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4 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.

war herrlich: überall dichter Buech, von Pfaden durch­ schnitten, die Hütten fast unter dem Laubwerk verschwin­ dend und von Cissus und förmlichen Cascaden von Schling­ pflanzen bedeckt. Ungeheuere Tamarinden und grosse Lebinga {Cordiae spec.) gaben tiefen Schatten. Wir stiegen vor 2 viereckigen Hütten, die als Divan dienen, ab und man brachte uns alsbald die Melai) der Gastfreundschaft, wovon wir in Verbindung mit Perlhühnern, Gangas und Turtel­ tauben eine ausgezeichnete Abendmahlzeit bereiteten.

Donnerstag den 5. Februar um 8 Uhr Morgens brachen wir vom Qomr der Bewohner von Abu-söka auf. Vor dem Ausgang des Weilers steht eine grosse Anzahl von Baobab, die fast einen Wald bilden. Äusser ihnen sieht man Hasab auf dem durch Dünen und Schluchten etwas coupirten Terrain. Bald kam dann auch wieder Kitr-Wald und auf den üferhängen Tamarisken in beträchtlicher Menge. Weiter­ hin bestand der Wald aus Tąlha und nach 3’/2 Stunden erreichten wir Datela, zwischen dem Fluss und einer gras­ bewachsenen Maya gelegen und von einem Kranz von Sant umgeben. Gegenüber und 3/4 Stunden südlicher liegt Derêra, wo es viele Rhinoceros giebt. Datela ist der Wohnsitz der Qâwâsât und ihres Käsef Muhammad Maraślu. Sie haben aber den Fluss überschritten und sich für einige Zeit in Tamra, jAbidin gegenüber, niedergelassen. Wir lagerten uns unter einem Haras und neben einer Tamarinde. Die Maya hatte noch Wasser und war von zahlreichen Heerden der Araber umdrängt. Die Ochsen sind fast sämmtlich weiss.

Freitag den 6. Februar. Wir verliessen Datela um 7 */ a Uhr. Wir konnten dort Nichts bekommen und wenn etwas vorhanden war, so getrauten sich die Leute nicht, es zu sagen. Das Misstrauen der Araber ist ziemlich gerecht­ fertigt, denn überall auf den Strassen wird den Leuten das Wenige, was sie bei sich führen, genommen, und unsere Diener verfehlten nicht, es ebenso zu machen. Wir mussten uns mit Gewalt etwas Durra nehmen. Um 9 Uhr kamen wir auf der Höhe von Ramas an, das hinter einem an Tamarinden reichen Gehölz versteckt in einer langen Sen­ kung liegt, die dem Fluss parallel läuft. Gegenüber liegt Ronga, wo die Nachkommenschaft der alten Fun-Könige lebt. Der Mek bezieht eine kleine Pension von der Re­ gierung. Sie bringen ihre Zeit damit hin, mit einander zu streiten und sich gegenseitig umzubringen. In ihrem Lande hatten sie eine eigene Sprache, die sie nach ihrer Nieder­ lassung in Sennar bald verlernten. Sie wird aber noch von den Stammvätern ihres Geschlechts geredet. — Um 3’/2 Uhr Nachmittags passirten wir Sin£a, dem gegenüber Mena liegt; 3/4 Stunden weiter ist Omm-surrêta, ein Ara­ bisches Wanderdorf. Wieder ’/4 Stunde weiter kommt Harabdunya und gegenüber Omm-wold-dakola. Dieser Tagemarsch führte durch eine spärlicher bewaldete und weniger wild­ reiche Gegend. Wir sahen einige Mor-Antilopen *). Bei Harab-dunya wird etwas Baumwolle gepflanzt, auch fanden wir daselbst Milch.

