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Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil. 11 Gattungsname für die Bignoniaceen ist, der aber verschieden ist von demjenigen am Boro, dem Ahmed diesen Namen gab; er erinnert mich eher an die Swartziea vom Weissen Fluss, den sogenannten Piroguenbaum. — Der ebene Raum am Fusse des Berges, der aus der herabgeschwemmten rothen Erde besteht, zeichnet sich auch durch einige besondere Bäume aus: Da ist vor Allem ein sehr grosser Baum Namens Hommeida, vielleicht eine Acacia, von der Dimension des Sant mit röthlich-brauner Rinde und ohne Dornen. Ich sah auch ein Sesaban (aeschynomene ?) ; endlich einen Baum Namens Abu-zekk, der mir ein Combretum zu sein scheint. In der Nähe des Gipfels sah ich 2 Mor, und scheint mir diese kleine fahlröthliche Antilope ein Cephalolophus zu sein. — Wir brachen um 4 */ 4 Uhr auf und kamen nun in die tiefe Einsenkung, die den Qarawit von dem Landrücken trennt, aus dem der Gebel Ulü aufsteigt. Dieses breite und reichlich bewässerte Thal hat fruchtbaren Boden und ist voll üppigen Grüns. Die schönen Blätter der Combreten glänzten in der Sonne und der Wind bewegte ihre langen Spitzen, als ob es Haare wären. Die grossen Anogeissus Silaq und selbst die anderwärts noch trockenen Mimosen grünten: Alles war grün und frisch. Diese Niederung er streckt sich gegen Westen, soweit ihr das Auge von den Höhen des Qarawit aus zu folgen vermag; wie mir scheint, muss sie mit dem Yäl in Verbindung stehen und ist viel leicht dessen nördlicher von Don Beltrame angedeuteter Zufluss. Es ist der Hör Majageida. — Um 63/4 Uhr trafen wir jenseits des G. Ulu ein, eines niedrigen Felskamms, der einen aus Granitblöcken bestehenden Hügel krönt. Um uns herum waren einige Araberfeuer. Wir lagerten mit dem Seb auf einer mit Akazien bewaldeten Stelle, etwa 500 m. südlich von den Felsen. Unsere Zelte waren schon zu unserer Aufnahme bereit.
Samstag den 28. Februar. Wir verliessen Ulu in süd licher Richtung und kamen nach einem Ritt von 3 Lieues stets durch Wald an das Ufer des Hör-es-sama, der vom Kurmuk-el-Zeribiet, dessen Bewohner die Truppen Ahmedpaàa’s geschlagen haben, herkommt und nach Südwesten zu fliessen scheint. Er fällt in die Hör der Denqa, die dem Flusse zufliessen. Er ist 25 Fuss breit und 15 Fuss tief, steil abfallend. In seinem Sandbett wächst die Asclepias laniflora und an seinen Ufern der Ficus des Blauen Flusses. Im Wald standen viele Has-ł>as und Bauhinia tamarindacea. Wir ritten den Hör entlang, der eine kurze Strecke weit gerade nach Süden fliesst und erreichten nach */ 4 Lieue Omm-ebeil, einen Weiler von wenigen Häusern, die auf einem niedrigen Felsen stehen. Es befindet sich dort ein Faqih-Grab, an welchem der Seb anhielt, um ein Gebet zu verrichten. Wir sahen Cratoeva und Boerhavia am Wege. Nach einer weiteren ’/4 Lieue überschritten wir den Hör und kamen in die Ebene, die er überfluthet. Sie ist voll von Wasserrissen und ausgetrockneten Lachen, hat Gras im Überfluss und ihr Boden ist von Elephanten zerstampft. Wir ritten gen Süden weiter, immer durch Wald. Der Boden ist stellenweise röthlicher und kieselreicher, als ob er durch Anschwemmungen vom Gestein des Tefafan oder Qarawit entstanden sei. Das Combretum bildet theils in Mischung mit Akazien, theils allein den Wald, letzteres besonders da, wo der Boden am leichtesten und am kiesel reichsten ist. Ich sah auch Nabaq-el-fil und einen Dolichos.
