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Vorwort. V Sachen in äusserst verwahrlostem Zustand angekommen seien, die Papiere theilweis durchnässt, verwischt und ver schimmelt, so dass die Empfängerinnen, Mutter und Schwester des Reisenden, in Unkenntniss des inneren Werthes der Aufzeichnungen gleich nach Empfang verschiedene der am meisten geschädigten Stücke vernichtet haben, woraus sich die Abwesenheit der (mit V und VI bezeichnet gewesenen) Tagebuchhefte, welche die Reise von Rosaires bis Benisonqölo und zurück bis Karkög enthalten haben müssen, so wie verschiedener anderer Aufzeichnungen erklärt. Glück licherweise ist jene Strecke von verschiedenen anderen Reisenden begangen worden und bot sich mir für dieselbe ein kostbares Material in Russegger’s Nachlass dar.
Nachdem ich mich nämlich durch eingehende Beschäfti gung mit der Geographie des Landes am Blauen Nil und Tumât bald von der Richtigkeit einer schon von Hassen stein (Inner-Afrika, Ergänzungsbd. II d. „Geogr. Mitth.”, S. 36 und 38) gemachten Bemerkung überzeugt hatte, dass näm lich Russegger’s Karten vielfach gar nicht mit seinen Text angaben übereinstimmen, entschloss ich mich, womöglich auch seinen literarischen Nachlass, d. h. seine Original-Auf zeichnungen auszubeuten. Frau Ministerialrath v. Russegger theilte mir auf schriftliche Anfrage in liebenswürdigster Weise mit, dass der handschriftliche Nachlass ihres ver storbenen Gatten laut Testament der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien zugefallen sei. Ich wandte mich nun an diese und erhielt im Dezember 1873 sämmtliche Tagebücher und sonstige Aufzeichnungen Russegger’s zur Benutzung übersandt. Durch die ausserordentlich gütigen Bemühungen des leider inzwischen verstorbenen General sekretärs der Akademie, Professor Dr. A. Schrötter, Ritter von Kristelli, gelang es sogar, aus dem Archiv des k. k. mili tär-geographischen Instituts das von Russegger selbst aus seinen Tagebüchern ausgezogene geographische Mémoire nebst einigen Kartenentwürfen und einem Theile der über die Construktion der Karten geführten Correspondenz zu erhalten. Dieses werthvolle Material, dessen Nutzbarkeit durch die musterhafte Ordnung und Sauberkeit erhöht wird, mit der Alles in starkgebundene Quartbände eingetragen ist, habe ich, soweit es sich auf das von mir kartographisch dargestellte Gebiet bezieht, erschöpfend ausgebeutet und benutze die Gelegenheit, den Kartenzeichnern zu versichern, dass die genannten Schriften noch ein gleich kostbares, auf Kordofan und Takla bezügliches Material an Winkelmessungen und Routenaufnahmen enthalten.
Ferner haben zu meiner Arbeit noch die Herren Robert Hartmann und der leider inzwischen so plötzlich verstorbene V. Heuglin unveröffentlichte Aufnahmen und Messungen gütigst beigetragen, worüber man in der Besprechung der Grundlagen der Karte Näheres findet. Ihnen, so wie Herrn Dr. A. Petermann, der mich durch seinen werthvollen Rath, so wie durch Überlassung mehrerer Kartenskizzen und Zeich nungen v. Heuglin’s unterstützte, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank.
Ganz besonders aber bin ich zu Dank verpflichtet meinem ehemaligen Collegen Herrn A. Merx, jetzt in Heidelberg, der im verflossenen Sommer mit grösster Selbstverläugnung viele Abende hindurch mit mir die 1600 bis 1700 geogra phischen, in der Karte enthaltenen Namen durchging, ihrer möglichen Bedeutung nach besprach und ihre wahrschein lichste Orthographie, so wie die Transskription feststellte. Sehr Vieles konnte in dieser Beziehung gegen frühere Karten gebessert werden ; eben so viel musste aber leider völlig im Ungewissen bleiben. Über die Schwierigkeiten, die einer befriedigenden Transskription der geographischen Namen in Ländern entgegenstehen, wo Arabische Völker als Eroberer die einheimischen Stämme verdrängt oder unterjocht haben, brauche ich mich hier um so weniger auszusprechen, als diese schon von kundigerer Seite und namentlich von R. Hart mann in der Vorrede zu v. Barnim’s Reise in Nordost-Afrika hinlänglich geschehen ist. Auch Herrn B. Stade, Merx Nachfolger, bin ich für fernere Beihülfe dankbar.
Die Zusammenstellung der Tafel mit Trachten und Geräthen verdanke ich der geschickten Hand meines Freundes und Collegen T. Lorey, der dieselbe nach den Original zeichnungen Pruyssenaere’s mit grösster Treue, aber theilweise in verändertem Maassstab und in geeigneter Anord nung übertragen hat. Auch ihm sei mein Dank dafür hiermit ausgesprochen.
Was meine eigene Arbeit an de Pruyssenaere’s Be obachtungen und der Construktion der Karte betrifft, so ist sie eine theilweis sehr mühevolle und langwierige gewesen. Da von höchstens zwei Drittheilen seiner Winkelmessungen die Originalaufzeichnungen vorlagen, so musste ich mir die übrigen erst auf seinen Rechnungsblättern zusammensuchen und theilweis aus von ihm berechneten Resultaten zurück berechnen, wobei Zirkelabmessungen auf seinen Kartenent würfen bisweilen schätzbare erste Annäherungen ergaben. Ich bin nach und nach dazu gelangt, von fast jeder ein zelnen der vielen auf einem Pack loser Blätter enthaltenen Zahlen die Bedeutung zu enträthseln, und glaube nicht, dass irgend eine Winkelbeobachtung, die aus irgend einer vorfindlichen Zahl durch Rechnung zu erhalten war, unent deckt und unbenutzt geblieben ist. Einige Fehler der Ab-