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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 13 setzten unsero Zug noch eine Stunde in westsüdwestlicher Richtung fort und machten dann zum Übernachten Halt.

Donnerstag den 5. März. Wir setzten uns um 5 Uhr 20 Min. wieder in Bewegung, zogen in West 30° Süd-Richtung durch eine grasreiche, aber entsetzlich holperige und spaltcnreiche, hie und dort von Baumgruppen unter­ brochene Ebene und erreichten um 9 Uhr 40 M. Wadi-elbaqr, wo wir bei einer Wasserlache und im mangelhaften Schatten einiger kümmerlichen Dom-Palmen auf das Lager einer anderen Raubbande stiessen, die sich von Stroh einige Schutzdächer errichtet hatte. Diese vom Hâwâa Mohammed-Wold-Abu-Rôf befehligte Baude hatte 2 Tage vorher den Denqa 1500 Ochsen, eine grosse Anzahl von kleinerem Vieh und einige Sklaven abgenommen. Die Nachricht von diesem Erfolg erhöhte bedeutend den Muth unserer Araber. Wold-Abu-Rôf hatte die dazwa auf seine Kosten und auf eigene Rechnung ausgerüstet, indem er etwa 40 mit Ge­ wehren bewaffnete Leute vom Fluss für 45 Piaster monatlich und einen Antheil an der Beute anwarb. Er hatte sich ausserdem mit Baqqara-Reitern verbündet, die ebenfalls ein Anrecht auf einen Theil des Geraubten hatten. — Es erhob sich sofort ein Streit zwischen den beiden Banden. Die Leute des Hawâga Abu-Rôf beriefen sich auf das Recht der Erstgekommenen und machten Miene, die Araber und Seqîa Malek’s fortzujagen. Malek antwortete, er unternehme seinen Zug mit der Genehmigung und unter Mitwirkung des Paśa, von dem er das ausschliessliche Recht der Sklaven­ jagd im Innern der dlezîra um 200 Beutel erkauft habe, und er habe das Recht, Jedermann zu verhindern, der ihm darin Concurrenz mache. Der Hawâga, welcher einsah, dass ihm der Schutz des Pasa’s fehlen würde und dass er überdiess nicht der Stärkere sei, verglich sich mit Malek und überliess demselben den dritten Theil der Beute, wofür man ihm freies Spiel gab. Er war zu Lande von Mesalamia gekommen. — Kurz nach >Asr hörten wir Gewehrfeuer und sahen dann die Bande des Hawâga von ihrer Unternehmung zurückkommen; 3 oder 4 zu Pferde, ebensoviel auf Drome­ daren berittene und etwa 30 Fussgänger stiessen etwa 20 Neger, fast sämmtlich alte Weiber und kleine Kinder, vor sich her, die theils Joche, theils Stricke um den Hals tragend, sich mühsam unter der Last von Reisigbündeln einherschleppten, wovon man unterwegs einen Vorrath ge­ sammelt hatte. Einer der Fussgänger trug eine Fahne, die zur Hälfte aus einem rothen gemusterten Taschentuch, zur Hälfte aus einem weissen mit einer Inschrift versehenen Lappen bestand. Sie gaben eine volle Salve ab, 2 den Negern abgenommene, an einen Pfahl gebundene Noqara wurden geschlagen und die ganze Gesellschaft begrüsste Malek. Am Morgen vor unserer Ankunft waren wir den von einigen Baqqara gehüteten Heerden begegnet, die sie 2 Tage zuvor den Negern abgenommen hatten. Wie schon angedeutet, werden diese Gazwa mit Vor­ wissen und selbst mit Unterstützung der Regierung unter­ nommen. Diese letztere organisirt aber auch, besonders neuerdings ganz selbstständig und officiell derartige Expedi­ tionen , die unter dem Vorwand, dem Sklavenhandel zu steuern, in Wirklichkeit den Zweck verfolgen, ihn in den Händen der Regierung und ihrer Beamten zu monopolisiren. Dieselbe zieht daraus äusser der Wahrung des Scheins der Humanität und abgesehen von dem Ertrag dieser Züge an Vieh, Geld &c. auch noch den folgenden Vortheil. Um die geraubten Sklaven nicht förmlich in den Handel bringen zu müssen, werden dieselben sofort nach ihrer Gefangen­ nahme an die Offiziere und Soldaten der Expedition ver­ steigert, denen der Kaufpreis am Sold abgezogen wird und die sich sehr gerne dieser Kaufgelegenheit bedienen, da sie einerseits Sklaven für ihre eigenen Bedürfnisse erhalten und die anderen mit Vortheil an kleinere Händler verkaufen können, andererseits aber auf diese Weise zu einem Theil ihres Soldes kommen, auf den sie sonst lange warten könnten. Unter solchen Verhältnissen erklärt es sich leicht, dass der Sklavenhandel in den letzten Jahren eher im Zunehmen begriffen ist. Er besteht ausserdem noch unter den ver­ schiedenartigsten Verhüllungen, d. h. er wird durch gewisse Maassnahmen der Regierung beschönigt: so erhebt diese z. B. bei benachbarten, aber eigentlich gar nicht unter ihrer Herrschaft stehenden Völkerschaften einen Tribut an Gold, das selten in der nöthigen Menge aufgetrieben werden kann und dann durch Sklaven ersetzt werden muss, wodurch jene Völkerschaften förmlich genöthigt werden, um deren Erwerb zu kämpfen. In den südlichen Provinzen von Sennär herrscht ferner der Gebrauch, dass Leute, die ihre Abgaben zu zahlen nicht im Stande sind, dafür umsonst Sklavendienste leisten müssen, was, da sie nie genug erübrigen können, um sich frei zu kaufen, ewiger Sklaverei gleichkommt. Am traurigsten ist die Lage der Denqa, die nicht nur durch die unaufhörlichen Raubzüge der Araber und Ägypter zu leiden haben, sondern auch von den ihnen benachbarten Stämmen, namentlich den Siluk und den Nuêr, beständig beunruhigt und bekriegt werden. Alle Versuche der christ­ lichen Mission zu ihren Gunsten sind leider in Folge der Leichtgläubigkeit P. Rheinthaler’s, der sich von den Ägyp­ tischen Beamten beschwichtigen liess, sowie durch die Ein­ führung der Dampfschifffahrt auf dem Weissen Nil, die eich durch den Sklavenhandel bezahlt machte, gescheitert.

