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Dritter Theil. Wissenschaftliche Resultate. 35 III. Strommessungen.

Der Sobat beim Dorfe von Petherick’s Dolmetscher (9° 2' 22" N. Br.) hat nach einer Messung mit dem Sex­ tanten am 15. Juni 1862 bei Hochwasser: Sobat: Breite 317 m, Tiefe in der Mitte 8 m, je 10 m von den Ufern noch 4 m, Querschnitt = 1939 Quadratmeter, Geschwindig­ keit etwas über 2 Kilom, die Stunde, daher Wassermenge = 1066 Cubikm. in der Sekunde. (Bei der Berechnung sind absichtlich Tiefe und Geschwindigkeit etwas vermindert worden, um der Reibung an der Peripherie des Bettes Rechnung zu tragen.)

' Der Bahr-el-azraq bei Karkög bei tiefstem Wasserstand hat Breite = 300 m, mittlere Tiefe = 2.53 m, Quer­ schnitt = 759 Quadratmeter, Geschwindigkeit = 0.45 m in der Sekunde. Wassermenge i. d. Sek. = 341 Cubikm. Die Maximaltiefe zu dieser Zeit ist 4.65 m.

Bei höchstem Wasserstand sind diese Zahlen: Breite = 435 m, mittlere Tiefe = 7.10 m, Querschnitt = 3088 Quadratmeter, Geschwindigkeit = 1.90 m. Wassermenge in der Sekunde = 5867 Cubikm. Maximaltiefe im regel­ mässigen Theil des Bettes — 11 m ; das gewöhnliche Hoch­ wasser liegt 6.35 m höher als der gewöhnlichste tiefste Stand. Im Jahre 1863 war aber der höchste Stand 7.13 m höher. Die mittlere Tiefe ist aus sechs gleichabständigen Lothungen an einem Orte, wo das Bett möglichst regel­ mässig ist, abgeleitet.

Derselbe Strom hat beim unteren Ende der Stadt Sennar eine Breite von 502 m, die Tiefe ist in etwa 5 m Ent­ fernung vom Ufer 2.80 m. Die Hochwassermarke liegt noch gegen 4 m über dem Niveau am 30. Januar 1863 und der Fluss fällt bis zum Beginn des Harifs noch 1 m tiefer.

Der Binder bei Wold Abyad (13° 03') hat zur Zeit des höchsten Wasserstandes zwischen den oberen Uferrändern die Breite = 163.40 m, mittlere Tiefe = 4.58 m, Quer­ schnitt = 746 Quadratmeter, Geschwindigkeit = 1.95 m, Wassermenge in der Sekunde = 1454 Cubikm. Das west­ liche Ufer ist fast senkrecht, das östliche ist geneigt und sein Rand wird etwa 0.75 m hoch überfluthet, so dass das Wasser noch 10 m weit übertritt. Die Maximaltiefe ist, abgesehen von den Birka, d. h. ständigen Wasserlöchern im Flussbette, ungefähr 6.50 m. Am 18. Februar 1864 floss der Dinder in seinem unteren Theil noch sehr schwach und hörte kurz darauf ganz auf. Ich vermuthe, dass selbst der beobachtete Strom nur von einigen zufälligen, am 16. Fe­ bruar in seinem mittleren Stromgebiet gefallenen Regen herrührte. — Die Schwelle trat ganz plötzlich in der Nacht vom 25. zum 26. Mai ein und brachte eine Erhöhung von 2 m mit sich, am 3. Juni waren 3 m Wasser vorhanden. Dasselbe war schmutzig, aber eher bräunlich als röthlich wie das des Azraq.

Der Bahat bei Wold->es (13° 19' 5") bei Hochwasser hat die Breite = 83.20 m, mittlere Tiefe — 3.14 m, Querschnitt = 261.24 Quadratmeter, Geschwindigkeit=2.05m, Wassermenge in der Sekunde = 535 Cubikm. Das Steigen fand in der Nacht vom 26. zum 27. Mai 1864 plötzlich Statt und brachte sofort 2 m hoch Wasser von eben so brauner Farbe wie das des Dinder.

