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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
Russegger’s und allen auf ihn sich stützenden Karten zwischen Sennar und Karkög macht, ist durch einen ge wöhnlichen Abschreibe-Fehler entstanden. — Bei der Construktion des Stromtheiles zwischen Hartüm und Sennar erwies sich die Abwesenheit jedes astronomisch bestimmten Zwischenpunktes sehr störend. De Pruyssenaere wollte diese Lücke ausfüllen (s. dessen Brief an v. Heuglin, Geogr. Mitth., Erg.-Heft 15, S. 22), wie er die am Weissen Strom ausgefüllt hatte, war aber auf seiner letzten Reise leider durch stets bewölkten Himmel an astronomischen Beob achtungen gehindert. Dio astronomische Bestimmung wenigstens der Breite von Wold Medina oder Abu Haras und mindestens noch zweier Punkte gegen Hartum hin, z. B. Kamlin und Gedid, ist als dringendstes kartographisches Erforderniss in dem dargestellten Gebiete zu bezeichnen. Trotz dieses Mangels dürfte sich die Zeichnung der Strom strecke von Hartüm bis W. Medina als ziemlich richtig erweisen. Auf der weiteren Strecke nach Sennar ist eine Stelle unsicher, wo Russegger durch einen heftigen Fieber anfall wahrscheinlich an Fortsetzung der Richtungsbeobach tungen gehindert war: Vielleicht ist die lauge Strecke, die der Fluss von West nach Ost Hiesst (etwas oberhalb der Dinder-Mündung), in Wirklichkeit kürzer. Das Itinerar in Cailliaud’s Werk, das auf der Strecke von Hartüm nach Sennar von Letorzec geführt ist, lässt sich auf dem gröss ten Theil der Strecke nur schwer mit der Flussaufnahme in Einklang bringen, stimmt aber fast eben so wenig mit allen anderen Routenangaben und auch nicht mit den astronomischen Längen- und Breiten-Differenzen Cailliaud’s und Letorzec’s selbst. Südlich von Sennar ist die Über einstimmung in jeder von diesen Beziehungen eine weit bessere. — Zwischen den beiden Fixpunkten Sennar und Karkög können trotz der starken Windungen des Stroms keine grösseren Fehler vorkommen ; dagegen muss die geographische Länge von Rosaires als nicht ganz sicher bezeichnet werden.
Die Aufnahme des Blauen Flusses wurde eben so wie die des Weissen berechnet, in 1 :250.000 aufgezeichnet und mittelst des Pantographen auf 1:750.000, sodann in der Perthes’schen Anstalt auf 1:1.000.000 reducirt.
An die beiden grossen Flussaufnahmen schliessen sich nun die Itinerarien au. Mehrere der wichtigsten sind schon erwähnt worden. Dasjenige von Cailliaud und Letorzec wird nach Süden hin von zunehmender Wichtigkeit und ist dort auch glücklicherweise häufig durch astronomische Bestimmungen controlirt. Russegger’s Itinerar ist von Sennar bis Rosaires nur in sehr genereller Weise geführt. Es wird später detaillirter und läuft nach Beni-sonqölo parallel mit demjenigen Cailliaud’s. De Pruyssenaere hat genaue Itinerar-Aufzeichnungen nur da gemacht, wo er keine trigonometrische Vermessung vornehmen konnte, also z. B. südlich und westlich vom Gebel-Ulu, vom G. Saqatî zum Weissen Nil und nach Hartüm, an verschiedenen Strecken des Blauen Nil und auf der Reise nach Doqa und Qedaref. Seine Entfernungsangaben sind an vielen Stellen durch geodätische Messung controlirt und deshalb sehr sicher ihrem wahren Werthe nach in die Karte einzutragen. Herrn Maruo’s Itinerarien (Geogr. Mitth., 1873, S. 249) beziehen sich grösstentheils auf dieselben Gegenden, wie die der genannten Reisenden. Seine Richtungs-Angaben Reisen und Forschungen. I.