Die Zeit ging hin in Streitigkeiten über die Vertheilung der Beute, wobei sich jeder Einzelne bemühte, das von ihm selbst Erbeutete heimlich bei Seite zu schaffen, um nicht seinen Theil herausgeben zu müssen. Die Baqqara Wold-Abu-Röfs betrogen seine Nawâtî (eigentlich Schiffsleute) oder Soldaten, sämmtliche aber verstanden es, ihn zu übervortheilen, während er seinerseits die Sklaven im Wald verstecken liess, um nicht mit Malek abrechnen zu müssen. So gab es im Laufe des Abends mehrfach Streit und einmal glaubte ich schon, man würde handgemein werden. — Es wurde an diesem Tage eine Giraffe erlegt.

Freitag den 6. März. Am Morgen wirbelten in der Ferne gegen Ost und Süd unzählbare Schaaren finkenartiger Vögel in der Luft herum; ich hielt sie Anfangs für den Rauch eines ungeheueren Brandes. Zum Auskundschaften der Neger wurde gegen ein Dutzend Araber ausgesandt. Von diesen trafen 2 Araber, 2 Seqîa und ein Sklave auf eine Löwin, bei einem Wasserloch. Der eine Araber schleu­ derte ihr vom Kameel aus seine Lanze in die Weichen. Das wüthende Thier zermalmte zuerst das Holz zwischen den Zähnen, riss sich dann das Eisen heraus und zog sich langsam zurück. Der Araber stieg hierauf ab, ergriff Schwert und Schild und lief dem Thiere nach; die Seqîa folgten ihm. Sie feuerten 2 Schüsse auf die Löwin ab, die, hier­ durch leicht verwundet, sich umwandte und im Nu Tatzen­

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