Facsimile · p. 21
Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 19 Freitag den 5. Juni verbrachten wir in Sennar. Samstag den 6. Juni verliessen wir Sennar. Die an fängliche Richtung des Weges weicht von der Richtung zum Ó. Bandel um 12° nördlich ab; 1 Kilom, entfernt liegt Taqela, bis wohin sich das alte Sennar erstreckte; 2 Lieues entfernt liegt Wadi-śegr, 2 */ 2 Lieues Wold-embûr, 3 Lieues Wold billiè und 3 */ 2 Lieues von Seanâr Wold-sagûra, wo wir übernachteten. 800 m West etwas Nord von hier liegt Orimi-pernia. Die Gegend ist Hach und mit zahlreichen und grossen Dörfern übersäet, die mit Brunnen verseilen sind und Durra bauen. Die Vegetation besteht aus Gruppen von Laöd mit einigen Kitr und zuweilen noch einer Talha oder einem Qaqamüt. Wir wurden an diesem Orte sehr zuvorkommend bewirthet.
Sonntag den 7. Juni legten wir 3 ’/2 Lieues in der Rich tung des Saqati zurück, der in einiger Entfernung von fast undurchdringlichem Kitr-Gestrupp umgeben ist, worin sich Perlhühner und Olis nuba aufhalten, während der Pterocles senegalensis die freie Ebene bewohnt. Hie und da sah man einen künstlichen Regenteich (Fula), einige Heilig, eine letzte Dalbergia, eine Siyäla und ein auf dem Wege zum Araskol schon angetroffenes Gesträuch. — Von Wadisegr aus richtet sich der Weg etwas südlich von Bandel, von Wold-embûr aus etwas nördlich und von Wold-billiè an wieder südlich. Dann von Wold-sagûra aus wendet er sich nach und nach erst dem nördlichen Theile, dann der Mitte und nachher wieder der Nordseite des Óebel Mòye zu. Dieses Gebirg ist eine rundliche Gruppe, die strahlen förmige Ketten aussendet und von Schluchten durchschnitten ist, in deren einer ein Brunnen liegt. Sie besieht aus Granit von sehr verschiedenartiger Struetur, von der gröbsten bis zur feinsten, der jedoch nie in Gneiss übergeht. Es sind viele porphyrartige Felsen vorhanden, welche grosse Stücke Syenit, einige fussdicke Adern von grünschwarzem Basalt und- ziemlich viele Kalk - Einlagerungen enthalten. Von Thieren sah ich Klippdachse, Perlhühner, Mor und Leptoceros. — An Pflanzen sah ich eine baumförmige Leguminose mit länglicher Frucht; Sterculia, Hegelîg; Quddâm; Tamr->agîb, eine Grewia mit langen gezähnten Blättern und Dornen; Silaq, Nabaq, Cissus quadrangularis, zahlreiche starke Kafal, Kedad, Tuudub, Kitr, Mutait, Baobab, Nal, Sida mutica; den Feigenbaum mit herzförmigen, spitzelosen Blättern, den ich auch am d. jArdüs gesehen hatte; einen Sère, der aber nicht mit dem langblättrigen am Gule ge sehenen identisch, wohl aber eine Art von demselben Genus ist. Ferner Abanos (vielleicht Dalbergiamelanoxylon?\ Basom, seltene Qaqamüt. Dagegen sind Hasab häufig, ebenso die Cucumis hommeid.
Wir erreichten das Gebirge an seinem Nord ende, wo zwei fast verlassene Weiler Namens Kadankor liegen, und zogen entlang bis an’s Südende, woselbst ebenfalls zwei Weiler Namens Hellet-el-Hame£ liegen, so genannt nach ihren Bewohnern. Die beiden erstgenannten Weiler waren von Amarèna bewohnt. Jene Hame£ waren früher dem Idris untergeben, zahlen jetzt aber ihre Abgaben direkt nach Sennar. — Der Brunnen liegt etwas entfernter am Fusse des Berges. Die Bewohner fertigen Matten. — Von dem südöstlichen Eckberg des Óebel-el-ma konnte ich eine grosse Anzahl von Winkeln nach dem Óebel Dali, Saqati und den zwischen liegenden kleineren Bergen messen.
