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36 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

Mahlmann in der Karte zu Werne’s Buch ein zweites Mal von Hassenstein (Inner - Afrika, Ergänzgsbd. II zu den Geogr. Mitth., Taf. 6 u. 8 u. 8. 29; so wie Ergänzungs­ heft 15, 8. 42) construirt worden. Obwohl ich dem, was Herr Hassenstein a. a. 0. über erstere Construktion sagt, vollkommen beipflichte, so hat mich doch seine Zeichnung auch nicht ganz befriedigt, weil darin mehrere der Haupt­ windungen des Flusses, die beim Maassstab von 1:2.000.000 noch zum Ausdruck kommen müssten, weggefallen sind. Dahin gehören vor Allem die Gurzet-ed-dolêb, deren sonder­ bare Effekte Werne auf 8. 152 und 434 seines Werkes beschreibt, und die Gurzet-el-Kilab, deren Durchführung er 8. 167 und 424 schildert. Ihre Benennung gehört freilich erst einer späteren Zeit an. — Ich habe aus dem ange­ führten Grund eine neue Construktion von Werne’s Tage­ buch in 1:500.000 vorgenommen, indem ich das Logbuch der Thalfahrt zu Grunde legte, daneben aber auch mehrfach die Bergfahrt berücksichtigte, besondere Sorgfalt auf Er­ mittelung richtiger Geschwindigkeits-Verhältnisse verwandte und dann wieder mittelst der Doppelkursrechnung Coordinaten berechnete. Die magnetische Deklination wurde nach Speke zu 9° W. angenommen. Zur Bestimmung der Ge­ schwindigkeits-Einheit war es von grosser Wichtigkeit, dass ein astronomisch bestimmter Punkt mit einem Punkte von Werne’s Itinerar identifient werden konnte. Nach einer von Lejean mitgetheiltcn Anekdote (Voyage aux deux Nils, p. 71) ist das durch Speke astronomisch bestimmte GabaSambil identisch mit dem Ort, wo auf der ersten Ägyptischen Expedition eine Kanone im Fluss verloren wurde (Matrak metaj al madfaj Werne’s, S. 197 u. 420); und hiermit stimmt auch die Angabe Marno’s in den „Mitth. der k. k. geogr. Ges. zu Wien”, 1875, S. 169. Eine zweite ziemlich sicher zu identificirende Stelle ist Snuda’s Station (Panemedi nach Pruyssenaere, Fennamedin nach Lejean) an der Stromtheilung südlich von Werne’s Aquàk (8. 407). Auf diese beiden Fixpunkte in Verbindung mit der eben so sicheren Gazal-Mündung stützt sich die neue Construktion. In ihrer Verlängerung nach Süden würde sie Speke’s Posi­ tion für Gondokoro ziemlich genau treffen; im allgemeinen Verlauf schliesst sie sich Hassenstein’s Zeichnung (auf der Karte im Ergänzungsheft 15 der Geogr. Mitth.) an, zeigt aber in den Einzelheiten viel bessere Übereinstimmung mit Lejean’s Darstellung (Atlas zur Voyage &c., flle 4). Die Lage des Dorfes der Elyab nächst der Mündung des Nam-röl, nach Marno (Mitth. der k. k. geogr. Ges. zu Wien, 1875, 8. 168) heute meist nur Mcsraj-Nuer genannt, stimmt mit Petherick’s Position (Geogr. Mitth., 1866, 8. 428).

