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VI Vorwort.

lesung oder der Übertragung, wie sie jedem Reisenden vor­ kommen, haben dabei die Richtigstellung ausserordentlich erschwert, weil sie oft erst nach mehrfacher Controlberechnung kleinerer Dreiecksnetze unter Benutzung der über­ schüssigen Beobachtungen entdeckt werden konnten. — Auch die Construktion des Blauen Nil nach Russegger’s Aufnahme­ journal war in Folge mehrerer Fehler und ungenügender Geschwindigkeits-Bestimmungen eine höchst mühevolle Arbeit, die mehrmals wiederholt werden musste, ehe das jetzige Resultat erreicht wurde, wobei die Summe der Abweichungen von allen bekannten Daten möglichst klein ist. — Beim Weissen Nil, wo man bei zwei sich trefflich controlirenden Aufnahmen die Correkturen vor der Rechnung machen konnte, bot diese nur denjenigen Aufwand von Zeit und Mühe dar, der überhaupt solchen Rechnungen eigen ist. Die Nachrechnung sämmtlicher astronomischen Ortsbestim­ mungen de Pruyssenaere’s und mehrerer v. Heuglin’s machte eine hiergegen verschwindende Arbeit.

Der handschriftliche Nachlass de Pruyssenaere’s enthielt noch verschiedene Hefte und Blätter zoologischen Inhalts. Diese, so wie einige ethnographische Zeichnungen und No­ tizen habe ich Herrn Robert Hartmann in Berlin über­ geben, welcher das Neue und Interessante daraus gelegent­ lich wissenschaftlich verwerthen wird, indessen aber schon dieser Arbeit einen kurzen Aufsatz über die Thiere des Sôbât und der südlichen Gezira beigegeben hat. — Weit bedeutender jedoch ist das botanische Material. In zwei starken Foliobänden hat der Reisende 500 bis 600 Pflanzen­ arten (meist in Lateinischer Sprache) beschrieben, ihre Fund­ orte, geographische Verbreitung, Nutzbarkeit und ihre ein­ heimischen Namen mitgetheilt; Alles in musterhafter Sauber­ keit und Deutlichkeit. Auch eine Anzahl gut ausgeführter Pflanzenzeichnungen liegt vor. Da de Pruyssenaere Jahre hindurch Botanik zu seinem Hauptstudium gemacht und während der Ausarbeitung dieser Beschreibungen zu Karkö£ die Werke von Endlicher, Forskäl, Cailliaud - Delille u. A. vor Augen hatte, so ist höchst wahrscheinlich, dass unter den vielen, von ihm nicht mit Species-Namen aufgeführten Pflanzen manche neue Arten sich befinden. Dieses Material, gewiss der werthvollste Theil des Nachlasses, befindet sich seit wenigen Wochen in den Händen von Herrn P. Ascherson in Berlin.

Was die im Tagebuchtext zerstreuten zoologischen und botanischen Notizen betrifft, so ist nicht zu vergessen, dass sie nur den Ausdruck der augenblicklichen Wahrnehmung und Überlegung enthalten und dazu bestimmt waren, zu­ sammen mit den gesammelten Exemplaren der betreffenden Naturgegenstände einer genaueren Untersuchung und Be­ stimmung zu Hause unterzogen zu werden, was auch, mit der botanischen Ausbeute wenigstens, grossentheils später in Karkö£ geschehen ist. Die in Klammer beigesetzten Namen rühren grossentheils von mir her und sind theils aus des Reisenden Pflanzenbeschreibungen, theils dem Werke Herrn R. Hartmann’s über v. Barnim’s Reise entnommen und nur dann beigefügt worden, wenn über die Identität der Pflanze kein Zweifel obwalten konnte.

Mein eigentliches Ziel war nur die Bearbeitung und Verwerthung des geographischen und geodätischen Materials, und als Hauptergebniss derselben, so wieder sich anschliessen­ den Durchforschung und Verknüpfung der Arbeiten aller bisherigen Reisenden und Forscher in dem Gebiete muss ich die Karte vom Mittleren Ost-Sudan bezeichnen, welche, wenn auch noch immer auf Material von sehr ungleichem Werthe beruhend und im Einzelnen noch vieler Verbesse­ rungen bedürftig, doch im Augenblick wohl auf die Bezeich­ nung der zuverlässigsten und vollständigsten Anspruch er­ heben dürfte. Wenn ihr Erscheinen Veranlassung werden würde, dass recht bald gründlichere und vollkommenere Auf­ nahmen des dargestellten Gebietes an die Stelle meiner Construktions-Elemente treten könnten, so würde ich darin meinen besten Erfolg erblicken. Die neuen Itineraraufnahmen der Ägyptischen Generalstabs-Offiziere in Ost-Kordofan, haben leider nicht mehr von mir benutzt werden können. Text und Karte waren bereits zu Ende des Jahres 1875 so gut wie vollendet und nur allerlei miss­ liche Umstände haben deren Publikation bis jetzt verzögert.

Die Arbeit erscheint in zwei Heften, wovon das erste die Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil und Sôbât und das Mémoire zur Karte, das zweite die am Blauen Nil, in der Gezira und östlich bis zum Atbära, so wie den rein wissenschaftlichen Theil enthält.

Vorbemerkung über die Transkription. — Bei der Transskription der Arabischen Namen bediente ich mich, auf Rath des Herrn A. Merx, äusser den der Deutschen und Arabischen Sprachen gemeinschaftlichen einfachen Laut­ zeichen folgender Bezeichnungen: Arabisch : ô Deutsch : t Aussprache: cngLtb.

G 8 dj.gh h к stark t b ch in ach d z ś s d t (I bis ds franz, z sch sz | db (h Arabisch : Jb Deutsch : tc Aussprache : dh bis s t g Ö q q y j Kehllaut ghbisr Hierzu kommt noch das Zeichen c zur Bezeichnung des Quetschlautes tsch in der Denqa- Sprache.

Das g wird im Sudan niemals wie dsch, sondern in der Mitte des Wortes wie dj oder j (im Deutschen), am Schluss meist wie gh oder к ausgesprochen ; d ist das dumpfe Eng­ lische th, wie in „that”; d und t werden stark aspirirt hervorgestossen; tc fast wie ds. (Vgl. übrigens die Vor­ rede zu R. Hartmann, v. Barnim’s Reise in Nordost-Afrika.)

Giessen, im März 1877. Der Herausgeber.

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