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10 Zweiter Theil. Reisen und Aufnahmen im Gebiete des Blauen Nil.
um ausserdem noch ein wenig Handel zu treiben. — Ich sah den Baum vom Araś-kol, den ich für den Kafal hielt und der am Böd Kirk heisst (Balaamodendron). — Vom zweiten Tage nach unserer Ankunft am Hör-dolöb an ver hinderte uns ein dicker Nebel von kaum wahrnehmbarem Staub, den Gule zu sehen, und bedeckte selbst die nächsten Berge mit einem Schleier. Der Nordwind blies den ganzen Tag heftig in Stössen, legte sich aber während der Nacht etwas. — Der feste schwarze, tief gespaltene und in der Regenzeit überfluthete Boden des Hör besitzt wenig Pflanzen wuchs äusser den grossen Gramineen, wie Andropogon, Poa cynosuroides und einige Triachyrum. Ich sah Nabaq, Qaqamût, Hegelig, Grewia, Dom-Palmen und eine Menge »Usar, aber Alles zwergartig. Ferner beobachtete ich einen Hi biscus mit 12 Fuss hohen geraden Stengeln, die als Felekab (wahrscheinlich Rippen der Toqul) dienen; dann Asparagus, Hieracium, Verbesina, Ethulia, eine ganz kleine kriechende Indigofera mit schwärzlich grünen Blättern, eine Scilla, eine Physalis (somnifer das gemeine Solanum, eine stark bren nende Fragia, Croton plicatum ; eine Buchnera (Jiermonthica?Y Die Abreise wurde von einem Tage auf den anderen verschoben, um einen Reisetag abzuwarten, der Allen von guter Vorbedeutung erschien. Am Mittwoch den 25. Fe bruar bestimmte Malek endlich den Aufbruch auf den fol genden Tag, trotz der Ansicht Derer, die behaupteten, dass der Aufbruch am Freitag nach dem Gebet von besserer Vorbedeutung sei.
Donnerstag den 26. Februar. Malek, der auf dem Kopf eine Taqia (Käppchen) von Qaśs von Mekka und am linken Ellenbogen mehr als ein Dutzend Hegab (Amulette), die wohl eine Oqa wogen, trug, verrichtete mit den Weisen sein Gebet. Der Kadi bat hierauf Gott, den Muselmännern gegen die Kafir (die Ungläubigen) beizustehen, und dann wurde aufgesessen. Das meinem Diener Ahmed anvertraute Dromedar war durchgegangen, so dass ich genöthigt war, ihn mit meinem Gepäck auf einem schlechten Lastkameel zurückzulassen. — Wir brachen um 4 V2 Uhr auf und ritten mit der Geschwindigkeit von etwa 7 Kilom, die Stunde in Süd 25° West-Richtung. Bei Sonnenuntergang überschritten wir die gerade Linie vom Böd zum Ahmar (?), dann passirten wir den unbedeutenden Hör-galaba. Wir waren die ganze Zeit über eine fast kahle Ebene geritten und zogen so bis 10 Uhr weiter bis zum Hör Omm-qarn. Dieser breite und tiefe Hör bewässert eine weite Ebene. Der Boden ist von Schluchten und Spalten durchschnitten, gras reich und mit Bäumen übersäet. Der Hör Omm-qarn fällt in der Nähe des Tefafan in den Fluss, der Galaba und Hör-dolöb etwas weiter nördlich; sie fliessen alle drei nahezu parallel. — Der Weg zieht sich von da in südlicher, leicht nach Osten abbiegender Richtung weiter; die Landschaft wird baumreicher und man kommt wieder durch Wald, in welchem Anogeissus und Combretum zwischen den Mimosen vorkommen; aber Talha und Tuffar sind sehr vorherrschend. Die weisse Rinde der letzteren glänzte wie Silber im Mond licht. — Um 11 ’/2 Uhr vwurde Halt gemacht. Das Mahl bestand aus Abra mit Sitöta, aus Kameelrostbraten und ein Paar Datteln. Nachdem noch eine Pfeife geraucht war, legte man sich auf die holperige Erde, um zu schlafen. — Es war noch dunkel, als Malek das Zeichen zum Aufbruch gab. Vor Tagesanbruch um 5 '/2 Uhr waren wir im Sattel und sahen bald den Qarawit zwischen den Lichtungen der Bäume. Um 8 Uhr ritten wir durch den ziemlich bedeu tenden Hör Omra-riglak und langten um 9 Uhr in Qarawit an, das von Durra-Feldern umgeben ist, die gerade in der Ernte begriffen waren. Die Kameele warfen einen nach Basilicum duftenden Staub auf. — Das Dorf liegt am Ost fusse des Berges in einem wahren Wald von Baobab. Gegen über zieht sich ein tiefes, grünes Thal in den mehr oder weniger gegliederten Bergbuckel hinauf, von dem aus die Spitzen des Silaq, Mimig und Yakan sichtbar sind. — Von Thieren hatten wir unterwegs am Hör Omm-qarn Perl hühner gesehen, dann auch Racken, Diccurus, eine grüne Lamprotornis und Celastrus.
