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4 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
Takt und Rhythmus einige Hundert riesiger Schattengestal ten, die mit ihrem seltsamen Kopfputz, ihren langen Lanzen, welche sie, die Spitze abwärts, die Federbüschel nach oben gerichtet, schwenkten, und mit ihren gezähnten Wurfspeeren wirklich wie eine Schaar Dämonen aussahen, die da ihren Hexensabbath feierten.
Kaum waren wir bemerkt worden, so sahen wir uns von einem Haufen wilder Gestalten umringt, deren Gesten eben so gut als Bewillkommnung, wie als Unwillen über die Störung gedeutet werden konnten. Wir zogen uns des halb baldigst zurück, eingedenk früherer Vorkommnisse, wo unter ähnlichen Umständen ganze Schiffsmannschaften auf einen Wink des Häuptlings niedergemetzelt worden waren. — Auf dem Heimweg begegneten wir in der Ebene den jungen Burschen von 10—15 Jahren, die sich in kriegerischen Spielen übten, indem sie sich verfolgten, und, mit Lanze und Schild bewaffnet, Scheinangriffe ausführten. Auch auf uns wurde ein solcher im Lauf ausgeführt und erst im Augen blick, als sie uns fast berührten, hielten sie an und hoben die Lanze wie zum Stoss. In der Nähe sammelten die Kin der trockenes Stroh in kleine Haufen und zündeten es an, was den phantastischen Charakter der Scene wesentlich erhöhte.
Morgens gingen wir unter Segel. Fast gegenüber Qaqa liegt eine grosse Zeriba der Denqa mit Strohumzäunungen und einigen nur aus Stroh bestehen den und also von den in Qaqa verschiedenen Toqül. Ihr Rindvieh gehört sehr verschiedenen Racen an; denn äusser der Verschiedenheit der Farben sieht man solche, welche die schöne Körper-, Kopf- und Hörner-Form der Ochsen des Sudan haben, andere, die einen schwachen Buckel, schlecht gebauten Körper und den Kopf der Ägyptischen Kühe, schlanke, gewundene Hörner haben ; andere endlich, die den schönen Bau der ersten, aber mehr Europäischen Kopf und die Hörner der Flandrischen Ochsen haben. Die Denqa haben dieselben beiden Arten von Kähnen wie die Silük, dieselben Waffen, dieselbe schöne Gestalt, aber die Züge sind hässlicher. Viele sind aschfarben, andere zeigen das natürliche Schwarz; einige haben die Haartracht der Silük angenommen ; die Sprachen sind verschieden.
Von Qaqa an bleibt das Land ganz unbewaldet. Man sieht an den Ufern immer eine ziemliche Anzahl von Silük und Denqa mit Viehhüten oder Fischfang beschäftigt. Einige Silük riefen uns um etwas Salz an. Sie erhielten es und ich warf ihnen 5 Bered (grosse Perlen) hin, um zu sehen, ob sie sich darum zankten; aber ein Häuptling, der sich zufällig unter ihnen befand, schnitt alles Weitere ab, indem er sich sämmtliche aneignete.
17. Jan. Die Reise geht weiter durch ein flaches und mit Ausnahme von 2 oder 3 Orten kahles Land. Die Ufer sind meist trocken und mit hohem Gras bedeckt, worauf die Heerden der Silük und Denqa weiden. Nachts legen wir an bei Danab (= Schweif, so benannt wegen seiner langen Ausdehnung längs dem Ufer).
18. Jan. Danab oder Fasòda ist die Residenz des Königs der Silük. Die Silük stammen von den Ufern des Sôbât, wo ihre Nation noch unter dem Namen der Bonak existirt; sie haben ihre jetzigen Sitze durch Eroberung er worben. Diese dehnen sich heutzutage auf dem West-Ufer von der Insel Argei bis zum Sumpfsee No aus, auch über die Inseln und einige Stellen des Ost-Ufers, das im Übrigen durch die Denqa besetzt ist. Die Breite des Landstrichs am West-Ufer wechselt von 1 bis 6 Stunden. Jenseit be ginnen die verschiedenen Negerstämme der Kordofanischen Berge, die mit den Silük in Frieden leben. Zwischen ihnen nomadisiren je nach den Jahreszeiten die Baqqära-Stämme, die mit beiden auf beständigem Kriegsfuss stehen. Obgleich die Silük träge, zu Raub und Treulosigkeit geneigt, manch mal sogar mordgierig sind, so sind sie doch unter den An wohnern des Weissen Flusses und seiner Nebenflüsse der einzige Stamm, der einige Fortschritte in der Gesittung ge macht zu haben scheint und der einige Hoffnung auf wei tere Entwickelung bietet. Durch Zahl, Gebietsausdehnung und kriegerische Tüchtigkeit hervorragend, ist er der ein zige, der einen bestimmt umgrenzten regelmässigen Staat gegründet hat, unter einem erblichen König, mit festen Re gierungsformen, genau befolgten Gesetzen und geregelten Steuern.
In Danab haben sich wie in Qaqa eine grosse Anzahl von Arabern und Nubiern angesiedelt, mit denen die Silük in Frieden leben und von denen sie einige Vorstellungen von einer Gottheit und von der Seele angenommen haben. Ihnen verdanken sie auch den Anbau der Durra und den Gebrauch der Kleidungsstoffe, der allmählich aufkommt. Die Silük sind hauptsächlich Hirten, Jäger und Fischer, gele gentlich auch Räuber.
Der gegenwärtige König ist ein Greis *), der in Danab einen abgesonderten Weiler bewohnt, der aus den Toqül seiner Weiber, Kinder und Sklaven besteht. Er verlässt denselben niemals, um sich seinem Volke zu zeigen. Er bemalt sich nicht, trägt an Armen und Beinen silberne und goldene Ringe, auf der Brust Perlenschmuck und hält stets eine oder zwei Lanzen in der Hand. Er hat in seinem Weiler ungefähr 150 seiner Söhne und eben so viel Sklaven, alle bewaffnet, die für seine Sicherheit wachen. Die Söhne, die noch zu jung sind, um die Waffen zu tragen, werden ausserhalb des königlichen Dorfes erzogen. Er hat auswts noch eine bedeutende Anzahl Sklaven als Hüter seiner Heerden. Alle Tage zeigt er sich von fern den bedeu tendsten Häuptlingen, die ihn, in respektvoller Stellung niedergekauert, betrachten; aber er empfängt gern den Be such der fremden Araber und Nubier, einerlei ob ansässig oder nur vorbeireisend, weil sie ihm ein Geschenk geben, das erwidert wird. Einen Weissen zu empfangen, hat er bis jetzt hartnäckig verweigert. Seine Einkünfte sind: die Sendungen gewisser Mengen von Durra, die ihm die acker bauenden Dörfer liefern, ferner 2/з aes Elfenbeins, wel ches seine Unterthanen auf der Jagd erbeuten. Wer einen Elephanten tödtet, muss dem Könige die beiden Zähne bringen, der dem Jäger ein Drittel des Elfenbeins oder dessen Werth giebt. Der König erhält ferner sämmtlichen Moschus der erlegten Krokodile, so wie den Schwanz von allen Giraffen. Dieser Gegenstand hat als Schmuck bei den Negern grossen Handelswerth. Wer unerlaubten Umgang *) Nach Beltrame, Di un viaggio sul Fiume Bianco etc. Lettera, Verona 1861, S. 10, hiess derselbe Mievdòk und starb einen Monat nach de Pruyssenaere’s Besuch.