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8 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.

falls denen vom oberen Weissen Fluss weit überlegen. Die Hameg scheinen im Wohlstand zu leben; sie bauen ihre Wohnungen mit Sorgfalt, halten ihre Dörfer ziemlich rein und sind selbst an ihrer Person reinlich, ja fast kokett. Sie verstehen sich auf das Schmieden von Lanzen und Dolchen, das Weben von Stoffen und die Anfertigung von Kurbag, Sandalen, Rassam und anderen Lederarbeiten. Sie gerben mit Mudus, das aus dem Süden gebracht wird. — Sie essen gut und bereiten mit Vollkommenheit Bilbil, Kisra, Luqma (Durra-Mehlbrei), Melai} (siehe die Erklärung auf S. 2, 1. Spalte) &c.; sie sind gastfrei und bieten die Telqa an. Ein täglicher Markt wird im Dorfe der Gajalîn abgehalten. Das Dorf besitzt viele Murabba» (viereckige Häuser). Regeb hat eine Dattelpalme und einige Citronenbäume angepflanzt. — Die Ebene wird weithin von den Arabern des Abu-Rof durchstreift, die in Mattenhütten wohnen. Wir stiegen bei einem solchen Ferîq ab, ehe wir den Gule erreichten. Die Männer sind viel weisser als die Kababîs und als überhaupt irgend ein anderer Stamm des Sudan. Ihre Mädchen sind hübsch und mindestens graziös; ihre Hautfarbe liegt zwischen der Farbe des Bernsteins und der des Corduan-Leders in der Mitte; ihr prächtiges Haar tragen sie wunderschön durchflochten mit Bernstein und Korallenkügelchen und kleinen Muscheln. — Die Hameg sind Muselmänner von neuem Datum, beobachten aber kaum die Vorschriften des Islam und haben noch viele heidnische Gebräuche. Am Tage der Durra-Ernte stecken sie das Gras des Berges in Brand und halten am folgenden Tage ein Fest. Sie haben ihr Götzenbild, das bei dieser Gelegenheit aus irgend einem Winkel hervorgeholt und mit einem Stück Zeug verdeckt bei dieser Gelegenheit dem Publikum zur Verehrung aus­ gestellt wird. Es ist ein Stück geschnitztes Holz wie die Fetischpfähle der Neger. Einige haben auch das in den Bergen des Südens noch allgemein verbreitete Amulet des heiligen Rüsselkäfers beibehalten. — Die Excision der Frauen beschränkt sich auf die Clitoris. — Beim Begraben der Todten werden die Körper und die Haare mit Fett ein­ gerieben und wird eine Sichel, Trommel oder irgend ein vom Verstorbenen gebrauchter Gegenstand mit in’s Grab gelegt. In den Bergen des Südens wird noch 1 oder ’/2 Oqa Gold hinzugefügt.

Auf dem Markt zu Gule finden sich, besonders während der Regenzeit, Denqa ein, um die am Nil geraubten Leute gegen Ochsen und Kühe auszuwechseln oder um Sklaven zu verkaufen, die sie sich gegenseitig rauben; für einen Rahl Tabak erhält man eine schöne Sklavin.