Der Mek oder Manafana war ein junger Mann von verständigem Aussehen. Wir stiegen unter einer Reküba im Schatten der Baobab ab; vor uns in einer steinernen Umfassung lag die Grabstätte des verstorbenen Manafana. Man bot uns Abramit Honig an, den es im Überfluss in dieser Gegend giebt, sowie die unvermeidliche Marara (rohe Leber und Magen mit Pfeffer und Salz gewürzt). — Bei meiner Rückkehr vom Berg, auf den mich ein intelligenter junger Hameg begleitet hatte, um mir die Namen der Berge, die ich peilte, zu sagen, traf ich unten eine Meglis (Berathung) im Gange, worin zuerst den aschengepuderten Abgesandten der Denqa die Tulba (Tribut) auferlegt wurde. Hierauf verlangte Malek von den Eingeborenen 33 Unzen Gold, die er für sie dem Miri (?) bezahlt habe. Sie besassen aber nur 4, und es wurde ausgemacht, dass der Rest in tadel losen Sudäsi-Sklaven (nach Schweinfurth, „Im Herzen von Afrika” II, 435 heisst Sittahsi wörtlich: „Sechse lang”, d. h. ein sechs Spannen hoher Sklave), einen zu je 2 Unzen gerechnet, zu bezahlen sei. Drei wurden sogleich als Ab schlagszahlung in Empfang genommen.
Der Dorfvorsteher war vom Fung-Stamm, wie die meisten der Häuptlinge der Hameg-Dörfer. Die Hameg dehnen sich bis zum G.Yakan ausschliesslich aus. — Der Gebel Qarawit unterscheidet sich schon von Weitem von den anderen Bergen, die ich bis jetzt besucht hatte, durch seine gerun deten Formen und seine regelmässigen in Geröllhalden sich abdachenden Gehänge. Beim Besteigen des Berges bemerkte ich, dass das rothe eisenhaltige Gestein, aus dem er besteht und das dem Gestein von Atwot, Gür und dem oberen Weissen Strom ähnlich ist, überall Spuren vulkanischer Thätigkeit zeigt, wenn auch in geringerem Grade als das des Tefafan, mit dem es offenbar Verwandtschaft hat. Der Fels ist porös, aufgedunsen und stellenweise wie schwarz verbrannt. Er ist von fächeriger Struetur und mit Quarz stückchen gemengt, die durch Wärme Wirkung eingefrittet zu sein scheinen. — Der nördliche Theil der kleinen nord südlich verlaufenden Bergkette, der von dem südlichen durch die zum Dorfe hinabführende Schlucht geschieden ist, war ganz mit blühenden Luban bedeckt. Äusser diesen sah ich nur einige wenige Combreten und den auf dem Gule vor kommenden Baum mit langen säbelförmigen Blättern, den ich für eine Anonacee hielt. Auf dem von mir bestiegenen südlichen Theil des Berges herrschen Combreten vor. Ich sah daselbst eine in Behaarung und Blättern etwas von der des Weissen Flusses verschiedene Gardenia; dann einen hohen Baum Namens Kirid, der weder Blätter noch Blüthen noch Früchte hatte, und einen anderen Namens Has-l>as, was der