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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 5 fast ausschliesslich den nördlichen Kegel, der 1500 M. genau magnetisch Nord von der Einschnürung liegt, welche die 2 Kämme trennt. Von diesem Kegel aus maass ich Winkel nach allen sichtbaren Bergen. Die Strasse läuft am West­ fusse des G. Abel hin. Nord einige Grad Ost von der Hauptspitze liegt am Fusse das Dorf Zerîba mit einer Gruppe von Baobab. Wir fanden nur wenige Bewohner und Kameele, die anderen wohnen in dieser Jahreszeit am Fluss. Längs der ganzen Ostseite des Berges zieht sich auch ein Dorf hin. Die Südseite des Berges ist viel reicher an Vegetation, als der übrige Theil. Der Weg läuft von da ungefähr 3 Lieues südsüdwestlich, dann südlich, biegt endlich stark nach Osten ab und führt nach dem Dorf Hedebat, wo wir bei bereits eingebrochener Dunkelheit ab­ stiegen. Vom G. Abel an ist das Land, so weit das Auge reicht, eine baumlose Ebene, nur kleine Qaqamüt sind zwischen den Gräsern verstreut. Am Boden sah ich nur Trianthema und Tragia. Als wir dem Flusse näher kamen, wurden die »Usar ziemlich häufig. 1 ’/4 Lieues vor Hedebat passirten wir ein Lager von Arabern, bei denen wir Rubb tranken. In Hedebat hatte ich das Unglück, bei dem Mamür abzusteigen, den ich sammt 2 oder 3 Berberinern von Durra - Branntwein betrunken fand, während das ganze übrige Dorf diese mit Merisa besorgt hatte.

Sonntag den 15. "Februar. Hedebat ist vom Nil durch einen halb ausgefüllten Hör oder Flussarm getrennt, der bald eine Maya werden wird. Natii dem Verlassen des Dorfes wurde ich durch den auffallenden Wechsel der Vege­ tation überrascht. Längs des Flusses erstreckt sich eine Reihe schöner Lebina mit dichtem dunkelgrünen Laub; grosse Sobeig, Silaq und andere Bäume stehen hier ver­ mengt mit den ewigen Akazien Nabaq und Heelig, ebenso Leiün-Sträucher. Das Ufer des Flusses ist üppig grün. Gegenüber liegt der Wald von Bonzüqa mit seinen kolos­ salen Santbäumen; überall bemerkt man auch Baobab.

