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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 15 Lager erreichte. Malek glaubte sich nun in der Nähe der Neger nicht mehr sicher und hob bei Nacht sein Lager auf.
Dienstag den 10. März. Am folgenden Morgen sah man, dass über 160 Mann fehlten. Wahrscheinlich war aber die Zahl der Getödteten noch grösser, weil unter der grossen Menge das Fehlen Einzelner unbemerkt blieb. Malek und die anderen Führer waren aber weniger mit dem Zählen der Verluste, als mit dem der Beute beschäftigt. Man hatte etwa 180 Sklaven und etwas Kleinvieh erbeutet und diese äusser mit dem Tod von 160 Mann auch noch mit dem Verlust von 80 Kameelen und Pferden, ebensoviel Gewehren und verschiedenen Pistolen bezahlt. Unter den Getödteten befanden sich 27 Mann von der kleinen Truppe des Hawaga Mohammed-Abu-Röf und mit ihnen einer meiner Diener, den, da er ein guter Schütze war und eine schöne Doppelbüchse führte, der Hawaga durch das Versprechen einer Sklavin geködert hatte , so dass er mich verliess. — Bei der Vertheilung der Gefangenen entstand allgemeine Unzufriedenheit. — Am Abend wurde das Gerücht ver breitet, dass die Neger uns angreifen wollten.
Mittwoch den 11. März wurde das Lager aufgehoben und etwas nach Norden gezogen, um Wasser zu suchen. Bevor wir uns zur Ruhe begaben, assen wir nach Stägigem Hungern wieder einmal gebratenes Fleisch.
Donnerstag den 12. März kehrten wir nach El-ereif zurück und lagerten uns bei den Brunnen. — In den fol genden Tagen fand die eigentliche Verfügung über die Beute statt. Die schönsten Mädchen wurden vorweggenommen. Malek bestimmte einige davon für Musa-paśa, andere für sein eigenes Haus und verkaufte die übrigen seinen nächsten Freunden, aber nicht in öffentlicher Versteigerung. Alle übrigen Sklaven wurden vor Malek’s Zelt öffentlich ver steigert. An der Beute hat der Fänger eine Hälfte, Malek die andere; dieser muss von seinem Antheil die Seqia und Musa-paśa bezahlen. Die besten und schönsten Neger wur den für 2—3 Oqia Gold verkauft, viele der älteren wurden aber um 1 oder 2 Thaler weggegeben.
(Wenn auch dieser Feldzug Malek und seinen Genossen wenig Vortheil brachte, so hörte ich doch später, dass sie neue Leute angeworben und beiläufig 2500 Neger und die doppelte Anzahl von Stücken Vieh erbeutet hätten.)
Sonntag den 15. März verliessen wir El-ereif und über nachteten in Gongara.
Montag den 16. März langten wir in Ulu an, wo wir ungastlich aufgenommen wurden. — Im Lande der Burün sieht man viele schwarze Raben. In dem Wald, der Abu Qönes von Ulu trennt, sah ich Pterocles, der in der Nähe des Ulu gemein ist, ebenso wie das Francolinhuhn. — Ich sah bei Ulu den Killi, die schlanke Euphorbie des Gule und die Euphorbie der Burün, von welcher ich nördlich von Ulu nur noch 2 oder 3 Exemplare sah; ferner die Hommeid, den »Arad, ein Combretum mit vierständigen spitzen Blättern, eine Grewia mit länglichen lanzettförmigen Blättern, Namens Omm-sêf. Die Raudia wird hier Calala genannt und zum Waschen benutzt. Die Frucht der Hom meid hat einen ananasähnlichen Geschmack mit harzigem Geruch. Die Qadda (Schüsseln) vom Yakan werden aus ihrem Holz verfertigt. — Die Vegetation in dieser Gegend wartet nicht auf die Regenzeit, sondern lebt schon gegen Anfang März wieder auf. Die Combretum fangen an und auch einige Baobab zeigen schon Blätter. Boswellia, Quddam, Anogeissus grünen bereits u. a. m.
