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28 Dritter Theil. Wissenschaftliche Resultate.
schwebenden Wolken stattzufinden schienen; der Donner hatte dann einen ganz besonderen fast musikalischen Klang, ähnlich wie angeschlagene gestimmte Glasstäbe. — Es ist selten, dass ein Gewitter da ausbricht, wo es sich zusammen gezogen hat, so dass derselbe Beobachter selten Zeuge seines ganzen Verlaufs ist. Der Vorgang ist gewöhnlich folgender: In den hohen Luftschichten bilden sich bei ruhigem heissen Wetter dichte Cirrus mit sehr verschwommenen Umrissen, die sich sehr rasch gegen einander ausbreiten und ver schmelzen, sie nähern sich der Erdoberfläche und scheinen den ganzen Himmel mit Cumulostratus zu überziehen. Alsdann tritt gewöhnlich ein leichter Wind ein, der die Wolken nach der einen oder anderen Seite hin entführt, so dass das Gewitter an ein und demselben Orte nicht lange dauert. Manchmal aber entwickelt sich dasselbe auch am Orte, der Regen fällt in Strömen, während die dicken Tropfen vom Wind fast horizontal hingejagt werden. — Wenn man ein Gewitter von ferne heranziehen sieht, so erscheint es in der Form von grossen Cumulostratus; es nähert sich lang sam, oft von einem Wind herangeführt, der von dem am Standpunkt des Beobachters herrschenden verschieden ist. Dieser letztere Wind hört erst auf, wenn das Gewitter ganz nahe ist; es folgt dann eine kurze Windstille von einigen Stössen aus veränderlicher Richtung unterbrochen; endlich kommt das Gewitter an, einige Minuten zuvor angekündigt durch den Wind, der es bringt. Diese Gewitter dehnen sich nur über kleine Flächenräume aus; sie sind z. B. für das Gog und Heiligkreuz selten identisch. Diese Art von Gewittern ist die im Sudan fast ausschliesslich vorkommende. Manchmal verschmelzen sich die Gewitterwolken mit allen am Himmel befindlichen in eine einzige Masse, die den Himmel völlig verfinstert. Es kommt diese namentlich in der äquatorialen Zone vor, wenn das Wetter ruhig ist. Die Masse lässt kaum eine Fortbewegung erkennen. An der Erdoberfläche ist nur eine leichte Brise bemerkbar, und trotzdem ziehen unter der zusammenhängenden Decke leichte Wolken mit grosser Geschwindigkeit dahin; elektrische Ent ladungen und Regen dauern mit grosser Hartnäckigkeit und Gleichförmigkeit manchmal bis zu 20 Stunden. Die Regentropfen sind kleiner. Ein solches Gewitter, das ein ganzes Land bedeckt, habe ich im Sudan nie erlebt. — Eine dritte Form des Gewitters besteht aus einem wohlbegränzten Nimbus, so dick, dass er oft schwarz erscheint, manchmal ziemlich hoch, andere Male tiefer und dann ist das Gewitter heftiger, selten den Boden streifend, wobei das Gewitter furchtbar wird. Seine Ränder sind dann so scharf begränzt, dass man eine feste Masse vor sich zu sehen glaubt, seine Farbe blauschwarz. Ein solches Ge witter ist immer ein Mittelpunkt, in den sich die Luft von allen Seiten her mit Heftigkeit hineinstürzt. Es zieht oft aus einer dem herrschenden Wind gerade entgegengesetzten Richtung und oft mit ausserordentlicher Geschwindigkeit heran, und ohne Übergang, oft ohne eine Sekunde Wind stille, schlägt der Wind in den entgegengesetzten um, der das Gewitter mit einer Heftigkeit herbeiführt, die aller Be schreibung spottet. Gewöhnlich ist die Luft der Art mit Staub erfüllt, dass man nichts mehr deutlich sehen kann, und längere Zeit giebt es nur einige wenige, aber enorm dicke Regentropfen. Die Erscheinung endigt mit einem wolkenbruchartigen Platzregen. Es zieht vorbei und lässt einen klaren Himmel zurück, während der Wind die Rich tung dem abziehenden Gewitter nach nimmt. — Endlich giebt es noch bisweilen regenlose Gewitter bei hochgehenden Cirrus und leichten Cirrostratus.
o. Flu88schweilen des Kir im Кіѣ-Gebiet. Die Gemässer des Kir sind um den 25. Januar am niedrigsten. Von diesem Tage an erklärt sich das Steigen fast unmerklich und mit Oscillationen; es wird rasch in den ersten Tagen des April. Das Wasser erreicht ein Maximum gegen den 25. April, füllt die Hör und die Nie derungen in der Nähe des Flusses, obwohl bis dahin noch wenig Regen gefallen ist. Dieses erste Maximum hält nur etwa, 14 Tage an, dann fällt der Flussstand wieder und hebt sich wieder in unregelmässigen Schwankungen, aber ein entschiedenes Steigen zeigt sich in den ersten Tagen des September und gegen Ende dieses Monats tritt ein zweites höheres Maximum als das erste ein. Vom Oktober an beginnt der Fluss langsam und ziemlich regelmässig zu fallen.
Das Wasser des steigenden Flusses ist von unange nehmem Geschmack, wenig trüb, aber leicht grünlich gefärbt. Später wird es etwak trüber und weisslich. Das Schwell wasser des Bahr Gazai ist ausserordentlich klar, meist grünlich und übelriechend. Die Anwohner des Weissen Stroms graben oft Brunnen in der Nähe des Ufers, um das so filtrirte Flusswasser zu trinken, denn sie behaupten, dass das direkt aus dem Flusse geschöpfte zur Zeit der Schwelle Erbrechen errege. — .Der Bahr Gazai hat fast nie merk lichen Strom. Er verbreitert sich so bedeutend und füllt so grosse Sumpfstrecken an, dass die Verdunstung fast die Zufuhr der Zuflüsse aufbraucht. Der Kir hat im Mittel die Geschwindigkeit des Schrittes eines Mannes, etwas mehr bei hohem Wasserstand und beträchtlich weniger bei nie drigem. Er verliert auch ziemlich viel Wasser durch seit liche Ergüsse in die Sümpfe und ist vor seinem Eintritt in den No-See sichtlich unbedeutender als in der Bor-Gegend. Weiteres hierüber findet man im geologischen Ab schnitt. — Bei Gondokoro sind die Zeitpunkte des Steigens und Fallens ungefähr dieselben, die Schwankungen sind aber viel stärker und plötzlicher. — Nach seiner Vereini gung mit dem Gazai und dem Sobat wechselt der Nil I plötzlich sein Aussehen und wird aus einem mittelmässigen \ Fluss wie ein See, was er theils der sehr bedeutenden ' Zufuhr des Sobat, aber noch mehr dem Umstand verdankt, dass der Strom ausserordentlich schwach wird. Auch ist sein Bett unter einem grossen Theil seiner Oberfläche wenig tief.
2. Gebiet des Blauen Flusses und der Cxezira.
Auf seinen Reisen in den Jahren 1863 und 1864 hat de Pruyssenaere äusser dem lOOtheiligen Thermometer (dessen Stand correction unbekannt ist) auch ein Bourdon’sches Metall barometer abgelesen. Um mittelst dieses Instrumentes den wahren Luftdruck zu bestimmen, ist nöthig, seine Stand correction und seinen Temperatur - Coefficienten zu kennen. Da die gemessenen Luftdrucke in dem genannten Zeitraum