Sudan Archive

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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 3 Horn. Manchmal Schuhe, Sandalen, Hüte, Schwerter. Von Perlen: Kleine Bered, Manjur, Damraf. Mansüs, Somit (nach Büppel, „Reisen in Nubien und Kordofan”, S. 35, Sommit, ein Achatschmuck), Kasis (heisst sowohl getrock­ netes und zu Pulver zerstampftes Fleisch, als auch Dattel­ wein); Spartogras-Geflechte, Netze (Sebeka), Matten, Stricke und Felle (Arab. Seleb), Kürbisflaschen, Korallen, kleine Muscheln. — Ein Schmied kommt häufig auf den Markt, um Messer zu schärfen und Werkzeug auszubessern.

Das Klima von Sennar ist ausserordentlich veränderlich und zwar nicht nur von einer Jahreszeit zur anderen, son­ dern selbst von einem Tag zum andern, ausgenommen natürlich in der Regenzeit. Die täglichen Temperatur­ unterschiede sind enorm und erreichen <28° C. Im Winter macht die Heftigkeit der Nordwinde sich noch fühlbarer. Ich sah daher zu dieser Jahreszeit viele Kranke, die an Fieber, Diarrhöe, Schnupfen und Augenleiden litten. Der Anfang und das Ende der Regenzeit gelten der Miasmen halber, die aus den stagnirenden Gewässern emporsteigen, für noch ungesunder.

Samstag den 31. Januar überschritten wir den Fluss, um das Ost-Ufer zu besuchen. Der Fluss hat einen grossen Theil des alten Sennar weggeschwemmt, Häuser und Gärten. Die Ufer sind besonders auf der vom Flusse beständig unterspülten Westseite senkrecht abgeschnitten. Der Fluss steht gegenwärtig 13 Fuss unter seinem gewöhnlichen höchsten Stand, wird aber bis Anfang März noch 3 Fuss fallen. Seine Breite ist 626 meiner Schritte. — Wir durch­ zogen eine recht hübsche Gaba von Mimosen, Hegelig und Nabaq, mit Schlingpflanzen durchwachsen; dazwischen 6 Fuss hohe Gräser, besonders Poa. Am Ausgang der Gaba liegt Sennar gerade gegenüber Babag; 4 Kilom, weiter kamen wir in das Dorf Abu-aili, wo wir 3 dem Müsa-paSa gehörige Giraffen sahen. In der Gaba fanden wir frische Elephantenspuren, auch giebt es darin viele Elephanten und Perlhühner. Am Flussufer liegen nur wenige Anpflanzungen, dagegen stehen daselbst Tamarisken von mächtigem Wuchs und Weidenbäume; auch eine schöne Asclepias (Л. lani flor a Caillaud’s, Arab. Difl) findet sich daselbst; sie ist sehr graziös und wäre werth, Europäische Gewächshäuser zu zieren. — Beim Übersetzen über den Fluss trinkt man Moyet-el-mek (Königswasser), was sich von dem Gebrauche der Könige von Sennar1) herschreibt, sich ihr Wasser am Ufer des Flusses schöpfen zu lassen.

Montag den 2. Februar brachen wir nach jAsr von Sennar auf. 2 Kilom, von der Stadt ist Wold-kadrä, ein ziem­ lich grosses Dorf, und noch 2 Kilom, weiter El-jera, ein ärm­ liches Gehöft, wo wir in dem Mesid eines Faqîh schliefen. Am Ufer des Flusses stehen einige Sycomoren, Sesaban, Weiden, wie wir sie schon gesehen, sowie eine andere Art mit silberglänzenden, von einer Art Flaum bedeckten Blät­ tern. Gegenüber liegt eine Gaba, in der Nachts die Hyänen unaufhörlich lärmten. Am West-Ufer gab es ihrer kaum weniger und sie kamen bis an die Häuser des Orts.

