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12 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
Züge. Der Kopf wird ganz kahl geschoren; sie tragen viele Ohrringe, einige auch einen Zimäm (Nasenring) von Messing und andere ein hölzernes Gehänge, das bis an’s Kinn reicht. Die jungen Mädchen tragen vorn ein Schürzchen und die Verheiratheten haben auch hinten ein solches, während die, welche schon ein Kind gehabt haben, vorn zwei, die eine über der anderen tragen. Sie sind mit Glas perlen eingefasst und werden von einem Gürtel von Kameel-Däir gehalten, woran 2 Troddeln von Wad»a hängen. Ihre Dörfer sind kreisförmig und die Toqül derselben Wohnung durch Hürden von Qasab (Durra-Stroh) mit einander ver bunden. Die Getreide-Toqul sind gut von Stroh geflochten und haben inwendig übertünchte Felekab. Die Burün be sitzen viele Schweine mit weisslichem Gesicht und kleinen wagerecht stehenden Ohren, denen sie die Schwänze abschneiden. Sie halten auch Hühner und etwas Rindvieh, das in der Mitte des Dorfes an behauenen Pfählen wie bei den Negern des oberen Weissen Flusses angebunden wird. Sie reissen sich entweder einen unteren Schneidezahn aus oder begnügen sich damit, in der Jugend die 2 Mittelzähne durch ein Holz zu trennen, um eine Lücke herzustellen. Sie machen ausgezeichnete Mensa und bereiten eine Art fast trockenen Teig von Durra, den sie Suri nennen und der säuerlich schmeckt. Sie leben mit den Denqa auf dem Kriegsfuss und sind. obschon weniger zahlreich als diese, wegen ihrer Geschicklichkeit in der Handhabung des Bogens gefürchtet.
Ich sah die Hörner eines Tian - riel und habe gehört, dass es in der Gegend auch Ma>aref giebt, wie die von Baker gesehenen. In Tana beobachtete ich eine Kigelia, ähnlich der des Weissen Flusses. In der Ebene sah ich eine Wachtel.
Sonntag den 1. März wurde der Marsch durch die gras reiche von Anpflanzungen unterbrochene Ebene fortgesetzt. Wir sahen eine Menge von Basilicum, eine Euphorbiacee mit langen Griffeln und einige Qara. Bei den Culturen standen vereinzelte Gebäude und hier und da waren Wasser ansammlungen. Wir ritten nach Süd 50 — 55° West und kamen nach 3 Stunden, in der Stunde etwa 1 */ 4 Lieues zurücklegend, nach Gongära, das von fernher an einem Baobab kenntlich ist und wo wir Mittagsrast hielten. Eine Stunde westnordwestlich von hier liegt ein Dorf Namens Belila. Um >Asr brachen wir wieder auf und zogen in Süd 75—80° West durch die Ebene weiter, liessen das Dorf Abelan etwa 1 Stunde rechts liegen und langten nach 2 Stunden in Suga an. Links näherte sich uns der Wald, den wir nie ganz aus den Augen verloren hatten, nach und nach wieder mehr und ist von Suga etwa 1 */ 4 Lieues entfernt.
Montag den 2. März. In der Nacht war der Sei) Abu Röf auf dem Rückweg von seinem Raubzug angekommen. Er brachte Nachrichten, mit denen das Gefolge Malek’s wenig Ursache hatte, zufrieden zu sein. Die Leute Abu Rofs hatten 2 Tagereisen von hier 2 Monate lang mit den Denqa gekriegt, ohne ihnen ihre Heerden abnehmen zu können. Sie führten etwa 80 Gefangene, fast lauter1 alte Weiber und Kinder, mit sich. Diesen ärmlichen Erfolg hatten sie mit dem Leben von 12 der Ihrigen bezahlt, ohne die gctödteten oder vermissten Pferde und Kameele zu rechnen. Diesen Verlust erlitten sie im letzten Treffen.
