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16 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
und ist rein gekehrt. Die Garben stehen auf kleinen Ge rüsten. — Bei ihren jungen Mädchen herrscht keine Lieder lichkeit, und wenn man sich auch nicht darüber aufhält, wenn dieselben einen jungen Mann zu sieh rufen, um sich die Pubes entfernen zu lassen, so hört man doch von keinem Missbrauch. Wer ein Mädchen zur Frau haben möchte, sucht zuerst ihr Herz zu gewinnen, zu welchem Zweck er ihr ein Geschenk von Kühen anbietet. Wird dasselbe nicht angenommen, so soll damit angedeutet werden, dass es zu vermehren sei. So vergrössert sich das Geschenk immer mehr, und im Falle mehrerer Bewerber überbieten sich diese so lange, bis sich das junge Mädchen als zu frieden gestellt erklärt. Diese Kühe gehören dann seinen Eltern. Selten willigt ein Mädchen ein, sich für weniger als den Preis ihrer Mutter wegzuschenken. — Wenn ein Mann das Fieber hat, so nimmt er diess als Zeichen, dass ihm Einer Hörner aufgesetzt hat. Er bindet dann ohne Weiteres seiner Frau Hände und Füsse und zählt ihr eine Tracht Prügel auf. — Ältere Leute hören nicht auf, noch mehr Frauen zu nehmen, um ihr Ansehen zu erhöhen, aber sie überlassen dieselben ihren Söhnen und die so gezeugten Kinder gelten für ihre eigenen.
Montag den 23. März Morgens kamen wir an den Hördolêb, wo wir die Kameele wechselten. Hier waren die Blattern ausgebrochen.
Dienstag den 24. März um Mittag traf ich allein am Gule ein, auf den ich vom Hôr-dolêb aus, ohne mit Wasser versehen zu sein, in gerader Linie losgegangen war. Ich bewegte mich fast immer durch einen Wald von Com bretum, Anogeissus und zuweilen Tuffar und Talha. Unter wegs sah ich viele Araber ihre Kameele weiden ; dieselben müssen ihr Wasser vom Gule holen. — Am Gule war eine Feuersbrunst gewesen, und Regeb’s Tochter war gestorben.
Samstag den 28. März brach ich Morgens vom Gule nach Bòro auf und übernachtete, nachdem ich Tur-el-sidi (wenig sichtbar) passirt hatte, in der Nähe des Qubas etwa 1 Lieue südlich von Werkat. Im Walde wimmelte es von Perlhühnern. Am Boro sah ich eine Masse harter schlanker Datura, die von denen von Sennär verschieden zu sein scheinen.
Sonntag den 29. März langte ich früh am Morgen in Werkat an. Der Berg besteht wie der Qerebîn aus grossen Blöcken gelblichen Granits und ist schwer zugänglich. Man kann an ihm schön die verschiedenen Grade der Verwitte rung des Granits beobachten. Ganze Kämme sind ver schwunden und haben als einzige Überbleibsel merkwürdig aufeinander gethürmte Felsbauten und Obelisken zurück gelassen. Das Sieker wasser der überhängenden Felsen hat das drunterliegende Gestein tief ausgehöhlt. An vielen Stellen scheinen die Felsen, von denen das Wasser herab träufelte, verschwunden zu sein. Auf dem Berg halten sich Perlhühner schaarenweise auf; ferner Qêqô, Abelans (Schreiadler), Qved, Hyänen, Panther. Am Fuss stehen Baobab, Hegelig, Semèma, die beiden Arten von Feigen, Vangueria. Ich sah ferner auf dem Werkat das wohlriechende Gras Namens Näl (wahrscheinlich ein Andropogon), ausser dem ist der Maharêb zu erwähnen.
Am óebel Sen liegt ein Dorf, an dem aus röthlichem Gestein bestehenden Ahmar befindet sich keines. Die Gebel Bôzî und Abu-qorüd sind aus Furcht vor den Negern nicht bewohnt. Auf dem letzteren findet sich aber Wasser in Felslöchern. Der Gebel Masmün ist bewohnt und hat wenig Wasser.
