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14 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
schlage nach allen Seiten austheilte. Zuerst warf sie den Sklaven zu Boden, riss ihm seine Serwal (Beinkleider) herunter und zerfleischte ihn mit ihren Krallen, dann stürzte sie sich auf einen der Seqia, zerriss seinen starken Schild wie ein Blatt Papier, wobei sie ihn leicht verwundete, und wandte sich endlich gegen den Araber, der sie zuerst ver wundet hatte. Sie packte ihn am rechten Arm, hielt aber dann mit geschlossenen Augen dumpf brüllend inne. Der Araber warf, ohne den Kopf zu verlieren, seinen Schild ab, um sein Schwert in die Linke nehmen zu können, und versetzte dem Thier damit rasch einige Stösse, worauf es, ohne seine Beute fahren zu lassen, in sich zusammensank. Der andere Araber, der in diesem Augenblick erst zur Stelle kam, stiess ihm die Lanze in die Kehle, worauf es ver endete. Das Thier war sehr gross, aber mager, und die Milch floss aus seinen geschwollenen Zitzen. Der Araber, den es am Arm gefasst hatte, schlitzte ihm den Bauch auf und riss die Leber heraus, welche die Theilnehmer an dem Abenteuer unter sich theilten und sofort rauchend, wie sie war, aufassen. Dann erst zogen sie das Fell ab, um es Malek zum Geschenk zu machen. — Man hatte mir vor geschlagen, Jagd auf Giraffen zu machen, die sich aber leider an diesem Tag nicht blicken liessen. Statt ihrer stiess man dann gegen Mittag auf die Löwin. — Ich bemerkte, dass sich während der Nacht Löffelreiher und Ibis auf unserer Wasserlache aufhielten. — Es blies fortwährend ein heftiger Nordwind. — Ich fand die geographische Breite von Wadiel-baqr = 10° 11' 21 *. Die Entfernung von Suga längs unserem Weg kann zu 40 Kilom, oder 22 Seemeilen an genommen werden.
*) Ohne Zweifel Heuglin’s Tombäk (Geogr. Mittb. Ergbd. II, S. 104) Samstag den 7. März. Die Späher kehrten zurück. — Ich sah einige Kuk-Akazien in der Gaba; auch den Arad.
Sonntag den 8. März. Vor dem Aufbruch wurden Geschäfte aller Art abgeschlossen, namentlich Ankauf von Pferden von Qirin (ein Ort in Bambasi) oder Qibes &c. Die Gallapferde sind von verschiedener Farbe, haben feine Formen, jedoch meist hässliche Füsse. Der Kopf ist weniger schön, das Haar weniger fein als bei den Arabischen Pferden. Sie sind feurig und für Jagd und Krieg sehr geschätzt. Um 2% Uhr zogen wir in Süd 36° West-Richtung und kamen nach etwa 2500 m. an einer grossen Wasserlache vorbei, die mit Stelzenläufern, Regenpfeifern, Wasserläufern, Rhyncheen, Anas viduata, Rhynchaspis (von mir beschrieben) und Knäckenten mit blauen Flügeln bedeckt war. Jenseits dieser Lache liegt ein damals verlassenes Sommerdorf der Denqa und 2500 m. West 40° Nord von da ein zweites Dorf. Von dort aus ging es in Süd 70° West-Richtung stets durch flaches Land. Um 5 Uhr 20 M. passirten wir 2 Dörfer, die 1800 m. links vom Wege blieben, das zweite lag 1 Kilom. Süd 60° westlich vom anderen; 1 Kilom, weiter kamen wir in einen Tuffar-Wald, der von Geiern, die sich von der Gazwa nähren, wimmelte; der Boden war mit Skeletten von Kameelen, Vieh und Sklaven bedeckt. Um 5 Uhr 50 M. zogen wir durch ein Dorf, unterhalb dessen der Hör-el-tämel} dahinfliesst, dem man folgt, um ihn 200 Schritte weiter zu überschreiten. Um 6 Uhr 10 M. sahen wir 300 m. links von uns ein Dorf auf dem linken Hör-Ufer, 10 Minuten später ein zweites. Unsere Richtung war Süd 78° West.
