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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 3 anderen Bäumen sitzen unbeweglich Legionen von Nacht raben, die beim Nahen der Barken schwerfällig auffliegen, einige Zeit kreisen und sich dann auf einem benachbarten Baum wieder niederlassen. Nachmittags ist der Fluss breit mit flachen, weniger stark beholzten Ufern. Der Uferschlamm ist von Flusspferdspuren durchfurcht. Gegen Abend nimmt der Fluss noch an Breite zu. Die Ufer werden immer freier und sind überall von einem breiten Schilfgürtel eingefasst. Nachts erreichten wir Qaqa, wo die Neger Musik machten.
15. Jan. Das grosse Dorf Qaqa, eine Viertelstunde vom Strand entfernt, besteht aus etwa 10 Hüttengruppen, deren grösster Theil von Silük, der abgelegenste von Ara bern bewohnt ist. Diese Araber sind Leute aus verschie denen Stämmen, aber vorzugsweise Baqqära, und einige Be wohner des Nilthals, die sich vor den Bedrückungen der türkischen Regierung hierher in die Verbannung geflüchtet haben ; ausserdem eine kleine Zahl arabischer und berberinischer Kaufleute, die hier den kleinen Handel mit Landes produkten, Gummi, Leder, etwas Elfenbein und dem Tamür genannten Stoff ausbeuten ; endlich einige von Hartümer Kaufleuten hierher gesetzte Agenten, welche Zeuge und Glasperlen gegen Elfenbein und einige andere Erzeugnisse verkaufen. Die Händler von Qaqa dehnen ihre Geschäfte nicht nur über die übrigen Silük-Dörfer aus, sondern auch zu den Denqa, die das gegenüberliegende Ufer bewohnen und die ihnen viel ungehinderter ihr Elfenbein verkaufen können ; ferner über das Gebiet der Baqqära, bis zum Gebel Takla, wo Nasr sie gut aufnimmt. Sie gehen zu Fuss in 5 Tagen dorthin. Der Weg ist sehr sicher, wie auch der zu den Baqqära. Der Sultan erhebt von diesen Kaufleuten keine Steuer, aber sie machen ihm zahlreiche Geschenke von Stoffen und Produkten, um sich freie Bewegung für ihren Handel zu verschaffen. Nur diejenigen unter ihnen, die mit Hartüm in ununterbrochener Verbindung stehen, nehmen Geld, im Übrigen ist es ein Tauschhandel oder man zahlt mit Perlen. Ihre Toqül sind schlecht gebaut, wie die zu El Qetêna, mit Strohwänden und den ganz kleinen jAnqareb der Baqqära als einzigem Möbel. Eine kleine Strohumzäunung von 1—2 Fuss Höhe umschliesst ein paar Baumwollstauden. Sie haben viele Hühner, Tauben, Ziegen, einige Ochsen, Esel, Pferde und Kameele. Ihr Elfenbein und die Glaswaaren liegen unter dem jAnqarêb vergraben. — Die Behausungen der Neger haben Wände von getrock netem Lehm, das Dach ist sorgfältig gemacht und eine kreisförmige Umzäunung von Stroh oder Matten vor der Thüre. Die Silük sind von athletischer Gestalt, vortreff lichem Wuchs, der Hals ist kräftig, das Gesicht gross, der Schädel klein, die Züge grob, indessen doch nicht wie beim wahren Negertypus; der Ausdruck ist männlich, kriegerisch, nicht stumpf. Der Gesichtswinkel ist spitz, die Nase breitgedrückt und die Lippen ungeheuer dick, wie bei den wah ren Negern. Die Frauen sind ebenfalls kräftig, massiv, ohne Eleganz der Gestalt und des Benehmens. Sie tragen ein Schürzchen am Gürtel befestigt und darüber eine Kuh haut, die mit einem Vorder- und einem Hinterfuss über der rechten Schulter befestigt ist, so dass der Schwanz vom Knoten zum Knie herabhängt und linke Brust und Schulter unbedeckt bleiben. Die Männer sind vollkommen nackt, aber