Sudan Archive

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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 21 Wir trafen Perlhühner bis zur Höhe der Nordspitze von Hasaniye; den schwarzen Raben bis zur Höhe des Aras-kol. Die Siyala wird gemein. — Die Uferbewohner behaupten, dass der Genuss des Flusswassers, zumal in dieser Jahreszeit, Erbrechen bewirke und Würmer erzeuge. Sie graben sich Löcher einige Schritte vom Fluss. Wie es scheint, verursacht auch der Cyperus, der als kurzer Rasen die Ufer bedeckt, dem weidenden Vieh anfänglich Schwindel und Zittern. — Da wo die Insel Omm-bawaz endigt, ist die Mesrajt-ed-dobazi, wo wir in einem Wanderdorf von Arabern schlafen, welche das Salz aus dem Boden der Ufer gewinnen.

Montag den 15. Juni. Die Wolken haben mich ver­ hindert, diese Nacht die Breite zu nehmen. 3 L. von Dobazi ist man ungefähr gegenüber von Tur>a, aber ohne es deutlich sehen zu können. Viel Kababis-Araber setzen vom rechten zum linken Ufer über. Mittagsrast wird an einer Sinêba genannten Örtlichkeit gehalten, wo im Sande viel Saf wächst. Die Hasaniye-Weiber kommen, um zu singen und zu tanzen. — Immer nordöstlich weiterziehend, erreicht man ein Qöz, eine ziemlich hohe Sanddüne. An den Fluss­ ufern finden sich seltene Ibis religiosa, Tantalus, Klaff­ schnäbel, ziemlich viele Glareolen, Abdimia, Strandreiter, Fisch­ reiher, Hero goliath, Flcinellus, Numenius, Massen von Chenalopex, A. gambensis, Alelwi, Marabu, Anhinga, Cormorane. Im Sande finden sich zahlreiche Meriones. Der Cere. Sabaeus ist sehr häufig ; ebenso häufig die Excremente des Ratil. Die Breite dieses Qöz ist 14° 27' 18м.

Dienstag den 16. Juni. Ein Ritt von 2 */ 2 L. bringt uns nach Wadi-selai, woselbst heute Markt ist. Einige hundert Meter N. etwas Ost, vom Qöz liegt das grosse Dorf Hellet-eś-śe. Man passirt zuerst die Werfte, dann das Dorf Tebidab, welches synonym mit Wadi-śelai ist. Wir steigen bei Haled Tebidi ab. Die Mitglieder dieser ziemlich mächtigen und an Sklaven und Prostituirten reichen Familie üben hier, zu Hartum und an einigen anderen Orten das Goldschmiedehandwerk aus, vom Vater zum Sohn seit einer ziemlich langen Zeitdauer.

Die Pocken haben dieses Jahr in ganz Sennär Ver­ wüstungen angerichtet; sie waren auch sehr stark bei den Denqa, so dass die Expeditionen viel Leute verloren haben, und die Neger, die sie mitbrachten, die Heftigkeit der Epidemie steigerten. Bei Tebidab sah ich eine gefleckte alte Negerin. Die geographische Breite ist 14° 33'.

Mittwoch den 17. Juni brachen wir um 5 Va Uhr auf und passiren die Nordspitze einer Insel, deren Südspitze Ѵз L.

