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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

I. Reisetagebuch vom Bahr-el-abyad und Bahr-el-gazal. Ich verliess Hartum am 7. Januar 1859 auf einer Barke des italienischen Händlers Amabile, welcher selbst die Expedition führte. Der Weisse Fluss, auf welchem uns der zu dieser Jahreszeit nie fehlende Nordwind rasch gegen Süden trieb, ist von ungeheuerer Breite ; er schlägt hohe Wellen und sein Anblick ist weit grossartiger als der des / vereinigten Nil. Die Ufer sind flach, stellenweis über­ schwemmt und verschwimmen nach der einen Seite mit dem Fluss, nach der andern in der Luftspiegelung, so dass man auf einem weiten Meere zu sein glaubt. Der Strand ist sandig, fast nirgends bebaut. Die Gegend, die der Fluss durchströmt, ist reichlich bewachsen mit Haras, Sant, Siyala, Serba &c., welche stellenweis förmliche Wälder bilden; der Boden aber ist fast überall ganz sandig. Die Bewohner sind arabische Hirten, deren zahlreiche Heerden und aus Stroh und Koth gebauten Hütten wir von Zeit zu Zeit zu Gesicht bekommen. Es sind von jenen schönen schwarzen Arabern von stolzer Haltung, hohem, kräftigem und elegantem Körperbau, mit reichem krausen, aber nicht wolligen Haar, das sie in prächtige Flechten getheilt tragen. Sie erinnern an die schönen Kababis im Osten des vereinigten Nils. In der Nacht erreichten wir das grosse Dorf El Qetêna am östlichen Ufer.

8. Jan. Auf der Höhe von Qetêna sind beide Ufer entwaldet und bebaut. Nach längerem Aufenthalt gingen wir wieder unter Segel und erreichten durch einen Sant-Wald Wadi Sélai, ein Dorf am Ost-Ufer, das wie Qetêna unter einem Ma>un mit einigen Soldaten steht und zu jener Zeit der letzte von der Regierung besetzte Ort war.

Das Dorf besteht wie das vorige aus einem Haufen Toqül von Stroh mit Mist überdeckt, mit angebauter Rekuba, das Ganze von einem Gehege (Zerîba) umgeben. Das gegenüber­ liegende Ufer ist stark bewaldet. Man hat deshalb etwas weiter südlich einen Schiffszimmerplatz (Mangara) ) errichtet.

Der Boden von Wadi Sélai schien uns sandig und unbebaut, aber während der trocknen Jahreszeit wird er mit Hilfe von Schöpfrädern (Sadüf) bewässert.

* 9. Jan. Abends gingen wir mit sehr starkem Nordwind wieder unter Segel. Die Temperatur schien uns sehr kalt, wiewohl das Thermometer in der Frühe 17° R. zeigte und i) Russegger’s Menscherah lag, wie es scheint, nördlich von den Dörfern Wadi Sélai (seinem Woscheley) und Tebidab. (Russegger’s Reisen Bd. II, 2. Theil, S. 54.)

Reisen und Forschungen. I.

Nachmittags bis 23° stieg. Hyänen, Flusspferde und Kraniche zeigten sich.

10. Jan. Nach einer tüchtigen Nachtfahrt landeten wir um Sonnenaufgang an einer Insel, um Holz einzunehmen. Sie war von einigen arabischen Ackerbauern bewohnt, die auch Kameele und Ziegen besassen. Wir passirten bei anderen niedrigen, ebenfalls mittels Saduf bebauten Inseln. Die beiden Ufer zeigten einen sandigen Boden, waren aber stark bestanden mit verschiedenen bekannten Mimosenarten, denen noch der Qaqamüt zuzufügen ist, der ein gutes festes Bauholz liefert. Das Buschwerk besteht wie weiter nörd­ lich aus Tündub, Sérha &c. —— An diesem Tage wurde Munition an die Leute vertheilt und ein regelmässiger Wachtdienst organisirt. Wir fahren zwischen waldigen Ufern weiter, das östliche ist mehr sandig, das westliche niedrig und nass, von Gras und niedrigem Gesträuch be­ deckt. Abends machten wir Holz am Ost-Ufer, dessen Be­ wohner > Alawin-Araber sind, von denen wir aber nur einige elende, aus Zweigen erbaute Toqül sahen. Trotzdem, dass keine lebende Seele zu erblicken war, wagten sich doch die Leute nicht weit vom Ufer weg, weil häufig die im Wald versteckten Bewohner eine Gelegenheit zu Plünderung und Gemetzel erspähen. Den Baqqara am gegenüberliegenden Ufer ist nicht viel mehr zu trauen. Sie bebauen wenig Land, halten dagegen viel Vieh, wie schon ihr Name be­ sagt, und leben grossenthcils von Raub. Da sie den Barken, die an ihrem Ufer hinfahren, nichts anhaben können, so entschädigen sie sich dadurch, dass sie ihnen Schimpfworte nachrufen, die ihnen manchmal Flintenschüsse zuziehen.

Die Landschaft des Weissen Stromes mit seinen flachen, ausschliesslich mit Mimosen bewaldeten Ufern ist gewiss noch einförmiger als die in Ägypten und Nubien, die es schon in hohem Grade sind; und trotzdem ermüdet ihr Anblick weniger als der von Nubien und zumal von Ägyp­ ten. Man ist froh, endlich der steifen Einförmigkeit der Dattelpalme zu entgehen, und man lässt gern das Auge auf den Bäumen ruhen, die sich ähnlich wie in unseren Wäl­ dern gruppiren. Die abgestorbenen alten Bäume liegen mit ihren gebleichten Stämmen mitten unter der üppigen Vegetation der grünenden. Der Mensch verschwindet aus diesem ungeheueren Gesichtskreis, der hierdurch einen seltenen Charakter von düsterer Grösse erhält. Man weiss nur, dass diese Dickichte wilde Thiere beherbergen und menschliche Bewohner, die diesen gleichen. Das Ufer selbst ist menschen­ leer, aber von unzähligen Schaaren von Wasser- und Strand­ vögeln belebt, worunter sich die schöne ägyptische Gans 1

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