Wir langten dann auf einer mit zahlreichen grossen Wasser pfützen bedeckten Ebene an, wo wir die Seqia mit einem Theil der Gazwa fanden. Wir, deren Zahl schon durch unterwegs Hinzugekommene beträchtlich angeschwollen war, schlossen uns derselben an. Die Raubschaar allein war bereits eine ziemliche Menge. — Wir setzten unsern Marsch, der in Folge der grossen Anzahl von Menschen nun weit langsamer von Statten ging, durch Waldungen fort. Ein Strauss wurde verfolgt und getödtet. Die Hetze zwischen den Bäumen hindurch erforderte bedeutende Gymnastik, um Baumstümpfe und Dornen zu vermeiden, was aber nur auf Kosten eines Theils der Kleider gelang. — Ich sah eine schöne 6 Fuss hohe Euphorbie, auch 2 Hibiscus und 3 Acanthaceen, wovon eine mit sehr langen Blättern ; ferner eine Euphorbiacee mit langen Griffeln, wie die am Sôbât, oder doch eine Art von derselben Gattung. — Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir aus dem Wald heraus und sahen eine weite Ebene vor uns, aus der einige leichte mit Hegelig und Baobab besetzte Erhebungen emporragten. Auf diesen Erhöhungen stehen bewohnte und verlassene Dörfer. Die Gegend, d. h. die Gesammtheit der Weiler, die wir vor uns sahen, heisst Abu-Gönes, und das Dorf, wo wir ab stiegen, Tana; 1500 m. nordwestlich von da liegt ein zweites Namens Bâêom. 3/4 Lieue nördlich von Tana hatten, wir den bedeutenden Hör-el-aggar überschritten, der vom Gebel Heli herkommt, wo er Maggar heisst, und sich in die Hör der Denqa ergiesst. Sein breites, aber nicht tiefes Bett ist grasreich und enthält noch viele Lachen ausgezeichneten Wassers, worin Nymphaeen wachsen. — Die Neger der Dörfer von Abu-Gönes gehören dem Stamm der Burün an; sie gehen nackt, nur gürteten sich einige bei Ankunft der Araber eine Art Qurbab oder ein Ziegenfell um. Sie scheeren sich das Haar ganz ab, ausgenommen zuweilen einen ganz kleinen Büschel gerade über der Stirn. Einige tragen auch die Haare nur kurz geschoren und mit einem fetten ziegelrothen Kleister beschmiert, ähnlich dem, womit sie ihren ganzen Körper und ihre Qurbab einreiben. Sie haben in Folge davon eine chocoladenbraune Farbe mit ziegelrothem Glanz. Sie haben wie die Atwot mehrere Ringe im Ohr rand und 2 Halsbänder, das eine aus 2 bis 3 Reihen von schwarzen, weissen und ziegelrothen Glasperlen bestehend, das andere von Leder, woran ein Pfeifchen, eine Art Masa von Eisen oder 2 Spitzen von Antilopenhörnern, hängen. Manchmal haben sie auch Halsbänder von vielfach über einander gereihten Glaszierrathen, ein Viereck bildend, das die ganze Höhe des Halses bedeckt. Um’s Handgelenk und oberhalb des Ellenbogens tragen sie einfache Armbänder von Eisen, Messing oder Elfenbein, auch bisweilen am Ellenbogen einen Fiocco (Quaste) wie die Denqa. Am Gürtel haben sie 2 Reihen von weissen und einigen schwarzen und ziegelrothen Glasperlen, oft auch tragen sie ein Serval-Fell mit vorn zur Seite herunterhängendem Kopf und zu sammengeknüpften Tatzen, das aber die Blösse nicht deckt. Ihre Waffen sind dieselben wie am Gebel Gumgum, Bogen, die in der Mitte nach innen gekrümmt sind. Die röthliche Ferda, die einige tragen, oder ihre Qurbab sind am Rande mit kleinen weissen Perlen besetzt. Den Körper sieht man auf Brust, Rücken und Armen oft fein tättowirt. Sie gelten für sehr geschickte Bogenschützen. — Die Frauen sind dick und plump, haben starken Hals, kleinen Kopf und grobe 2*