten uns demjenigen zu, der von zahlreichen Baobab beschattet war und stiegen vor der Hütte des Mek ab. Der Ort liegt am Fusse der Felsen und zwischen Granit blöcken, auf welchen kleine Toqül zur Unterbringung des Getreides errichtet sind. Das Dorf enthält viele gut gebaute Toqül, deren Cylinderwand aus getrockneter Erde besteht, wie bei den Silük. Die nackten Äste der Baobab waren mit Garben von Durra - Ähren behängt, die zum Säen auf gehoben werden. Die Bevölkerung, aus Arabischem und Äthiopischem Blute gemischt, deren Typus und Farbe sich erhalten haben, hat nichtsdestoweniger zum grösseren Theil ein negerartiges Aussehen, wenn auch abweichend von dem Typus der Neger des Bahr-el-abyad. Die hiesigen Neger sind weniger heruntergekommen, weniger intensiv schwarz, haben aber hässliche und grobe Züge. Neben dem Ara bischen wird ein einheimischer Dialekt gesprochen. Die Leute nennen sich Hameg und sind verschieden von den Fun£, deren Stammsitze zwischen den Bergen Nyemati und Tefafan gewesen zu sein scheinen. Diesem Stamm gehörte von seines Vaters Seite her Adlân an, dessen Mutter Hondür war. Die Arabischen und Äthiopischen Mädchen, die ich an den Brunnen ihre Kleider waschen und Wasser schöpfen sah, sind grösstentheils hübsch und tragen ihr schönes Haar nach der Mode des Sennar.
Ich bestieg eine Granitkuppe 150 M. nordöstlich von dem nordöstlichen Hauptgipfel der Berggruppe und maass von dort aus Winkel. Die Berge Gule und Gemmam waren verdeckt und um sie zu sehen, begab ich mich auf die andere Seite des Berges, um meine Winkelmessungen zu ergänzen. — Der Berg besteht aus Granit, der sowohl in der Farbe (von gelblich und rosa bis zu bläulich-grau) wie auch in der Struktur wechselt, die bald grobkörnig, bald feinkörnig, fast sand stein arti g ist. Er schleift sich nicht so glatt ab, was die Besteigung erleichtert. Bemerkenswerth sind die elliptischen Vertiefungen, die sich darin vorfinden. Die ganze Berggruppe ist äusserst malerisch ; die Schluchten und Ebenen, die die Höhen trennen, sind schön bewaldet; am Fuss liegt eine Menge kleiner Wasserbecken, vom üppigsten Baumwuchs beschattet, und ringsum, so weit das Auge reicht, erstreckt sich die waldbedeckte Ebene. Ich