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2 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
Wir verliessen Wold-medina Montag den 19. Januar um >Asr und erreichten das 1 ’/2 Lieues entfernte Zeriba, wo der frühere Wohnort Adlan’s und seiner Tochter Nasra ist, deren Haus oft von Europäern besucht worden ist, denen sie eine ausgedehnte Gastfreundschaft gewährte.
1 '/2 Lieues weiter liegt Wold-el-hindi, ein armseliges Gehöft, wie das ganze Land verlassen in Folge der Contributionen und der Quälereien der Seb- Wir übernachteten daselbst, fanden aber nicht einmal Milch vor.
20. Januar. Die Landschaft besteht aus freien Ebenen und Gehölzen von kleinen Siyala. Wir kamen durch einige verlassene Dörfer und machten gegen >Asr bei einigen Hütten von Ziegenhirten Halt — die Örtlichkeit wird Halifa genannt —, wo man uns > A sida (Durrabrei), Melai) von Bohnenblättern (nach Schweinfurth, „Im Herzen von Afrika”, II, S. 441, ist Melach „ein scheussliches, schleimiges Gemenge aus Wasser, Sesamöl, Bamiakapseln, Corchorusblättern, Cayennepfeffer und Aschensalz”) und mit Wasser verdünnten Rubb (eingedickten Fruchtsaft) bereitete. Eine halbe Stunde weiter liegt Hellet-el-faqih-jabd-el-hag. Die Flussufer sind steil und hoch und wir sahen die Krokodile auf den Sandinseln schlafen. Am Ufer dehnt sich eine hübsche Gäba von Serha, Nabaq, Hegelig, Siyala und Haras aus, dazwischen auch Asclepias, Cissus quadrangularis oder diaperus, Momordica, Grewia, die Pflanze mit rothen Beeren, Cadaba und einige Haśab. Man sieht Affen und Papageien.
— Am Abend krepirte mein Kameel.
21. Januar. Wir hatten eine starke Tagereise, ohne durch einen Ort zu kommen und trafen nur selten eine Mesraj an den steilen Uferrändern; erst die Meśra» Abusakra bei dem Dorfe »Abd-el-hag und 3 Stunden weiter die Meśrajt-ed-danagila, bei der eine Qubba (Grabkuppel) steht.
An den von Wasserrissen durchfurchten Ufern halten sich Perlhühner auf, von welchen ich eines schoss. Dann kamen wir in einen ziemlich dichten Wald, der einige hübsche Plätze enthält. Wir bemerkten mehrmals Spuren von Löwen. Um 7 Uhr waren wir bei der Mesra>-f;ayyiba, */ 2 Stunde nach Sonnenuntergang kamen wir aus dem Walde heraus und hatten in einer Entfernung von */ 2 Stunde das Dorf Buqr vor uns. Etwa 1500 M. weiter sah man die Feuer von Sennar ; doch blieben wir die Nacht in Buqr.
Den 22. Januar ritten wir nach Sennar, das etwa 6000 Einwohner zu haben scheint. Die Stadt, welche zurückgegangen ist, wenn auch nicht so sehr wie W. Me dina, ist ziemlich gut gebaut und wird von einem Mamür regiert, der einige Soldaten und eine Kanone unter sich hat. Es ist ein Pulvermagazin vorhanden; die Kasriya ist ähnlich wie die von W. Medina, ebenso die Moschee. Markt wird Montags und Donnerstags abgehalten.
Wir lagerten uns nördlich von der Stadt am Ufer des Flusses, wo sich einige Gärten mit Citronenbäumen und Gemüse-Anpflanzungen befinden. Letztere enthalten Zwiebel, Radieschen, Eierpflanzen &c. Auch stehen dort einige Dattel-, Dom- und Dolêb-Palmen und 2 grosse Sycomoren. Die Luft ist ungesund und wir hatten 3 Kranke. Mein Pferd verlief sich, meine Diener fingen Streit an, auch wurden wir von Ziegen viel belästigt. Der Wakil des Mamür, Ahmed-aga und der Sei) Ahmed Ser-Tuar erwiesen sich uns sehr gefällig. — Die Früchte der Dolêb-Palmen fingen gerade an reif zu werden. Dieser Baum kommt auch noch nördlicher vor, aber nur östlich vom Fluss. Auch wurde mir mitgetheilt, dass jenseits Sennar mehr Dattel-Palmen vorkommen, die dort zweimal jährlich tragen.
