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38 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
arbeitung aller dieser östlichen Itinerarien ergeben haben, ist die viel weiter nach Westen gerückte Lage von Suq-Abu Sin in Qedaref, womit sich denn auch die Bedenken des Herrn Schweinfurth („Zeitschr. für allg. Erdk.”, XIX, 8. 311 u. 415) erledigen, wenn man hinzunimmt, dass der selbe bei der Summirung seiner Reisestunden von Qedaref bis Abu-haräs (Zeitschr. der Ges. f. Erdk. zu Berlin, I, 186) zuletzt wahrscheinlich 5 Deutsche Meilen statt 5 Kameelreisestunden addirt hat, denn Hamilton und v. Heuglin haben übereinstimmende Entfernungsangaben von 5 Stunden weniger. — De Pruyssenaere’s Reise von Karkög über den Dinder und Rabat nach Doqa und Qedaref mit ihren Breitebestimmungen und Itineraraufnahmen, worüber er selbst eine sauber gezeichnete Karte hinterlassen hat, ist sehr fruchtbar geworden durch die ermöglichte Anknüpfung vieler bisher ziemlich unsicherer Reisen. Zunächst ist diejenige von Lejean von Hellet-Halifa am Bahr-el-azraq über Wold-* baqr (oder W. bohur) nach Qalabat („Voyage &c.”, p. 134, Atlas flles 2 &10) wichtig; es knüpfen sich daran die zahlreichen Streifzüge der Gebrüder Poncet, deren Karte sich im „Bulletin de la soc. de géogr.”, 4me sér. XX, findet, während die Erläuterungen dazu in derselben Zeitschrift 5me sér., Votili, p. 45 stehen. Von der Originalkarte der Gebr. Poncet lag mir eine Copie des Herrn v. Heuglin im Maassstab von 1:1.500.000 vor, also bedeutend grösser als der der veröffentlichten Reduktion in 1:2.500.000. Hiernach zeichnete ich den Lauf des unteren und oberen Dinder, soweit er nicht von Pruyssenaere festgelegt war, während ich in der Darstellung des oberen Rahat Lejean gefolgt bin, der die von seinen Kameeltreibern eingezogenen Nachrichten auf Blatt 11 seines Atlas niedergelegt hat. Er hat, wie es scheint, deren Entfernungs-Angaben stark reducirt und ich habe sie deshalb wieder etwas gedehnt, um Dongur in die richtige südlichere Lage zu bringen, die ihm jetzt angewiesen werden muss, nachdem Rosaires und der debel Geri so viel südlicher gerückt sind, während der Plateaurand von Qwara nach v. Heuglin’s früheren Peilungen („Reisen in Nordost-Afrika”, 1852—53, 8. 121) und dem Itinerar bis Mat>ama festliegt. — Auch die in diesen Gegen den ziemlich mangelhaft angegebene Route von Bruce konnte jetzt sicherer als bisher eingezeichnet werden und gab einen schwachen Anhaltepunkt für die Lage des Rahat-Laufs zwischen W. baqr und Gebel Arang, wofür man sonst nur auf Baker’s flüchtig gezeichnetes Kärtchen angewiesen ist.