1300 M. weiter läuft der Weg zwischen dem Flusse und einem See, einem einstmaligen bedeutenden Nilarm, an dessen Ufern etwas Gemüse gezogen wird. Ein Schwarm von Pelikanen fischte auf der Wasserfläche. Am äussersten Ende des See’s stiegen wir im Qomr des Faqih Besir ab. Ich sah daselbst ein gelbes Pulver, mit dem sich die Weiber das Gesicht färben, um demselben eine orangerothe, leicht goldglänzende Farbe zu geben. Es kommt von einer Pflanze, mit Namen A sfar (gelb), die am Flusse gezogen wird. An demselben Orte beobachtete ich eine Gurkenart Namens Fakus-el-kilab, ferner eine Scilla Namens Basal-el-kiläb und Tamr-?agib. Die'Bewohner des Qomr müssen die Regenzeit in Hedebat zubringen, aus Furcht vor den Inqasana, die vom Tabi aus Raubzüge unternehmen. Diese Täbier sind bekleidet und beritten. Jenseits des Qomr liegt nur noch ein einziger in der trockenen Jahreszeit bewohnter Ort, Geldern, denn Ferhäna ist jetzt verlassen. Der Rest des West-Ufers ist verödet. Auf der anderen Seite wohnen die vom Weissen Flusse zurückgedrängten Denqa nur eine halbe Tagereise vom Hör-doleb und dehnen ihre Raubzüge bis Sêrû und (j. Abel aus. Dieses Jahr haben sie das dem Malek Abu-Röf gehörige Dorf Omm-derman geplündert. In der letzten Regenzeit verweilten die Denqa 13 Tage bei Sêrû, wo sie 15 Leute von den Durra-Feldern wegraubten, ohne dass man versucht hätte, sie» zu vertreiben. — Wir verliessen den Qomr um >Asr und zogen über ein von Schluchten durchschnittenes Terrain, das mit Sobeig, Silaq, Leiün und Situait bewaldet ist. 3/i Lieue weiter nach Südwest kamen wir nach Tibna, einem ausgetrockneten See, in dessen Mitte sich Trinkwasser findet. Er ist 1200 M. lang und 500 M. breit. Von dort ging es durch Schluchten, die von den bläulichen Heerden der »Aqqalin besetzt waren, nach den Brunnen von »Edd-el-ohan mit sehr süssem Wasser, % Lieue in westsüdwestlicher Richtung entfernt. Eine halbe Lieue von dort entfernt steht ganz allein auf aus­ gedehnter Ebene ein vereinzelter Baum, El-toma genannt, jenseits dessen man bald am Horizont den Qerebin und den Wéreqat (oder Wérkat) auftauchen sieht. Die Höhe des Plateau’s ist erreicht. Es ist eine ungeheuere einförmige Ebene ohne Baum, so weit das Auge reicht. Die Vegetation besteht aus grossen Bartgräsern, zwischen denen kleine Qaqamüt versteckt sind. Auf den kahlgebrannten Flecken wächst Croton plicatum, das die Kameele gern fressen, das man aber nicht in die Hand nehmen darf, weil das stern­ förmige Flaumhaar, womit es bedeckt ist, auf Haut und Kleidern sich festhängt und Pusteln verursacht. Wir bebegegneten einigen Gellaben, die Durra und Gummi brachten und überholten eine andere, die Tabak nach Gule führte. Die Sonne ging wie eine glühende Kugel über der trost­ losen Ebene unter und beleuchtete mit röthlichem Schein die fernen Spitzen des >Ardüs und des »Ugelma, die allein wie die 2 grossen Pyramiden von Giza den einförmigen Horizont überragten. Wir ritten lange in der mondlosen Nacht über die stille ausgedörrte Ebene; endlich, als mir der entsetzliche Kameelritt fast die Knochen zu zermalmen drohte, streckten wir uns, nachdem wir unsere Reitthiere angebunden hatten, auf den unebenen Boden hin. Wir genossen auf diesem rauhen Lager den Schlaf, den der nicht kennt, der ihn nicht durch Strapazen errungen hat.

Am Morgen des 16. Februar, als die blasse Mondsichel eben über dem Horizont erschien, sattelten wir, und die aufgehende Sonne traf uns nahe dem Qerebin und Werkat, jenseits deren sich die blauen Spitzen des (rebel Sen ab­ zeichneten. Der jArdüs und der jUgelma waren verschwunden. Ehe man am Qerebin ankommt, bewaldet sich die Gegend mit einer neuen Akazicnart mit weisser Rinde und frisch­ grünen Blättern, Tuffar genannt. — Die Leute in Qerebin empfingen uns sehr höflich. Einer bot uns sein Haus, Abra (Getränk aus Wasser und säuerlichem Brod) und Hühner an, während mir ein Anderer als Führer auf den Berg diente. Der Qerebin ist arm an Vegetation. Ich sah nur wenige kleine Döm-Palmen, die beiden Feigenbäume Sere oder Serdol (jF. platyphylla) und Due (J*. intermedia) Caillaud’s; Vangueria Sâsâgad mit essbaren Früchten. Am Fuss der Abhänge auch He£eli£, dann eine Solanee, Poivrea Siljljait, Adansonia digitata. Der Semem bedeckt den Berg. In den Dörfern am Fusse bemerkte ich einige He£eli£, Ruellia nubica, eine Umbellifere, 2 oder 3 Compositen, Euphorbiaceen, neben dem Groton plicatum und einer Tragia. Die Compositen sind eine Ethulia und eine Vernonia, aber Alles verwelkt. — Wir sahen Spuren von Ratelus (Laslüs), Qêqô (Klippschliefern) und Panthern, die sehr zahlreich sind und Hunde, Vieh und selbst Kinder fortschleppen. Von Klippschliefern wimmelt der Berg; wir schossen mehrere und verloren andere, die in die tiefen Spalten gefallen oder

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