Sudan Archive

Open the original scan

Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.

I. Von Hartüm nach Karkög. Der Aufbruch von Hartüm geschah Donnerstag den 6. Januar 1863 gegen Abend. — Nachdem man über das Pulvermagazin hinaus ist, hat man eine dürre Ebene vor . sich liegen, welche die Nachbarschaft der Stadt jeder Spur von Gras und Gesträuch entkleidet hat. Der Boden ist sandig; während der Regenzeit bebaut man daselbst einige magere Durra-Felder. Wir begaben uns in Mesra>t-el-har, ungefähr 2 Stunden von Hartüm, zur Ruhe, einem Ort, wo etwas Kalk gebrannt wird und der von Weitem an 2 der wenigen Dattelpalmen kenntlich ist, die noch im Süden von Hartüm vorkommen.

7. Januar. Einige Stunden von der Stadt fangen Tundub an sich zu zeigen, dann Hegelîg und endlich Mimosen, die immer häufiger werden. Die verbreitetste Gattung ist die Siyäla, seltener die Talha, hie und da findet sich auch ein mager aussehender Sant oder Haras. Das Gras ist ver­ schwunden, zertreten, vom Winde weggefegt oder von den Hartümer Kameeltreibern weggeholt. 5 Stunden von Hartüm liegt der Brunnen Sebîl Qasm-es-sîd mit einem kleinen Gärtchen, bestehend aus 3 oder 4 Sesabän und einigen Cactus. — 9 Stunden von Hartüm ist Gedid, ein aus ver­ schiedenen Weilern bestehender Ort, dessen Bewohner be­ sonders im Rufe der Ungastlichkeit stehen. Die Anwohner des Flusses, von welcher Race sie auch sein mögen, sind den Fremden wenig zugethan; diejenigen unter ihnen, welche Gastfreundschaft üben, thun es nur aus religiösen Gründen. Es muss freilich zugestanden werden, dass die Türken die Hauptursache dieser Abneigung sind, der Bru­ talität wegen, deren sie sich fast immer gegen die Ein­ geborenen, bei denen sie sich aufhalten, schuldig machen. Nirgends sind die Leute ungastlicher, als auf den am stärk­ sten begangenen Strassen. Die Araber, die fsst alle fern von den Verkehrswegen leben, fürchten sich vor allen Fremden, aber wenn man sie nicht schlecht behandelt, zeigen sie sich bald zutraulich und gastfreundlich, während die am Fluss wohnenden Stämme von rohem und streit­ süchtigem Charakter sind. In Meśrajt-el-har suchte der Besitzer des Hauses, in dessen Nähe wir die Nacht zu­ gebracht hatten, Streit mit unseren Dienern wegen eines Tundub, den unsere Kameele abgefressen hatten. Unser Nachtlager war in Gedid.

8. Januar. Nach 3 Stunden passirten wir Nuba, das durch einige Döm-Palmen kenntlich ist, 2 Stunden weiter El-mesîd ’), einen ziemlich gut gebauten Ort mit Minaret, und 1 Kilom, weiter Et-tîh. 2 ’/2 Stunden später erreichten *) Identisch mit Et-tîh-e’-fuqarâ bei Hartmann (v. Barnim’s Reise in Nordost-Afrika, S. 379).

Pruyssenaere's Reisen, 2. Hälfte.

wir El-bisäqra, das an einer Dòm-Palme und 2 dürftigen Dattel-Palmen zu erkennen ist und wo wir übernachteten.

9. Januar. 3 Stunden nach dem Aufbruch kamen wir durch Wadi-et-turab, vor welchem man zum ersten Male eine Gäba (Buschwald) von Siyäla antrifft. 2 Stunden weiter kommt dann Kamlîn ; 3/4 Stunden vorher sind einige Dattel-Palmen am Ost-Ufer sichtbar. Etwa 800 M. vor Kamlîn ist eine Datteln-Pflanzung, welche jAli-Nûr-ed-dîn, dem Sohne Nûr-ed-dîn’s, der mit Ahmed-Pasa associirt ist, gehört. Letzterer hat diesen Ort durch Errichtung einer Seifen- und einer Indigo-Fabrik, sowie einer" Branntwein-Brennerei zu einer gewissen Blüthe gebracht. Kamlîn bildet etwa die Mitte des Weges bis Wold-medîna. Die Um­ gebungen des Ortes sind ansprechend, die Flussufer bebaut und die Gaba reich an grösseren Bäumen. — Der Weg führte nun abwechselnd durch Buschwald und Ebenen mit Ortschaften. Eine Stunde von Kamlîn sieht man 2 Dattel-Palmen am Ost-Ufer und erreicht 1 Stunde weiter Wadiel-mehdi, wo übernachtet wurde.

10. Januar. Nach / 2 Lieue gelangten wir nach Ommdegersi, nach einer weiteren Lieue nach Abu-jusar, einem grossen Dorfe mit einer Moschee, dann nach Wâdi-el-furû> und 3/4 Lieue weiter nach Dabba, das ziemlich bedeutende Anpflanzungen hat. Zur Nacht blieben wir in El->azaza ).

* * 11. Januar. Der Weg entfernt sich vom Flusse, nähert sich demselben aber wieder bei Hellet-nurain, einem grossen Dorfe mit einem Minaret. Die Landschaft wird kahl, wie die Umgebungen von Mesalamia. Die Strasse nähert sich wieder dem Flusse bei Héllet-jukûra, wo man ziemlich viel Anpflanzungen und etwa 10 Dattel-Palmen sieht. Wir machten hier die Mittagsrast. — Um Sonnenuntergang er­ reichten wir Fadasi, wo man wieder an den Fluss kommt. Es ist diess ein grosses und schönes Dorf von wohlgebauten Toqül und einigen Murabbaj (wörtlich „viereckig”, vier­ eckiges Haus im Gegensatz zu dem cylinderförmigen Toqül) mit gut construirten, dichten Umzäunungen in leidlich gerad­ liniger Anordnung.

Den 72. Januar langten wir in Wold-medîna an, einer Stadt von 4000 Einwohnern am Ufer des Flusses, die früher voll Leben war, jetzt aber verfallen ist wie der ganze Sudan. Moschee und Kaserne liegen in Ruinen, da­ gegen ist das Grabdenkmal (Qubba) von Wold-medîna, dem Gründer der Stadt, ziemlich gut erhalten. Ausserdem existirt noch ein verlassener Kiosk von >Omar-bek, eine halb leere Kasrîya und 2 gròsse Kaffeehäuser. Wir logg­ ten in dem Hos (Gehöft) dès Faqîh Dêf-allah, wo wir Nachts von den Kühen des Orts belästigt wurden.

1) Hartmann schreibt Hesehesa (1. c. 385). 1

Text produced by OCR — report an error