Ein heidnisches Fest. Abends zuvor wurde alles Gras angezündet, Flintenschüsse abgefeuert &c. In dem Quar­ tier der Hameg war ein 1 M. hoher und ebenso breiter, roth und gelbgesprenkelter thönerner Altar von der Form eines abgestutzten Kegels errichtet; ihm gegenüber standen alle im Dorfe befindlichen Lanzen zu einem Bündel zu­ sammengebunden an einen Baumstamm gelehnt. Das Volk festlich gekleidet, die Haare voll Fett und mit rothem Ocker und Korkom gefärbt, stand im Kreise herum. Die jungen Männer, mit langen Gerten bewaffnet, traten aus dem Kreise hervor und tanzten zu dem Zagarit (dem vibrirenden Ge­ sang oder richtiger Geheul) der Frauen, während sie sich gegenseitig in der furchtbarsten Weise die Rücken peitschten, die ganz zerfleischt wurden. Dann führten sie einen von Geschrei begleiteten Tanz auf, der dem der Neger ähnelt, aber minder anständig ist. Sie dïückten nämlich durch Gesten mit der Hand die Bewegung eines Phallus aus. Einige hatten sogar einen hölzernen Phallus um die Lenden gebunden, der zwischen den Schenkeln herunterhing und den sie von Zeit zu Zeit fassten und schwangen. Der Tanz endigte mit Sprüngen um den Altar herum, während deren sie auch den Phallus schüttelten. Darauf traten die Tänzer in den Kreis zurück. Das Götzenbild war der Mo­ hammedaner wegen nicht sichtbar, sondern zu Hause ge­ blieben. Den ganzen Tag wurde das Fest von einzelnen Gruppen in Höfen und Strassen fortgesetzt. Man trank, sang und regte sich auf. Um »Asr war wieder Versamm­ lung um den Altar. Die jungen Mädchen, prächtig auf­ geputzt, bildeten eine Gruppe, blendend wie ein Blumenbeet. Der Chor bewegte sich singend um den Altar; die ihm zunächst Gehenden legten ihre Hände darauf, während die anderen die Arme auf den Schultern ihrer Nachbarinnen ruhen hatten. Die drei Chorführerinnen, geschmückt wie Göttinnen, gingen, die Arme auf die Schultern der mittelsten unter ihnen gelegt, ausserhalb der Reihen. Der Gesang, von den reinsten Stimmen ausgeführt, hätte kaum süsser und anmuthiger sein können. Auf einer vom Altar über­ ragten, von ihm aber durch den Chor getrennten Platform führten die Krieger mit ockergefärbten Haaren, die Lenden von prachtvollen Ferda (Umschlagetuch) umgürtet, einen kriegerischen Tanz auf und zerfleischten sich die Rücken mit Ruthenschlägen. Alle trieften von Schweiss und Blut; einige waren ganz blind vom Blut, das ihnen in die Augen lief, sangen und forderten sich, durch die Gegenwart der Mädchen und das Zagarit der Frauen aufgeregt, zum Kampfe heraus, bis ein Unparteiischer mit seinem Kampfstock die Gerten der Kämpfer niederschlägt und dem Streit ein Ende macht. Plötzlich ertönt die Trompete: der Kreis öffnet sich, und bis an die Zähne bewaffnete Krieger stürzten, den Trumbaś (das Wurfeisen) schwingend, herein; dann kam ein Bursche, der auf einem Kudu-Antilopenhorn blies, dann die Menge mit einem Stock zur Seite trieb und allerlei Sprünge machte (der Gaukler ist der Stellvertreter des alten Hexenmeisters). Hierauf nahte sich der Mek, eine krumme Gerte und einen verzierten Trumbaś tragend: hinter ihm schritt ein Krieger mit erhobenem Schild und über dem Kopf den zweiten Trumbaś von Holz schwingend. Die Menge wich fliehend zurück und der Chor der Mädchen flüchtete sich auf den Gipfel eines benachbarten Felsens. Der Mek setzte sich auf einen Mamber (richtiger Minbar, Thronsessel) von Ebenholz und Alle kehrten auf ihre Plätze zurück. Die Einzelkämpfe wurden nun immer wüthender, während der Chor seine Runde singend fortsetzte. Dann wechselt die Scene: Ein neuer Trupp Krieger drang in den Kreis ein; es waren die Bunin. Jetzt wurde der Kampf allgemein, die Streitenden umfassten sich ringend und rollten im Staub. Hierauf trat ein neuer Krieger auf den Kampf­ platz und Aller Augen waren auf ihn gerichtet. Er hatte das Haar glatt abgeschoren, eine Feder auf dem Kopfe und sein Gesicht war mit Ocker bemalt, von seiner Schulter hing ein Retzen Pantherfell. Es war ein Tfibier, der den zügellosesten Kriegertanz aufführte. Plötzlich stürzten Alle gleichzeitig gegen die Felsen hin davon. Es sollte diese den Angriff auf ein Dorf darstellen. Sie kamen mit der

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