mit schiefergrauer Asche bedeckt. Einige tragen am Gürtel ein handbreites Stückchen Thierfell, das aber nichts von den Genitalien verhüllt. Sie haben wie die Frauen Halsbänder, Armschienen und Spangen von Kupfer, um das Fussgelenk Ringe von Stricken, Gürtel von Glasperlen oder Muscheln. Die Elegants bemalen sich mit einer als Brei angerührten Farbe an verschiedenen Theilen des Körpers rosenroth. Auf der Stirn, am Hinterkopf und manchmal noch sonst im Gesicht legen sie Ocker auf. Viele haben sich die Haare durch fortdauernden Gebrauch von Kuhmiet asche und Kuhharn roth gefärbt. Die Haarcalotte wird oft durch einen Federkranz ersetzt. Die erwachsenen Silük und Denqa reissen sich einen Theil der Schneidezähne aus. Sie tragen eine Lanze, die ohne die fusslange Spitze so lang wie sie selbst ist, mit einem Stück Holz an der Spitze und einem Federbüschel am entgegengesetzten Ende; einen Stock, der am Ende mit einem Federbüschel oder einem Büschel von Lederstreifen in Form eines Dreizacks verziert ist und eine Pfeife mit Schilfrohr und einem Mundstück von Flaschenkürbis. — Die Kinder sind ganz nackt, asch farben; die kleinen Mädchen haben ein kleines Schürzchen vorgehängt. — Die Silük zerstossen die Durra grob und kochen sie mit Wasser, ebenso kochen sie auch das Fleisch, das sie essen. Sie trinken weder Branntwein noch Bilbil, wohl aber eine dicke, schlechte Merisa, die von den Ara bern Daboba genannt wird. Unter den Negern des Weissen Flusses und seiner Zuflüsse haben nur die Silük Hühner, die sie aber nicht verzehren und deren Eier sie selbst verschmähen, weil sie ihre Nahrung im Schmutz und Koth suchen. Aber sie lassen dieselben sich um ihre Wohnungen vermehren, um sie den Arabern und Europäern zu verkau fen. Die ansässigen Araber verschneiden die Hähne. Äusser ihren Barken haben sie kleine »Anbäg-Kähne von eigenthümlich keilförmiger Gestalt mit Raum für einen Mann, der den Kahn vollständig einnimmt und ihn mittelst einer Stange treibt, die er abwechselnd links und rechts in’s Wasser taucht. Diese Kähne haben sie bei sich zu Hause und jeder trägt den seinigen auf dem Kopf zum Fluss, wenn er ihn braucht. Im Dorfe sieht man nur 2 oder 3 verkrüppelte Bäume. Es liegt in einer weiten kahlen Ebene, wo man zur Zeit der Stromschwelle Durra baut. Wir sahen sie geborsten, mit gelben, trockenen Stoppeln bedeckt. Die Araber können keine Gärten anlegen, weil die Silük nicht gern einen Theil des Bodens der Weide entzogen sehen.
16. Jan. Nach dem gestrigen Abendessen begann wie der die schon Tags zuvor gehörte Musik mit Gesängen. Trotz der Abmahnungen der Leute konnte ich der Ver suchung nicht widerstehen, mich mit 4 oder 5 derselben dem Schauspiele zu nähern. Im Gegensatz zu dem hohen Näseln und den Misstönen ihrer Nachbarn der Denqa hat die Gesangsweise der Silük einen unaussprechlichen Charakter wilder Majestät voll Glut und Ausdruck. Der Eindruck, den diese von einigen hundert schrecklicher Stimmen gesungene Musik macht, ist ünauslöschlich ; das Diabolischste, was wir in unseren Opern zu hören bekommen, ist Nichts gegen die sen Dämonenchor, wobei einem die Gänsehaut überläuft, der Schweiss auf der Stirne ausbricht und die Haare sich sträu ben. Als wir uns dem Tanzplatz näherten, wartete unser eine neue Aufregung. Schwach erleuchtet durch das auf gehende erste Mondviertel, bewegten sich in fremdartigem 1*