Montag den 8. Juni. Der Weg läuft auf den Selek zu und von ihm nach dem Saqati, dem entlang zahlreiche Dörfer liegen. Der Granit zeigt sich hier in mächtigen Kuppeln, au deren Fuss ungeheuere Blöcke liegen. Man sieht hier keine Baobab mehr, aber zahlreiche Ficus platyphy Ila und intermedia. — Der Saqati hat drei Gipfel, die sich ungefähr von Nordosten nach Südwesten aneinander reihen. Am Südfusse des mittleren Gipfels liegt ein kleiner Trümmerhaufen, bestehend aus kaum über den Boden heraus sehenden Trümmern einer Umfassungsmauer aus unbehauenen Grauitblöcken von etwa 30 Schritten Seitenlange und einem iunerhiUb derselben gelegenen kleinen Hügel von Ziegel steinen, die 21 cm lang, 13 cm breit und 5.2 cm dick sind, aus granitischem Kies und Thon bestehen und kleine Strohhahnstückcheu, vielleicht auch Kuhmist enthalten. Sie sind unvollkommen gebrannt, aber nichtsdestoweniger ziemlich dauerhaft. Einige davon enthalten ein einfaches Kreuz als Zeichen. Nichts daran lässt auf Ägyptische Ruinen schliessen; auch habe ich etwas Weiteres weder selbst gesehen noch von den Eingeborenen erwähnen hören. — Das Hauptdorf liegt an der nördlichen Abdachung der Schlucht, die den mittleren Gipfel von dem westlichen trennt; andere liegen reihenweise längs dem ganzen Südfuss des Berges und in der Nähe befinden sich viele Lager von Baqqära. Die Be völkerung ist dieselbe wie am Gebel Moye. — Der Berg besteht hauptsächlich aus grobkörnigem, rosenfarbigem Granit in Domform, oder in ungeheueren kugeligen Massen abge sondert, welche sich in concentrische Schaleu spalten oder in mächtigen Blöcken herabgestürzt sind. Er beherbergt eine Anzahl hundsköpfiger Affen, die von denen des Gog verschieden sind; ferner Klippdachse, Perlhühner und vier Arten von Geiern (perenopterus, occipitalis, auricularis und nubicus), welche sich auf deu unzugänglichen Gipfeln uud Klippen aufhalten und diese durch ihre Excremente weiss getüncht habeu. Man sieht auch Schauren von Halsbaud raben uud Abessinischen Tauben. Der Berg ist reich an ziemlich grossen, mit Wasser gefüllten Löchern, von denen einzelne fast das ganze Jahr hindurch das Wasser behalten. Zwischen dem mittleren und dem westlictieu Kamm liegt ein Brunnen und rings umher zahlreiche Hafir. — Von Pflauzen ist Poivrea aculiaia sehr gemein; sie wird sehr kräftig und entfaltet weithin ihre Blätter; dann Grewia und überall viele kräftige uud sehr stachelige Balsamodendron. Im Übrigen, abgesehen vom Baobab, der verschwunden ist, die Vegetation von El-ma; die beiden Feigenbäume sind durch sehr zahlreiche Individuen verireten.
Dienstag den 9. Juni. Nachdem die Thiere getränkt worden sind, schlagen wir Anfangs in östlichem, dann iu nördlichem Bogen, schliesslich in Nordwest-Richtung den Weg nach Wäliya ein. Das Land wird immer kahler und ist, soweit das Auge reicht, eben, mit einzelnen Gehölzen von Kitr und Laöd. Von Stelle zu Steile ein Hafir mit Trögen zum Tränken des Viehes, wo die Araber in der Regenzeit verweilen; in der Nähe ein kleines Feld. Wir erreichen so um >Asr ein verlassenes Dorf Namens Wäd-negm, iu dessen Nachbarschaft noch einige andere ebenfalls leere sich befinden und darum herum ziemlich viel ungebautes Land. Wäliya ist etwa s/4 Lienes entfernt; in 2/3 des Weges trifft man ein verlassenes Dort. Da unsere Leute uns erst um Magreb wieder eingeholt halten, so war es schon ganz 3*