Der Sei) El-mahall, Abu Rofs Bruder, war unter den Getödteten. Man hatte auf der Verfolgung der Neger eine mit hohem Grès und Qaqamüt bewachsene Stelle zu über schreiten gehabt, worin die Neger rechts und links aus wichen und dann aus ihren Hinterhalten die Araber beim Durchzug angriffen. El-mahall wurde von einer Lanze in die rechte Seite getroffen und fiel todt von seinem Kameel herab. — Am Nachmittag waren wir 2 Kilom, südlich von Suga und stiessen auf eine westsüdwestlich sich hinziehende Reihe von Dom-Palmen und grossen Kigelien, was auf einen unterirdischen Wasserlauf hindeutete. Wirklich fanden wir auch, als wir daran entlang gingen, Brunnen und einen Weiler von Arabern, Namens El-ereif. Im Wald war kein Wild; die Bäume waren fast ausschliesslich Talha, die von hohem Haifa und Andropogon überwuchert waren. Die erwähnten Dom-Palmen waren die ersten, die ich im Innern des Landes gesehen hatte. — Die Fliege, welche die Ka meele verfolgt, sie wüthend macht und selbst tödtet, kommt auch in dieser Gegend vor, aber nur in geringer Anzahl. Die Araber nennen sie Teir. Es giebt davon 3 Arten. Die grosse mit blau und weiss gezeichneten Flügeln und die kleine mit honigfarbenem Körper, aber ohne Merkmale auf den Flügeln, kommen in der Sant-Gegend des Weissen Flusses und auch noch weiter südlich vor. Die dritte Art ist so gross wie die erste; sie hat einen grossen Kopf und dünnen Hinterleib; der Kopf ist von schwärzlicher, der Thorax von grauer und der Hinterleib von rothbrauner Farbe; die Flügel haben keine Zeichnung. Diese Art habe ich am Weissen Fluss nicht gesehen. — Am Morgen hörte ich die Rufe von Francolinhühnern, auch giebt es Giraffen in der Gegend, aber sie sind von den lärmenden Araber schaaren, die nach allen Richtungen umherstreifen, verjagt worden.
Dienstag den 3. März wurde nach langem Hin- und Herreden beschlossen, das Lager zu verlegen, um Gras und reichlicheres Wasser in der Nähe zu haben; demgemäss wurde Mittwoch den 4. März, Abends 6 Uhr, aufgebrochen und indem wir erst westsüdwestlich, dann etwas mehr südlich, dann eine kurze Strecke südwestlich ritten, erreichten wir in 2 */ 4 Stunden, die Stunde 5 Kilom, zurücklegend, den langen Saum von Dom-Palmen, El-ereif. Diese Palmen stehen auf einer Stelle, wo der Boden etwas ansteigt und zugleich weniger thonhaltig ist, so dass er nicht jene zerspaltene Oberfläche zeigt, die hart wie Ziegelstein ist. In der Nähe dieser Dom-Palmen finden sich auch Kigelien, Sant, Caillea und Bauhinien, die undurchdringliche Dickichte bilden. Hinter diesem dichten Waldsaum dehnt sich eine Ebene aus, wo Lichtungen mit ähnlichen Dickungen abwechseln. Nach den einförmigen Mimosen- und Combreten-Wäldern, nach den unaufhörlichen, mit ausgedörrten oder verbrannten Stellen gescheckten Grasebenen, konnte mir diese von herr lichem Mondschein verklärte Landschaft den Eindruck feen hafter Schönheit machen. Der Abend war wunderbar mild und still; Alles zog geräuschlos dahin. Nach 2’/4stündigem Ritt, fast genau nach Westen dem Saume von Dom-Palmen folgend, kamen wir an eine Örtlichkeit Namens Kû-el-fâr, wo diese aufhören. Über die Ebene waren noch hie und da Dom-Palmen, Heelig und Mimosen zerstreut. Wir