Die trockenen Nebel, die am 23. Februar begonnen hatten, dauerten zur Zeit meiner Abreise zum Hôr-dolêb noch fort und erschwerten mir die Aufnahme des Bergpanorama’s. Blitze sahen wir zum ersten Male den 16. März in der Richtung des Silaq, sie zeigten sich von da ab täglich mit Windstössen und Regendrohung; es fielen aber nur ein Paar Tropfen. Die Hitze war drückend geworden. — Der Migmig ist von nicht unterworfenen Burün bewohnt, der Yakan und Abuldugu von Hameg, die vom Maüafana Hasan abhängig sind. Der Surqum, Kurmuk, Gumgum und andere Berge bis zum DÛ1 sind von meistens feindlich gesinnten Burün bevölkert. Am Dül wohnen Berta. Am Werkat und Qerebin sind wenige Hameg ; deren Bewohner sind Amarena, ansässige Araber und einige zufällige dort befindliche Gajalîn.
Sonntag den 22. März brach ich morgens vom Ulu nach dem Qarawit auf. — Der Qarawit ist zu Ende der trockenen Jahreszeit, wenn man mit dem Einheimsen der Feldfrüchte fertig ist, unbewohnt. Schon in der jetzigen Jahreszeit muss man das Wasser vom Ulu herholen lassen. Wenn die Bewohner ihr Dorf am Qarawit verlassen, begeben sie sich nach Ulu, wiewohl ersteres Dorf viel wohnlicher, ist, als das am Ulu. — Wie schon gesagt, sind die meisten Häuptlinge Fung und nur hier existirt dieser Volksstamm noch unter diesem Namen. Sie sind stolz auf ihre Ab stammung und sehen die Hameg wie einen unterworfenen Stamm an. Sie reden indessen dieselbe Sprache. Obschon mit den Hameg und auch mit Negerinnen vermischt, weisen sie doch noch immer einen abweichenden Typus auf, der sich dem der Schönsten unter den Silük etwas nähert. Ihre Augen sind gross, schön und etwas schräg liegend; ihre Nase ist nicht stumpf, sondern hat weite Nasenlöcher; ihre Lippen sind dick, ohne dass jedoch der Mund hässlich wäre; ihre Zähne sind schön und regelmässig, was bei den Silük selten der Fall ist. Ihr allgemeiner Gesichtsausdruck ist mild, wohlwollend und sinnlich. Ihre Haare sind we niger kraus als die der Neger des Weissen Flusses und werden gewöhnlich in einer Weise getragen, die die Stirn auf Kosten des Haares hervortreten lässt. Ihre Waffen sind der Qulbêt oder Qulombét oder Sottal, die Senebani und der längliche Schild der Araber. In ihren Zwistig keiten untereinander sind sie blutdürstig. Geschwisterkinder heirathen sich bei ihnen. Sie haben den Hageit der Hameg aber ohne Zib und feiern auch die Feste des Islam mit Tänzen. Einige von ihnen besitzen Kameele und Pferde. Heiter, fröhlich und aufgeweckt, wie sie sind, unterscheiden sie sich doch von den Arabern durch die Abwesenheit jeden höheren Strebens, wie Ruhm, Vaterlandsliebe, Familienstolz und Religion und sind eben darin allen Negern ähnlich. — Es giebt auch Fung (Mehrzahl Fanafäna) am Silaq und Gule und sie kennen ihre Verwandtschaft mit den Mek von Rongn.
Die Gen (Denqa), die wir sahen, besitzen viel bebaute Felder. Sie speichern die Garben in Form von Toqül auf, die sie auf den Feldern stehen lassen. Die Toqül, die wir sahen, selbst diejenigen, welche bleibende Wohnungen zu sein schienen, waren weder so gross, noch in so gutem Zustand wie die der Silük, aber sie sind rein und werden oft erneuert. Der Boden besteht aus eben gestampftem Thon