Sudan Archive

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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 18 "Wegweiser verlange, um weiter zu ziehen. Die Neger liessen sich täuschen und schickten die zwei Wegweiser, die auch in einer Sêba mitgeführt wurden. Halim effendi wartete noch einen Tag, ob die Neger nicht von ihren Felsen herabsteigen würden, und gab dann seinen Soldaten Befehl, den Berg zu stürmen. Da die Neger sich mit Weibern, Kindern und Vieh sehr gut in Höhlen versteckt hatten, fand man nur sehr wenige Sklaven, aber die zwei oder drei Dörfer wurden der sämmtlichen Vorräthe ihrer Be­ wohner beraubt oder angezündet. — Nach dieser ersten Heldenthat der viceköniglichen Truppen setzten sie den Zug fort und lagerten bei dem bekannten (rebel Qasan. Da dieses Dorf von jeher als sehr goldreich gilt, so suchte Halim-effendi vor dem Plündern so viel Oqien Gold wie möglich von den Negern zu erpressen und hielt sich an diesem Ort ziemlich lange Zeit auf, welche er dadurch aus­ nützte, dass er öfters einen Theil seiner Truppen ausschickte, um die anderen Dörfer des Landes bis auf eine bis zwei Tagereisen Entfernung unversehens zu plündern. So wurden gleich in den ersten Tagen einige am Ôebel QaSanqarö und in der Nähe niedergebrannt. Ich hätte mich von Halimeffendi’s Lager sehr gern entfernt und wollte nach Benisonqölo Weiterreisen, ohne den Türken ein Wort davon zu sagen, aber ich begegnete auf dem Wege nach diesem Ort einigen Óa>alin, die mir mein Vorhaben als ganz unmöglich schilderten, indem die Türken zwei Dörfer an der Strasse niedergebrannt und die ganze Bevölkerung erbittert hätten. Ich musste also mit einem einzigen Diener durch ein un­ bekanntes Land und feindliche Stämme zurückkehren. Glück­ licherweise traf ich eine Stunde vor Qasan einen von Benisonqölo zurückkehrenden Araber, der einen minder gefährlichen östlicheren Weg durch die Berge kannte. Dieser Araber hatte 7 Sklaven bei sich, die ich sofort für aus Aqarö und Qasanqarö erbeutete Neger erkannte. Der Araber erzählte mir, dass.er sie heimlich von Halîm-effendi gekauft habe, und dass dieser mit allen Übrigen (wahrscheinlich meiner Gegenwart wegen) ebenso heimlich verfahren sei. Ich hatte den Halîm-effendi einmal gefragt, was er mit seinen Ge­ fangenen zu thun gedenke, worauf er mir antwortete, dass es nicht mehr wie früher erlaubt sei, sie zu verkaufen, dass sie wie Kriegsgefangene angesehen und nach dem Frieden freigelassen werden sollten! — Ich hörte auf meiner Reise, dass Müea-pasa, obwohl er die Berta-Länder weder besetzt hält, noch verwaltet, um die offizielle Sklavenjagd zu beschönigen, auf alle bekannten oder erst noch aufzu­ findenden Negerdörfer eine Abgabe in Gold gelegt habe. Da die meisten Dörfer keines besitzen, so müssen sie statt dessen Sklaven liefern, einen schönen Sudasi (s. die Erklä­ rung auf S. 10) zu 2 Oqien gerechnet. So sind die un­ glücklichen Bewohner dieses Landes gezwungen, entweder immer mit ihren Nachbarn um Sklaven zu kämpfen, oder, wenn sie dazu nicht stark genug sind, ihre eigenen Kinder abzuliefern. Ich sah in Aqarö eine Frau, die mir erzählte, sie habe 4 Kinder geboren, aber obwohl sie die Frau des Mek war, sie alle 4 in die Türkische Sklaverei abgeliefert. Die menschlichen Empfindungen haben bei diesen armen Negern doch noch so die Oberhand, dass die Meisten einem solchen Frieden die Plünderung ihrer Dörfer und den Tod vorziehen.