Montag den 30. März war ich um 10 Uhr am Dèa, gegen Abend gegenüber von Lèni und um 7 */ 2 Uhr in Sêrû.
Dienstag den 31. März rückte ich wieder in Karkög ein, dessen nähere Umgebungen ich während eines Aufent haltes bis zum 19. April kennen lernte.
Vom Gebel-el-jobèd geht ein grosser, sehr verzweigter Hör, der von Sant-Bäumen eingefasst und von Araberheerden bedeckt ist, nach dem Flusse. — Dèa ist in dieser Jahreszeit unbewohnt, mit Ausnahme der Harrâsîn der Matâmîr, d. h. der Hüter der Vorrathsräume. Halsband raben , Abdimia und Perlhühner halten sich in den Häusern auf. Die Kenäna, die den Ort bewohnen, sind mit ihren Negern und einigen Hameg- Abkömmlingen an den Fluss gezogen. Ringsherum in der Gegend liegen Dörfer mit wohl gebauten Toqül und einigen Murabbap — Zum Gebel Qurairisa oder Qurasa gelangt man von Karkög aus durch lichte Talha-Gehölze, in denen Araber, die ihr Wasser vom Flusse holen, ihre Heerden weiden. Am Wege liegen Anpflan zungen der Leute von Sèrû, von welchen ihnen durch die Denqa schon Weiber und Kinder weggeschleppt worden sind. — Der Berg besteht aus scheinbar geschmolzenem Sandstein und verschiedenen ebenfalls wie geschmolzen aus sehenden Conglomeraten. Ich sah verschiedene Ruellia, Sterculia, Hegelig, grosse Mutait, Leiûn, Combretum, Qaddam ÇGrewia populi folia).
IV. Von Karkög nach Rosaires.
Montag den 20. April. Nach dem Markt brachen wir nach Domtai auf, das y2 Stunde entfernt ist und wo wir Mittag machten. Auf dem Wege dahin liessen wir zur Rechten in einer Krümmung des Flusses Debbeiba und dann Lèni. Vor Zumurki, das 3/4 Lieue von Domtai liegt, kommt man an einer hübschen, von Baobab umgebenen und von Tamarinden und zwei hohen Dolêb überragten Dabba (Hügel) vorbei. An ihrem Fusse befindet sich ein mit Sant-Bäumen besetzter Hör. In dem dicht vor Zumurki liegenden Hör sah ich wunderschöne Bignonia Haś-łjaś, die Malvenart mit dreikantiger Samenkapsel von Hartüm, den Mutait, eine von Endlicher nicht aufgeführte Capparidee; ferner den Näl, ein hohes Andropogon, aus dem in Karkög die Toqül geflochten werden, der in der Ebene, besonders um Dörfer herum, wächst und vom Qubas oder Gobas, einer anderen Bartgrasart, verschieden ist. Man macht Thee davon und sammelt die Ähren, die einen citronenartigen aromatischen Geschmack haben. Der Maharêb ') ist eine kleine Bartgrasart, deren Geruch ebenfalls sehr aro matisch und deren Geschmack bitter ist. Man zerquetscht ihn zuerst, lässt ihn dann während der Nacht in kaltem Wasser ausziehen und mildert seine Bitterkeit durch etwas Agin (wörtlich: „Gequetschtes”, wohl süsser Fruchtsaft). Dieser Thee gilt für sehr wirksam bei Milzkrankheiten und wird auch für ein die Menstruation beförderndes, ja sogar für ein Abtreibemittel gehalten. — Die wilden Gramineen sind zahlreich; es sind zu erwähnen: Triachyrum •) Hartmann nennt den Andropogon circinnatus Arabisch Majreb (v. Barnim’s Reise, Anhänge S. 21).