Folgendes sind die Thiere, die ich unterwegs sah: Kraniche, Jungfern, die in grosser Menge in Fallen gefangen und genossen werden. Sabara und 2 Arten Ichneumon, die eine die v. Heuglin’sche, die andere grösser, dunkel, aschfarbig and gesprenkelt; beide überall verbreitet. Löwen und Füchse (Basom) werden in Sennar zum Kaufe aus geboten. Elephanten zeigen sich gegenüber der Stadt, auch einige Gazellen. Vögel sind nicht sehr zahlreich, weder im Innern des Landes, noch an den Flussufern, die im All gemeinen zu steil sind. Besonders giebt es wenig Raub vögel. Ziemlich gemein sind Percnopteren, sehr selten aber Neophron pileatus und Vultur occipitalis, Helotarsus acaudatus. Milane (Hadaya) und Thurmfalken sind auch gemein, ebenso ein von mir beschriebener Falke. Der Haliaetos vocifer kommt ziemlich selten in der Nähe des Flusses vor. Ferner trifft man den gewöhnlichen Raben und den mit weissem Ring um den Hals, ferner Melierax polyzonus und ein Numenius. Der rothbeinige Wasserläufer ist gemein, ebenso Vanellus pileatus und Hoplopterus aegyptiacus, so wie Charadrius aegyptiacus. Weiter kommen vor: Textor alecto, Otis arabs, senegalensis ; der blaue Bengali und verschiedene andere Finken; die graue Bachstelze, Saxicola oenanthe, Telephorus erythropterus, Toccus hastatus und erythrorhynchus, Pterocles senegalensis, Ardea virgo, A. pavonica, Grus cinerea, Turtur risorius communis, T. lugeus, T. aegyptiacus. Auch Strausse kommen vor. Tantalus ibis und Merops nunutus sind häufig, weniger Cypselus ambro siacus und die Ägyptische Gans. Viele Arten sieht man nur in der Regenzeit.
Folgende Pflanzen werden angebaut: Durra {Sorghum), jAnqalib {Sorghum saccharatum), Doljn {Pennisettm), Mais, Sesam, Baumwolle, Tabak, Dattel-Palmen, die Eierpflanze (Aubergine), Paradies-Äpfel, Bamiya {Abelmoschus esculentus), Figl {Raphanus sativus), Moluljîya {Corchorus olitorius), Rigla {Portulaca oleracea), Zwiebeln, Citron en, Wassermelonen, Melonen, Qara (Flaschenkürbisse), Tibś (?), Agûr {Cucumis chatę), Fûl {Vicia Faba), Lubîya {Dolichos nilotica). — Von wilden Früchten werden genossen : Nabaq (Frucht des Sidr-Baumes, Zizyphus Spina Christi), Hegelîg {Balanites aegyptiaca), Quddam {Grewia populi folia), Muljljait {Cordiae spec.). — Ferner werden zu Markt gebracht: Salz, Natron, Gardaqa (hartes Brod), Kohl (Augenliderschwärze), Zinn, Mersyn (?), Śaiba {Artemisia), Śiteta {Capsicum conicum), Filfil {Capsicum frutescens), Kuzbara (Fenchel), Garad (Heu schrecken), Reis, gelber Zucker, inländische und Syrische Seife, Datteln. — Ferner : Rindvieh und Esel ; Fleisch von Ochsen, Kameelen, Hammeln und Ziegen ; Hühner. — Talg (Wadak); Butter, Sesamöl, Rubb (eingedickter Fruchtsaft), Eier. — Von Kleidungsstoffen: Tromba (oder Trumba, nach Schweinfurth, „Im Herzen von Afrika”, II, S. 429, einheimi scher, roh gewebter Baumwollenstoff aus Sennar), Madapolam (geköperter Kattun, nach der gleichnamigen, Indischen Stadt benannt), Fergi (ein dünner Mantelstoff), Sas (wahrschein lich richtiger Saśiya, in der Stadt Śaś gewobener Stoff), Tamur (nach Marno, „Reisen im Gebiet des Blauen und Weissen Nil”, S. 502, grobes einheimisches Baumwollenzeug, nach Schweinfurth, 1. c., Damur, englischer Kattun), Tuga (?),