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2 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
durch ihre unglaubliche Menge auszeichnet. Gegen Abend sahen wir am Ost-Ufer 4 Kähne der Silük angebunden und die nackten Wilden, mit Lanzen bewaffnet, liessen sich zwischen den Bäumen erblicken. Sie waren ohne Zweifel, ihrer Gewohnheit gemäss, über ihre Grenze gekommen, um den Heerden der Araber, die zur Tränke getrieben werden, einen Hinterhalt zu legen. Werden sie überwältigt, so be mächtigen sich die Araber ihrer und verkaufen sie als Sklaven. Ihre langen schmalen Piroguen waren aus einem einzigen Baumstamme geschnitten, gut ausgeführt und schön geglättet. Abends machen die Kraniche und Reiher einen Höllenlärm, ähnlich dem Froschquaken, nur viel stärker.
11. Jan. Schon vor Sonnenaufgang hallen beide Ufer von dem widerlichen Geschrei der Strand vögel und der Thiere der Dämmerung wieder und auch der Lärm der Kraniche und Perlhühner kündigt den Sonnenaufgang an, wie er gestern dem Untergang folgte. Kaum hat sich die Sonne erhoben, so wimmeln die grünenden Ufer des Flusses von Thieren in zunehmender Menge. Die Vögel werfen sich auf’s Wasser, die Gazellen kommen zum Trinken, Hun derte von Affen hüpfen in der Sonne umher. Von Zeit zu Zeit tauchen riesige Flusspferde auf und nieder und scheinen um das Schiff herumzuspielen. Sandbänke sind von un geheueren Krokodilen belagert, hohe Gräser bedecken die versumpften Ufer und bilden eine lange Graswand, die vor der Maljâdat Abu Zêd beginnt und sich in’s Unendliche zu erstrecken scheint. Hinter dieser Schilfmauer, worin ich einen neuen Convolvulus und den jAnbag (Aedemone mira bilis) fand, dehnt sich eine gleichfalls einen Theil des Jahres hindurch unter Wasser stehende und auch sonst wegen ihrer dichten Vegetation und ihrer sumpfigen Be schaffenheit unpassirbare Ebene aus ; dann kommt die Zone der Sant, die hier ziemlich fern vom Flusse liegt, und end lich die mehr oder minder bewachsene Steppe, wo die Baqqära hausen. Vom Flusse aus betrachtet, ist hier die Landschaft einförmiger, da die zahlreichen Thiere fehlen. An der Oberfläche des Wassers zwischen den Schilfstengeln kriechen eine Menge von Pflanzen, die scheinbar einen Boden bilden, der mit den Wellen auf und nieder wogt. Etwas oberhalb der erwähnten Furth wurden wir an einer Klippe leck und mussten auf den schlammigen Grund auf laufen, um das Leck zu verstopfen und das Wasser auszu schöpfen. Bei dieser Gelegenheit bekamen wir die ersten Baqqära zu Gesicht: Weiber und Mädchen, die ihre Wasser gefässe (Burma) am Flusse füllten, Erstere mit der Ferda, Letztere mit dem Rabat bekleidet. Von dieser Stelle sahen wir in der Ferne zum ersten Male die beiden steilen Spitzen und den anschliessenden Zug des Gebel Denqa, die unser aus dieser Gegend stammender Dolmetscher bez. Gebel Jekay und Gebel Köoui nannte.
12. Jan. Bei Tagesanbruch waren wir in der Höhe der Berg-Kette angelangt. Den ganzen Tag begleiteten uns flache mit Gras und ’Anbäg eingefasste Ufer; auf dem »Anbäg sitzen Anhingas. Die Sant dahinter scheinen weniger hoch und dicht zu stehen als gestern. Den ganzen Tag Massen von Flusspferden.