Dienstag den 3. Februar durchzogen wir einen waldigen unbewohnten Landstrich. Der Pfad war von Spuren grosser Heerden von Elephanten, Hyänen und Füchsen (Baśóm) ’) Ich schreibe dem allgemeinen Gebrauch folgend Sennar, obwohl nach Brugsch (Zeitschr. f. allg. Erdk. XVII, S. 22) Senar vielleicht richtiger ist.

gekreuzt; überall zeigen sich Spuren von Perlhühnern, von denen mehr geschossen als mitgenommen werden, so wie zahllose Züge von Turtur risorius. Der Wald besteht vor­ zugsweise aus Nabaq, der Boden ist mit hohem Grasdickicht bewachsen, die Ufer des Flusses sind steil und von Schluchten durchrissen. Nach 9 Stunden gelangten wir nach Pelata, einem grossen Dorfe nahe dem Fluss, dessen Eingang an einem grossen Baobab (El-hamra) kenntlich ist. Wir be­ reiteten das Mittagsmahl und blieben dann Angesichts des Umstandes, dass wir doch nicht vor Nacht in jAbidin an­ kommen konnten, bis zum nächsten Morgen hier. Nirgends sah ich so viele Perlhühner, wie in dieser Gegend. Abends beim Schein des Vollmondes sahen wir einen Trupp Elephanten dem Dorf gegenüber unter die Bäume des in gangbarer Böschung abfallenden Ufers heraustreten. Sie tranken und tummelten sich herum, ohne sich im Geringsten um die Nachbarschaft der Araber zu bekümmern, die ihre Heerden zusammentrieben und aus vollem Halse schrieen. Die Thiere sind zahlreich und werden kaum gejagt. Zur Regenzeit halten sie sich auf der Tahra (wörtl. der Rücken, hier das etwas höher gelegene Binnenland) auf, im Winter nähern sie sich bis auf 4—5 Stunden dem Flusse, an den sie von Zeit zu Zeit zum Trinken kommen. Sie sind auf der Ost­ seite des Flusses verbreiteter als auf der Gezira.

Mittwoch den 4. Februar brachen wir von Pelata um 7 */ 2 Uhr auf und kamen gegen Mittag in > Abidin an, nachdem wir eine trübselige, spärlich bewachsene Gaba durchzogen hatten, in der wir von der brennenden Sonne zu leiden hatten. Sie bestand anfangs aus Mutait, dann aus Kitr. Im ersten Theil gab es Perlhühner und Pterocles senegalensis, der andere Theil ist ein Wald, wie ihn Dante schildert, ohne Schatten, ohne Grün, mit vertrocknetem Gras und Gesträuch. Todtenstille herrschte darin, nur hie und da sahen wir eine Columba risoria oder aegyptiaca. Überall trifft man Elephantehspuren. > Abidin gegenüber stehen ziemlich viele, aber nicht sehr hohe Dolêb-Palmen am Flusse. Vor Pelata fängt das rothe poröse Gestein des Weissen Flusses und des Óur-Landes an sich zu zeigen, ebenso aber häufiger die geschiebeartigen, nur an der Ober­ fläche auftretenden Kalkablagerungen. Die Berge sind Urgebirg. Bei den früher bewohnten Orten sieht man Blöcke von schwärzlichem Syenit, die offenbar von den Bergen hergebracht sind. — Wir brachen um 2 ’/2 Uhr von >Abidin auf und passirten in Sicht von Rarâba. 1 Lieue östlich von Rarâba liegt Abu-söka. Zwischen beiden Orten zieht sich eine grasbewachsene Ebene mit ein paar Bäumen hin, woselbst sich ungeheuere Schaaren von Perlhühnern und Turteltauben aufhalten. Bei Abu-êôka liegt eine grosse Insel und das jenseitige Ufer bietet einen lieblichen An­ blick dar. Das Dorf war leer, die Bewohner waren aus Furcht vor Gästen und den Türken geflohen, um erst zur Regenzeit, wenn die Wege ungangbar geworden sind, zurück­ zukehren. Wir zwangen einen Araber uns zum Weiler zu führen. Wir liessen links von uns eine Maya mit noch etwas Wasser, um welche die weissen Ochsenheerden und das zahllose Kleinvieh der Qâwâsât weideten, und befanden uns 3 Kilom, weiter am Flussufer in einem für das Auge un­ durchdringlichen Dickicht von Nabaq und Tundub, worin Niemand ein Dorf vermuthet hätte, vor einem Qomr (tem­ poräre Ansiedelung) der Bewohner von Abu-söka. Der Platz 1*

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