Ich kehrte glücklich nach Fazöql zurück, aber die Gazwa blieb noch einige Monate im Berta-Land und gelangte bis Beni - Sonqölo. Der Leiter Halîm-effendi hatte seinen Ge­ fährten zufolge gegen 1200 Oqien Gold gewonnen und konnte damit von Müsa pasa die Mudirîa Kordofan kaufen.

V. Von Karko£ an den Weissen Strom und nach Hartüm.

Dienstag den 2. Juni brachen wir Morgens von Karkög auf. Nachdem wir */ 2 Lieue zurückgelegt hatten, passirten wir Omm-eant, */ 2 Lieue weiter Burud ras, noch 3/4 Lieue weiter El-jamboja (Omm-Iowa?) mit einer Baobab Gruppe und 2'/4 Lieues von diesem Ort Ména, dem gegenüber, aber etwas südlicher, ein anderes Dorf (Singa) liegt. Ména ist in dichtem Gestrüpp versteckt gelegen. Wir sahen Perl­ hühner und mehrere Mor-Antilopen. Mittagsrast hielten wir unter einer der schönen von Sonimanga wimmelnden Tamarinden. Wir schossen einen Mor und zwei Anas gambensis und sahen einen Falken, einen rothen Colins, einen Crateropus mit weissem Kopf, den Centropus senegalensis, Klaffschnäbel, weisse Ibis und Cormorane. — Wir passiven Ronga bei Sonnenuntergang und übernachten bei einer Meśraj. Ein Gewitter brachte uns unterwegs einige Tropfen Regen und in der Nacht hatten wir einen Sandsturm.

Mittwoch den 3. Juni kamen wir nach 2 ’stündigem Ritt durch ein verlassenes Dorf und 1 */ 2 Lieues weiter nach Dereira, nachdem wir kurz zuvor Datela auf dem linken Ufer hatten liegen sehen. 1 */ 2 Stunden später er­ reichten wir Tamra, das in der Nähe einer Stelle liegt, wo der Fluss sich beckenartig erweitert. Von dort erblickt man in West 20e Nord-Richtung einen hohen und sehr fernen Berg. Ich sah einen Chenalopex aegyptiacus, mein Diener Baljit noch zwei Gazellen. Im Allgemeinen giebt es in dieser Gegend wegen der steilen Uferhänge wenig Wild und Vögel, auch sind nur wenige Mesra» von Arabern oder Flussbewohnern besetzt. Die Araber des Sudan sind selten irgendwo dauernd ansässig und haben sich z. B. wenig mit den eingeborenen Stämmen, den ôa>alîn, Seqîa, Kenâna vermischt, oder sie wurden vom einheimischen Element ganz verschlungen. — Wir brachen nach jAsr von Tamra auf und kamen 1 Lieue weiter nach Nejeima, dem gegen­ über und etwas südlicher jAbidîn liegt. Hier steht ein Baobab von 14 ’/2 Klaftern Umfang, der alt, hohl und etwas eingesunken, trotzdem aber noch sehr kräftig ist Dieser Baobab ist einer der letzten, die man in der Ebene sieht. Der Tundub erscheint allmählich, Qaqamüt verschwindet; auch Siyala treten auf und die Wälder der Ebene machen den Hainen Platz. Die Perlhühner werden seltener, der Pterocles senegalensis kommt vor. 1 Kilom von Nejeima kommen wir durch Heda, 3/4 Lieue weiter durch Er-redîba, etwas südlich von Fvlata gelegen, und etwa 1 Lieue weiter gelangten wir nach Hellet -el-faqìh- tal ha, wo wir über­ nachteten. Ein Gewitter, wie dasjenige, das wir den Tag zuvor in der Hala gehabt hatten, bedrohte uns, blieb aber I ohne weitere Folgen.

Donnerstag den 4. Jum gingen wir Morgens von Hellett-alha nach Qasab, einem grossen Dorfe, 1 */ 4 Lieues entfernt, von da ebensoweit bis Abu-aili und kamen nach einer weiteren Lieue nach Bâgbâg, Sennâr gegenüber, von dem uns ein schöner Wald von Quq und hohen Gräsern trennt. Um jAsr setzten wir über mittelst der Fähre.

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