Zum Schluss noch einige Worte über die topographische Detailzeichnung in der Hauptkarte und namentlich in den Cartons der Fung-Berge. Neben den Specialkarten Russegger’s, dessen Darstellung der Gegend von Fazöqlo bis Beni-son qôlo, so wie der Tumat-Mündung aus den schon angegebenen Gründen kaum zu brauchen war, den schönen und wichtigen Karten No. 1 und 4 von Trémaux, denen von Lejean und den sehr nützlichen Profilen Herrn Marno’s habe ich viel neues Material benutzen können. Zunächst hat de Pruyssenaere die wichtigsten Berggruppen der Gezira mit der Bussole aufgenommen und Croquis derselben ge macht, die durch einzelne Profilzeichnungen unterstützt werden. Ferner habe ich von Herrn v. Heuglin’s Hand I verschiedene Karten-Skizzen und Zeichnungen, namentlich von der Umgebung von Hartum, Gebel Fennis und von der Gegend von Doqa. Die vortrefflichsten Dienste leiste ten mir aber die sorgfältig aufgenommenen Profile und Panoramen Herrn Rob. Hartmann’s und eben solche, so wie mehrere Pläne des verstorbenen v. Barnim. Namentlich vom Ó. Gule und den Wereqat-Bergen hat v. Barnim Pläne in grossem Maassstab aufgenommen. — Während Herrn Marno’s Profilzeichnungen, wie schon bemerkt, sehr nützlich für die Kartenzeichnung waren, sind seine Karten für diesen Zweck fast unfruchtbar. Sie tragen mehr den Charakter graphischer Verzeichnisse von Bergen und Flussbetten, als den von geometrisch-ähnlichen Landesbildern. Ich habe längs der kurzen Strecken, wo er einziger Gewährsmann ist, versucht, aus seiner Reisebeschreibung die Bodendarstellung etwas zu reformiren, was auch mehrfach möglich war. Aus der von Marno neuerdings veröffentlichten Karte des Bahr-el-abyad und Bahr-el-gebel nach einer Aufnahme von Gordon (Mitth. der k. k. geogr. Ges. zu Wien, 1875, S. 291) habe ich einige Inselnamen aufgenommen, kann aber keine Gewähr für die Richtigkeit derselben übernehmen, weil diese Karte von Stichfehlern in der Schrift wimmdt. Einige derselben (z. B. Asabauarus) klingen weder Arabisch, noch auch Denqa oder Silük. Diese Karte eben so wie die ent sprechende zu Marno’s Reisewerk haben den Fehler, dass die ganze Reihe der Orte und der Namen zwischen Hartüm und G. Nyemati ungefähr 2/3° zu weit nach Süden ver schoben sind. Schiebt man auf ersterer Karte die ganze Namenkolonne so flussabwärts, dass Qaua (H. Danäqla) an die Stelle kommt, wo Schebescha steht, so wird die Fluss karte ziemlich richtig und zeigt namentlich zum ersten Male, dass der ganze Stromlauf vom Tefafan bis Qawa öst lich vom Meridian von Hartüm liegt.
Die südöstliche Ecke unserer Karte ist als Terra incognita bezeichnet. Ich habe daselbst punktirt den Verlauf an gedeutet, welcher nach v. Barnim’s Visuren von Gerì und namentlich nach Trémaux’ Panorama vom Farönya aus dem Blauen Nil und dem Yabüs etwa zu geben ist und durch Einzeichnung einiger Plateau-Ränder die ungefähren Grenzen zusammenhängenden Gebirgslandes angegeben, wie sie sich von den genannten Beobachtungspunkten aus darstellten. Jedenfalls ersieht man daraus, dass der Blaue Nil noch weithin durch breite Thalebenen (Abessinische Qolla-Länder) strömt und dass das Abessinische Gebirgsland, die Deqa, in einzelnen getrennten Plateau-Stücken endigt, wie das an anderen Orten auch beobachtet ist.
Die in die Karte aufgenommenen Höhenzahlen sind grösstentheils Neuberechnungen von Russegger’s Barometer-Beobachtungen, begründet auf die neue durch Nivellement gefundene Höhe von Hartüm (Confluenz — 378 m.). Ihnen sind die de Pruyssenaere’schen Zahlen in der oben erörter ten Weise angepasst und angereiht und, wo sie zweifelhaft erschienen, mit einem Fragezeichen versehen. Am Weissen Nil sind einige neue Höhenzahlen nach Marno’s Beobach tungen berechnet von Hann (Mitth. der k. k. geogr. Ges. zu Wien, 1875, 8. 183 u. 304; Geogr. Mitth., 1875, 8. 342) eingetragen worden.
Druck der Engelhard-Reyher'schen Hofbuchdruckerei in Gotha.