Samstag den 7. Februar. Zwischen Harab-dunya und Sêrû trifft man nur ein Wanderdorf der »Aqqalin-Araber, wo wir etwas nach 2 ,/2 Uhr anlangten und wo man uns verdorbene Milch in unreinlichen Qara brachte. Wir wurden ’) Nach R. Hartmann (Zęitschr. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, 111, 253) JI’-Horr, Antilope dama. ' gebeten, eine weggeworfene Sardinenbüchse mit fortzu­ nehmen, weil sie Ansteckung mit den Blattern bewirken könne. 3/4 Lieue weiter liegt am Ost-Ufer Burud-ras, 3/8 Lieue weiter Omm-sant, ein grosses Dorf, ebenfalls auf jenem Ufer. Wieder 3/8 Lieue weiter liegt dann Sêrû, ein grosses Dorf zwischen einer langen Niederung, einem ehe­ maligen, noch Wasser enthaltenden Flussbett, und dem Nil gelegen. In dieser Maya sah ich Anas viduata, Rhynchops, schwarze Knäckenten mit weissem Bauch, Schwärme von Sumpfeulen, Klaffschnäbel, Marabut und Scharben. — Den­ selben Tag noch trug uns die Fähre nach Karkög hinüber, einem ziemlich grossen Dorfe, das sehr zerstreut auf Dünen von Sand und Staub liegt. Einige Baobab von mässigem Umfang und einige Heeligsind kaum im Stande, die Land­ schaft etwas zu verschönern. Eine einzige schöne Tamarinde verleiht Schatten.

Sonntag den 8. und Montag den 9. Februar wurde ein wenig belebter Markt abgehalten, wo man selbst die un­ erlässlichsten Verbrauchsgegenstände grösstenteils vermisste. Karkög ist ein bedeutender Handelsplatz, wo mehrere Kauf­ leute behufs Ankauf von Gummi, Sesam, Baumwolle &c. ansässig sind. Das Gummi kommt von der Talha {Mcacia gummiferd) und wird mit etwas Haśab-Saft vermischt. Es giebt in der Gegend Plätze, wo die Talha ein Gummi liefert, welches dem vom Hasab von Kordofan stammenden in Allem ähnlich ist.

i II. Von Karkög' nach Gebel Gule.

Samstag den 14. Februar gegen 10 Uhr brachen wir auf. Der Weg läuft bis zur Flussbiegung von Lèni in der Richtung des Dea und dann gegen den Gebel Abel hin, den wir gegen 3 */ 2 Uhr erreichten. Die ganze Gegend ist ein lichter Wald von Mimosen mit Nabaq und Kegelig, doch herrscht die Talha vor. Fast Alles ist verdorrt, auch giebt es kein Wild, nur die hellstrahlende Sonne und der blaue Himmel erheitern die Landschaft etwas. Von blü­ henden Pflanzen habe ich auf dem ganzen Wege nur eine Poivrea gesehen, deren Blüthen mich an die des Pfirsich­ baumes erinnerten. Es kommen auch Grewia und Dalbergia vor. Am Fusse des Gebirges machen die hohen Poa der Ebene 2 oder 3 Arten von Andropogon Platz und die ganze Vegetation verändert ihr Aussehen. Der Sobeig {Combretum Ilartmanni?) herrscht vor wie am Berg Nyemati und beginnt jetzt grün zu werden, steht aber schon ganz in Blüthen, die einen schwachen Jasmingeruch haben. Es kommen ferner vor: Sterculia setigera, Tertr {Ficus populifolid) Due {Ficus bengalensis) und Sère oder Serdol {Ficus platyphylla'). Letztere beiden sind ohne Zweifel die von Caillaud er­ wähnten Feigenbäume. Die Poivrea heisst hier Siljljait (Saljad ?). Man trifft noch einen anderen Baum, Namens Omm-Ismail, und einen zweiten, dessen Namen man mir nicht nennen konnte. Im Boden findet man Löcher des Abu-dalaf und von Stachelschweinen. Von Thieren sahen wir eine Sabara, den Cadaver eines Adlers, Melierax polyzonus, Poliornis rufipennis, und in der Ebene Mönchsgeier, Thurmfalken, Weihe {Prcnopterus), Kraniche, Gazellen. Die Berge bestehen aus rosenfarbenem Granit; der Quarz ist gewöhnlich weiss und undurchsichtig, hie und da leicht gefärbt, an den von Abu-hammed erinnernd; er ist sehr vorherrschend und bildet

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