37 sind leider nur roh nach den 16 Hauptrichtuugen des Com passes angegeben, seine Entfernungs-Schätzungen nach Deut schen Meilen haben sich aber überall, wo er nicht seine Zahlen den von ihm für richtig gehaltenen Russegger’schen Breiten anpasst, als sehr nahe richtig erwiesen. Südlich von Beni-Sonqölo gegen Fadasi musste die Karte natürlich fast ausschliesslich auf sein Itinerar gestützt werden. .
Aus dem reichhaltigen Werke Herrn Rob. Hartmann’s über v. Barnim’s Reise in Nordost-Afrika konnten viele vereinzelte Itinerar-Angaben verwerthet werden. DieOriginal-Itinerarien v. Barnim’s konnte Herr Hartmann trotz freund lichst aufgewandter Mühe nicht mehr für mich auftreiben.
— Der kurze Bericht über Dr. Castelli’s Reise (Bull, de la soc. de géogr., 3mesér. IV, 165) konnte Vervollständigungen meiner Karte nicht liefern, wird vielmehr erst durch sie verständlich. Unter Sobat ist darin der von den Arabern der óezìra sogenannte Sobat zu verstehen, welcher der Yäl oder Gäl unserer Karten ist. — Zu den wichtigsten Itine rarien gehört dasjenige von v. Heuglin und Steudner (v. Heuglin, „Reise nach Abessinien”, S. 415; Steudner in „Zeitschr. für allg. Erdk”, XVII, S. 43), welches in Qalabat in die Karte eintritt und über Qedaref nach Abu-haraz am Blauen Nil geht, sodann das in Hartüm beginnende der selben Reisenden in Gemeinschaft mit de Pruyssenaere zum Gebel Aras-kol (v. Heuglin „Reise im Gebiete des Weissen Nil”, S. 22 ff.). Auf beiden sind viele Peilungen von Bergen &c. vorgenommen worden. Auch Russegger’s Itinerar nach Kordofan war auf eine kurze Strecke brauchbar; eben so Kotschy’s Angaben (Geogr. Mitth., Ergänzungsband II, S. (3)). — Die älteren beiden Routen von Lord Prudhoe 1829 (Journ. of the R. Geogr. soc., V, p. 38) und von Holroyd 1837 (daselbst, IX, p. 163) sind ebenfalls ein getragen worden ; ob aber die von ihnen angegebenen Brunnen und Ortschaften noch existiren, ist die Frage. Die meisten ihrer Namen sind sprachlich nicht zu enträthseln. Auch Werne’s Reise nach Sennas und Mandera lieferte Einiges für die Gegend zwischen W. Medina, Sennar und G. Saqatî. — Für die Wegstrecke von Qedaref nach Abuharaz ist auch Hamilton und Didier’s Itinerar nach Hamil ton’s „Sinai, the Hedjaz and Sudan”, p. 292 ff., benutzt worden, desgleichen Schweinfurth’s Angaben in „Zeitschr. der Ges. für Erdk. zu Berlin”, I, 183 und die spärlichen v. Beurmann’s in den „Geogr. Mitth.”, 1862, S. 165; end lich Lejean’s Routenskizze nebst den kurzen Erläuterungen (Voyage aux deux Nils, p. 20, Atlas flle 16). — Für die Weglinie von Qasala über Qedaref nach Qalabat wurden noch berücksichtigt Schweinfurth’s Berichte in „Zeitschr. für allg. Erdk.”, XIX, S. 311 u. 407; so wie auch Prideaux’ wenige Notizen (Illustrated Travels ed. by Bates, I, p. 88); ferner das Tagebuch und die hübsche von Hassenstein aus geführte Karte des Grafen Krockow von Wickerode (Reisen und Jagden in Nordost-Afrika). Von Baker wurde nicht nur der Text und die leider fast nutzlose Karte in „The Nile tributaries in Abyssinia” ausgebeutet, sondern auch eine in viel grösserem Maassstabe ausgeführte Manuskriptkarte des Landes zwischen Qedaref, Qalabat und dem Setit, die sich im Besitze des Herrn v. Heuglin befand und mir von diesem durchgepaust wurde. Baker’s Entfernungsangaben müssen nur durchweg auf etwa 2/3 reducirt werden.
Eines der wichtigsten Resultate, die sich bei der Ver-6