südlich von Wadi-selai ist. Die Strasse wendet sich, den Fluss verlassend, nördlich und man erreicht Qurrasa, ein Dorf, welches 1 L. nördlich von Wadi-śelai, 2 Kilom, vom Fluss liegt und eben so weit von Hellet-faqih Ibrahim, einem nord­ westlich am Flusse liegenden Dorf. Wir suchen wieder die grosse Strasse auf, die von H.-faqih Ibrahim nach Qetêna führt. Diese geht ungefähr 1 L. in N. 40° 0. Richtung, dann ungefähr 3500 m N. 18° 0., endlich 13Д L. N. 35° O., wo sie den Fluss wieder trifft. Hier halten wir Mittagsrast unter einem grossen Haras, der in der Ebene steht, welche bei Niederwasser den Strom von den Dünen des Hochufers trennt, gegenüber der Mitte einer langen bei Hochwasser überfiutheten Insel. Der Fluss ent­ fernt sich von der Strasse bis auf 3 Kilom. Das durchzogene Land ist eine sandige Ebene, kaum von einigen Sandhügeln gewellt. Die Grenze der Hochwasser ist im Allgemeinen durch Dünen bezeichnet, während das West-Ufer, wo sich Berge befinden, längs dem Flusse meist eine von Hör durchschnittene Ebene bildet, hinter welcher dann der von Schluchten durchrissene Felsboden ansteigt. Auch die Vege­ tation ist sehr verschieden. Die Ebene hat vor Allem Tundub und Siyala; die Dünen sind von meist sehr dichtem Gebüsch bedeckt, von sehr üppigem Celastrus Joja, Heilig, Irak, Nabaq, Cissus quadrangularis, Siyala, jUśar, Tundub, mehreren Kursan.

Von dem Punkt, wo wir uns befinden, sieht man den Fluss 1 V2 L. weiter in N. 35° 0. unter einer Sanddüne. Hinter dieser Düne, sehr wenig weiter östlich, liegt Qetêna, das aus 3 je 1 Kilom, auseinander liegenden Weilern besteht. Wir übernachten in dem mittleren. Ahmed-Abu-Sin hatte sich in dem nördlichen gelagert. Die Breite ergab sich z.u 14° 50' 19м. Der Tummêm oder Tebes wird seit Wadi-śelai das ge­ meinste Gras. Die wurstförmigen Concretionen, die ich am Blauen Fluss sah, kommen auch hier vor, doch seltener. Man bemerkt hier auch stellenweise in den Strandbildungen der Ufer eine Tendenz, sich mittelst eines kalkigen Binde­ mittels in Fels umzubilden, aber nirgends findet man wirk­ lichen Fels. Ein wenig oberhalb ó. Burêma finden sich Felsriffe im Bette des Flusses.

Donnerstag den 18. Juni. Wir haben die Nacht bei einem in Qetêna ansässigen Dongolaner zugebracht (der grössere Theil der sesshaften Bevölkerung des Weissen Stroms besteht aus Solchen), welcher eine Expedition auf dem Strom gemacht hatte. Eine grosse Zahl von Berberinern, ehemalige Diener, sind jetzt Händler auf eigene Rechnung. 21 Barken, fast alle von dieser Classe, waren dieses Jahr mit Mohammed-ljer associirt. Hâled Tebîdi war auch dieses Jahr den Fluss hinauf. — Beim Ausgang aus Qefena, wo sich einige Saqîen finden, biegt der Fluss nach Nordost um, so dass wir nach 3/4 L. genau N.-O. von Qetêna sind. Von da sieht man in N. 50° 0. den Fluss unter einer Düne, aber ehe er da ankommt, macht er einen Knick nach Ost mit Rückkehr gegen NW. Ein wenig weiter östlich würde man den Berg Auli sehen, wenn die Bäume ihn nicht verdeckten. Auf beiden Ufern zeigen sich zahlreiche Lager von Arabern, grosse Mengen von Hammeln, Ziegen, ziemlich viel Kühe und Pferde. 3/4 L. weiter machen wir Mittagsrast am Ufer in Mattenhütten.

Wir schlafen in, Ôâr-en-nebî. (Breite 15° 9' 42м), •/2 L. südlich vom Gebel Auli. Der G. Auli besteht aus Sandstein, oder wenigstens einem sandigen Conglomerat, grobkörnig, mit grossen Brocken untermengt, Sandsteinbreccie mit eisenhaltigen Concretionen, stellenweise in beginnender Metamorphose durch Halb­ schmelzung bis zu granitartigem Aussehen übergehend, wo­ mit dann auch Trennung in concentrische Schalen und Platten auftritt. Der ganze Berg trägt die Spuren einstigen Untergetauchtseins im Wasser, durch die Art der Erosion und einen gewissen Abschliff des Felsens. Das Gestein scheint einst in verschiedenen Stadien der Schmelzung be­ griffen gewesen zu sein, denn man sieht Bruchstücke des Sandsteins eingeschlossen von anderem, der an der Ober­

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