100 m. nach dem letzterwähnten Dorf kam ein anderes auf dem rechten Ufer, westnordwestlich vom vorigen. Man wandte sich nun Süd 80° West, überschritt den hier breiten Hör unterhalb des Dorfes und kreuzte ihn noch mehrmals. Wir legten diesen Abend 16 Kilom, durchschnittlich in Süd 70° West-Richtung zurück und brachten die Nacht am Ufer des Hór-tameł}’) zu.
Montag den 9. März. Wir legten am Morgen 11 Kilom, in West 10° Nord-Richtung zurück, indem wir dem Tarne!} entlang zogen, der bald Wasser zeigte. Dieses verdankt er ohne Zweifel dem »Adar, mit dem er sich bei Doana ver einigt. Nachdem wir eine mit Dörfern, Anpflanzungen und Durra-Toqül besäete Ebene durchschnitten hatten, kamen wir an einen grossen Hör, dessen Wasser langsam dahin floss und der zu jener Zeit 50 Schritte breit und 6 Fuss, an manchen Stellen noch mehr, tief war. Es war der Yal oder Hör-el-»adar. Wir passirten ihn unterhalb eines grossen Dorfes und folgten ihm auf dem anderen Ufer etwa 1 */ 2 Stun den in Nord-West-Richtung, wobei wir auf halbem Wege durch ein Dorf kamen. Hierauf ging es wieder durch Wald mit vielen Lichtungen, in denen Dörfer liegen. — Mohammed Salih sagte mir, dass es in dieser Gegend 4 Hör von gleicher Grösse wie der überschrittene nahe bei einander gäbe, die Arme eines und desselben Stroms zu sein scheinen und auf denen »Anbäg wächst.
Malek’s Armee bestand aus etwa 3000 Arabern ver schiedener Stämme: Rufa», »Aqqalin, Gulatin, Hammadi, Sukuria, die auf Kameelen beritten waren ; ferner 200 Baqqara zu Pferd, 70 Asaker oder gemiethete, mit Gewehren be waffnete Donqolaner, dann die 36 Soldaten des Hawaga Mohammed-Abu-Röf, endlich 60 Seqia-Reiter des Sangak Sulufäb. Diese letzteren hatte Musa-pasa dem Malek zu Hülfe geschickt mit der Bedingung, dass er den dritten Theil der Beute erhalten solle. — Als wir mit dieser Heer schaar in das eben geschilderte Gebiet eintraten, fanden wir die beiden ersten Dörfer verlassen, aber in dem vor dem dritten gelegenen Wald begann der Kampf. In dem dichten Gebüsch bewegten sich die Neger unbemerkt und mit Leich tigkeit und unerwartet sausten von allen Seiten Lanzen auf die mit ihren Kameelen im Gebüsch sich verwickelnden Araber. In einem Gehölz, wohin die Neger ihre Weiber, Kinder und ihr Vieh versteckt hatten, entbrannte ein fünf stündiger Kampf. Pferde und Kameele stürmten durch das Gebüsch und stampften in ihrem Massenanprall Frauen, Kinder und Kleinvieh unter die Füsse. Endlich aber trugen die Neger doch den Sieg davon. Ein grosser Theil der Fussgänger, die, um besser laufen zu können, ihre Gewehre weggeworfen hatten, wurde in wenigen Augenblicken nieder gemacht. Ich bemerkte hierbei, dass nicht ein einziger der Kameclreiter zugeben wollte, dass sich einer seiner des Reitthiers beraubten Gefährten bei ihm hinten aufsetze, um so einem sicheren Tode zu entgehen. Der Eine sagte, er habe keine Zeit zum Halten, der Andere, er führe schon eine Ziege hinter sich auf dem Sattel u. a. m. Der tief geborstene Thonboden hatte die Pferde so ermüdet, dass viele davon nicht mehr vom Fleck konnten. Ihre Reiter wurden unter unseren Augen getödtet. Jeder der ein Kameel hatte, floh, ohne sich umzusehen, bis er den Yal durchschwommen hatte und nach Sonnenuntergang Malek’s