Aus den Wassermengen des Azraq, des Dinder und des Rabat setzt sich die Gesammtwassermenge des Blauen Nils zur Zeit des höchsten Wasserstandes zusammen zu 7856 Cubikmeter in der Sekunde.

IV. Astronomische Ortsbestimmungen.

De Pruyssenaere war mit den Grundlehren der Astro­ nomie vertraut und kannte namentlich den Fixsternhimmel ganz gut, als er im Jahre 1862 begann, astronomische Orts­ bestimmungen zu machen. Als Instrumente verwandte er vorzugsweise „le grand sextant”, womit er aber wiederholt Winkel von über 130°, einmal sogar einen von 141° maass, so dass es möglicherweise ein Quadrant oder ein Spiegel­ kreis gewesen ist. Er war höchst wahrscheinlich in Paris (1861) gekauft und aus der Sorgfalt, mit welcher de Pruys­ senaere überhaupt seine Waffen und Instrumente auswählte und behandelte, darf man schliessen, dass es ein gutes In­ strument war, wofür auch die damit gemachten Beobach­ tungen sprechen. Die Ablesung ging bis auf Sechstel Mi­ nuten, so dass also der Limbus vermuthlich in Sechstel Grade eingetheilt war. Ein Indexfehler findet sich bei den Beobachtungen in den Jahren 1862 und 1863 nicht an­ gegeben. Im Jahre 1864 wird bei den Beobachtungen vom 19. bis zum 25. Mai der Indexfehler = + 1 ' 20" in Ansatz gebracht, vor- und nachher wird er ausdrücklich = 0 angegeben. Ich vermuthe deshalb, dass der Reisende, den Fehler von Zeit zu Zeit durch Correction des einen Spiegels auf 0 gebracht hat. Alle brauchbaren Bestim­ mungen sind durch Sternmeridianhöhen erhalten, wovon nur die eine zu Tana mittelst des kleinen Sextanten, dessen Angabe = 1', dessen Indexfehler = 8' war, gemacht wurde. Im Anfang hat de Pruyssenaere auch Sonnen- und Mond - Beobachtungen ausserhalb des Meridians zu machen versucht und es liegen auch die Daten zu einigen Längen­ bestimmungen am Sobat und eine für Karkög vor. Er hat indessen niemals die nöthige Übung im gleichzeitigen Beob­ achten der Uhr und der Himmelserscheinung erworben, um zuverlässige Längenbestimmungen zu erhalten und deshalb selbst weitere Bemühungen hierzu aufgegeben. Die vor­ liegenden Längen-Beobachtungen, deren Berechnung mein Freund A. Au wers in Berlin im Verein mit Herrn Bruhns in Leipzig gütigst übernommen hatte, geben keine zuver­ lässigen Resultate. In der Beobachtung der Sternmeridian­ höhen hat de Pruyssenaere dagegen mit der Zeit eine grosse Fertigkeit erlangt. Ihre Resultate stimmen, wo eine Ver­ gleichung möglich ist, fast überall sehr gut mit denen von Cailliaud überein. Die Berechnung der Breiten aus den Beobachtungen ist von mir überall mit genauerer Berück­ sichtigung der Refraction und verbesserten Sterndeclinationen wiederholt worden. Die Beobachtungen nebst dem Resultate folgen nach der Zeit geordnet, worin nur bei Sennär und Karkög, wo in 2 aufeinander folgenden Jahren beobachtet wurde, abgewichen ist. Es sind 43 Beobachtungen an 36 Orten angestellt worden und das Verhältniss dieser beiden Zahlen lässt schon erkennen, was bei den trigono­ metrischen Messungen noch mehr hervortritt, dass de Pruys­ senaere als Laie in der praktischen Messkunst leider nur wenig Begriff davon gehabt zu haben scheint, welche Vor­ züge der Sicherheit die Vermehrung der Beobachtungen an einem und demselben Ort bietet.

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