Der Lauf des Sobat auf demselben Carton ist direkt von der Mahlmann’schen Karte entnommen und nach de Pruyssenaere’s spärlichen Angaben fortgesetzt worden. Die geo­ graphische Breite der Insel Habeśi nächst dem fernsten erreichten Punkt hat dieser Reisende astronomisch festgelegt. — Der Bahr-zeraf ist nach Marno (Geogr. Mitth. 1873, Taf. 8; Reisen am Blauen und Weissen Nil, Karte 3) eingezeichnet, mit Zugrundelegung der beiden J. A. Baker’-schen Positionen. Baker’s „The Dubbah” ist hierbei identificirt mit Marno’s Dabbet-jaüza, „The three Dubbahs” mit Marno’s Umkehrpunkt Mir»a-göl (Murrah Gool). — Das Flussnetz unter 6—7'/2° Ń. Br. beruht auf Zeichnungen und Angaben von Poncet (Karte im Bull, de la soc. de geogr., 4me ser. XX), Petherick (Journ. of the R. geogr. Soc., vol. 35, p. 298; „Geogr. Mitth.”, 1866, 177 u. Taf. 10), Lejean (1. c.) und de Pruyssenaere, so wie auf den älteren Arbeiten, die man in Petermann und Hassenstein’s Inner-Afrika, 8. 30 ff., so wie im Erg.-Heft 15 der „Geogr. Mitth.” zusammengestellt findet. Erwähnenswerth ist die gut aufgenommene Route de Pruyssenaere’s nach Lwal, dem Hauptorte der Atwot. Mehrere der von Werne gegebenen Ortsnamen sind ausgefallen, weil sie später nicht mehr genannt werden. Ausserdem ist eine Anzahl von Ort­ schaften dadurch gefallen, dass durch de Pruyssenaere, wie auch schon durch Lejean, mehrfach verschiedene Namen als demselben Ort zukommend erkannt wurden. So sind Lolnun, Melwel und Abu Kuka identisch, Panom, Fantentoum und Heiligkreuz; Snuda’s Station ist Panemedi oder Fennamedin und liegt etwas südlich von dem neuen Ägyp­ tischen Posten Zeriba Bor. Auch Marno’s Angaben und Karte in den „Mitth. der k. k. geogr. Ges. zu Wien”, 1875, 8. 291, konnten noch benutzt werden. Es verdient erwähnt zu werden, dass bezüglich dieser Stromstrecke, insbesondere der Lage der Ortschaften, die Darstellung auf Blatt 8 der 10-Blattkarte von Inner-Afrika den wirklichen Verhältnissen viel besser entspricht, als die später bearbeitete Karte im Ergänzungsheft 15 der „Geogr. Mitth.”

Der Blaue Nil, Bahr-el-azraq, ist bisher genau nur von Russegger und zwar bis Rosaires (auf der Hinfahrt von Hartüm bis Senn ar, auf der Rückfahrt von Rosaires bis Sennar) aufgenommen worden, die Strecke von Hartüm bis Abu-haras auch von Lejean. Da Russegger gerade auf dieser unteren Strecke weniger häufig die Stromrichtung beobachtet hat, als weiter oben, so ist die Aufnahme Lejean’s, der diese Strecke drei Mal, ein Mal zu Schiff und je ein Mal auf jedem Ufer zurückgelegt hat, besonders er­ wünscht, zumal sie recht sorgfältig gemacht zu sein scheint (Atlas zur Voyage &c., f,,e 2). Einzelne Stromstrecken sind auch von Herrn v. Heuglin (Juli 1862) aufgenommen und liegen mir in Pausen der Originalskizzen mit ein­ geschriebenen Entfernungs- und Richtungs-Angaben vor. Russegger’s handschriftliches Tagebuch enthält die voll­ ständige Strom-Aufnahme, d. h. die Angabe von Fahrzeit, Richtung und der Ufer-Dörfer. Verzögerung durch Gegen­ wind &c. hat er manchmal in Rechnung gebracht, häufiger jedoch nicht und es war deshalb eine Haupt­ aufgabe, aus den glücklicherweise zahlreichen Angaben des Tagebuchs über Wind und Strömung richtigere Werthe für die Länge der einzelnen Kurse herzustellen. Ferner mussten verschiedene Ablese-, Aufschreibe- und Abschreibe-Fehler theils durch sorgfältigen Vergleich mit den Ergeb­ nissen von Itinerarien, theils aus der Natur des gebrauchten Instrumentes, theils durch Vergleich des Tagebuchs mit dem Aufnahme-Journal verbessert werden. Russegger bediente sich eines Bergmannscompasses, der in 24 Stunden zu je 15 Graden getheilt war. Es giebt unter den verschiedenen Theilungsarten des Compasses sicherlich keine, die zu reich­ licheren Ablesungs-Fehlern Gelegenheit bietet als diese, und es sind mehrere solche Fehler durch Vergleichung erkannt und beseitigt worden, gewiss aber auch manche stehen ge­ blieben. 2 oder 3 Mal hat Russegger die Richtung an der Südspitze statt an der Nordspitze der Nadel abgelesen. Eine der beiden enormen Windungen, die der Fluss nach

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