13. Jan. Das West-Ufer bietet fortdauernd denselben Anblick. Das Ost-Ufer ist meist zugänglich, ausserordentlich malerisch bewaldet, mit schönen Schlinggewächsen, welche die Bäume bis in ihre Wipfel bedecken. Der Boden ist mit prächtigen Gewächsen bedeckt. Von Strecke zu Strecke sahen wir Denqa, die ihre zahlreichen Heerden hüteten. Sie waren völlig nackt, mit einer oder zwei Lanzen und einem Schild aus Fellen von ovaler Form bewaffnet. Ihr Rindvieh ist weiss, oder weiss mit schwarzen Flecken und einige falb mit einem kleinen Buckel auf dem Widerrist. Sie haben nicht die schöne Kopfform der Sennärischen Rinder, ihre Hörner sind dünn, von mittlerer Grösse und halbmond förmig gestellt. Diese Denqa wohnen in ziemlich grossen gutgebauten Toqül mit sehr niedrigem Eingang, ziemlich weit ab vom Fluss, wohin sie ihre Rinder nur zur Tränke führen, aus Furcht vor den marodirenden Silük, welche die Ufer des Flusses unsicher machen. Sie haben auch Schafe und Ziegen, auch Hunde. Sie sollen aber keine Kähne be sitzen. Um Sonnenuntergang sahen wir auf der Spitze einer Insel ein Silük-Dorf aus sehr nahe bei einander stehen den, mit Zweigen bedeckten Toqül von Halbkugelform. Die Bewohner besitzen Fahrzeuge, aus ausgehöhlten Stämmen bestehend, die sie mit einem oder zwei schaufelförmigen Rudern treiben, wie alle Neger des innern Afrika.
14. Jan. Bei Sonnenaufgang befanden wir uns in der Höhe eines isolirten Hügels von abgerundeter Gestalt, der in geringer Entfernung am Ost-Ufer liegt und bis zum Gipfel mit jetzt trockenen Kräutern bewachsen ist. Es ist der Tefafam, von den Eingeborenen ebenfalls Köoui ge nannt. Der Form nach sollte man ihn für eine Granit bildung halten, wie die vorgestern gesehenen Berge. Noch immer erscheint das Ost-Ufer als das trockenste und zu gänglichste. Man bemerkt dort einige Toqül und bewaff nete Denqa. — Wir nähern uns Qaqa. Jetzt wird auch das West-Ufer weniger sumpfig und leichter zugänglich, reich bewaldet und mit Pflanzenwuchs bedeckt. Am Ufer sieht man einige im Bau begriffene Kähne. Der Kiel besteht aus einem Stück Holz, die Seiten werden von Planken ge bildet, die am Ende durchbohrt sind, um sie mit Stricken an einander zu binden. Die daran beschäftigten Silük ver bergen sich rasch im Dickicht, solange die Barke ihr Ufer streift, um gleich darauf wieder zu erscheinen. Sie sind immer mit Lanzen bewaffnet, tragen aber auch eine Ferda, was der Nähe von Qaqa zuzuschreiben ist, das für sie immerhin eine Art von Civilisations-Centrum bildet. — Der Fluss ist mit niedrigen Sumpfinseln besetzt, die mit Schilf, hie und da untermischt mit Ricinus, jAnbäg und seltenen Bäumen bedeckt sind. Sie bilden den Lieblingsaufenthalt der Flusspferde. Einige dieser Inseln sind reich und male risch bewaldet. Zu den Mimosen treten verschiedene an dere Arten hinzu, worunter ich schöne Tamarinden und kräftige Lotos unterschied. Der Boden so wie die abgestor benen Bäume und Sträucher sind von einer üppigen Vege tation von kriechenden und Schlingpflanzen überwuchert, unter denen sich immer ein schöner, reich mit purpurrothen Blüthen bedeckter Convolvulus auszeichnet und eine elegante Asclepias, welche ihre niedlichen weiss und violetten Blüthen in Ranken und Trauben aushängt. An den Enden der Zweige schaukeln im Windhauch eine ungeheuere Zahl künstlich ge arbeiteter Nester, die Werke des kleinen Vogels, den die Araber Omm-ed-daldala (Mutter der Schaukel) nennen. Auf