Facsimile · p. 41
Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 35 gehenden Logbüchern von v. Heuglin und Steudner. Das des Letzteren findet man im 17. Bande der „Zeitschrift für allg. Erdkunde” veröffentlicht. Es ist aber, so viel mir be kannt, bisher noch nicht construirt worden, eben so wenig wie das noch nicht veröffentlichte v. Heuglin’s, welches mir nebst Pausen von der Flusskarte von dem Autor gütigst zur Verfügung gestellt wurde. Über die Art der Auf nahme hat mir Herr v. Heuglin Folgendes mitgetheilt. Sie wurde ausgeführt mittelst eines grossen Schiff scompasses, der mit einem Diopterlineal versehen war. Derselbe war auf dem Verdeck des Schiffes neben dem Hauptmast einfür allemal möglichst dauerhaft auf einer mit dem Verdeck fest verbundenen Kiste angebracht und die Visuren wurden mit dem Diopter immer auf die scheinbare Mitte des ent gegenkommenden Stromes genommen; mit diesem Diopter wurden auch die entfernteren Bergspitzen gepeilt. Die Ab lesungen und Aufzeichnungen beider Reisenden sind ganz unabhängig von einander zu verschiedenen Zeiten an diesem Compass gemacht und fallen nur während weniger kurzer Zeiträume zusammen, während deren sie sich (behufs Essens oder Schlafs) ablösten, um dann je das Fehlende von ein ander zu copiren. Die Uhrdifferenzen sind von Herrn v. Heuglin mehrmals notirt. Beide Aufnahmen dienen also einander zu höchst schätzenswerther Controle und Ergän zung. Die Übereinstimmung beider ist nach Correktion einiger Druckfehler in Steudner’s Logbuch eine ganz vor zügliche.
Zur Benutzung der beiden Aufnahmen war vor Allem nöthig, die lokale Ablenkung der Magnetnadel des Com passes im Schiff zu kennen. Glücklicherweise konnte eine Visur nach dem Aras-kol von einem gut definirten Punkte bei Wadi Selai mit einem an demselben Punkte von de Pruyssenaere gemessenen absoluten Azimuth verglichen werden, wo nach die ganze magnetische Missweisung auf dem Schiffe 5° betrug. Ich habe deshalb bei Steudner’s und v. Heug lin’s Peilungen durchaus diese Missweisung in Rechnung gebracht, was zwar nicht streng, wohl aber annähernd richtig ist, weil der Weisse Nil bis zur Sobat-Mündung fast stets dieselbe meridionale Richtung hat und wenig be deutende Krümmungen macht. Von der Sobat-Mündung aufwärts, wo das Schiff fast senkrecht zur bisherigen Rich tung gestellt werden musste, ist jene Voraussetzung sicher lich minder zutreffend ; glücklicherweise ist aber diese Stromstrecke nur kurz und Anfangs- und Endpunkt der selben astronomisch fixirt.
Was die Fortbewegungs-Geschwindigkeit des Schiffes be trifft, so nahm ich, unter Zugrundelegung constanter Strom geschwindigkeit, 6 Grade der Geschwindigkeit an, ungefähr entsprechend den Fahrten von 1, 2, 3 . . 6 Seemeilen die Stunde, und ertheilte je nach den in den Logbüchern ent haltenen Notizen über den Wind jeder Strecke ihre Ge schwindigkeitszahl. Durch die namentlich auf der unteren Stromstrecke sehr zahlreichen Breitebestimmungen de Pruys senaere’s liess sich daun leicht die Einheit des Geschwindigkeitsmaasses berechnen. Die Stromstrecke zwischen Hartüm, Moqrên und Hellet Danaqla zerfällt durch die astronomisch bestimmten Punkte Gebel Auli, Qetêna, Wadi-Selai, Mesra>ted-dobazi in 5 Theilstrecken. Mittelst einer genauen Kurs rechnung berechnete ich für jede dieser Theilstrecken die relativen Coordinaten jedes Brechpunktes und durch Zu sammensetzung diejenigen gegen den Anfangspunkt bei Hartüm und zeichnete dann die Kurslinie im Maassstab von 1: 250.000 auf Coordinatenpapier auf. Die Stromstrecke bis H. Danaqla ist auf diese Weise mit grosser Sicherheit erhalten worden und damit die Länge letzteren Ortes zu 30° 18' 25" O. L. von Paris, während die Construktion von de Pruyssenaere’s Itinerar vom G. Saqati her die Länge nur um ’/2 Kilo meter westlicher ergeben hatte. Das östliche Stromufer bei H. Danaqla oder Qawa liegt also noch etwas östlich vom Meridian von Hartüm, während ihn alle bisherigen Karten beträchtlich westlich von demselben und um 20’ bis 30 ' zu weit südlich setzen.
Von den Punkten Mesrajt-ed-dobazi und Wadi Selai aus wurde dann vermöge Pruyssenaere’s Dreiecken der G. Araskol festgelegt, und eben so weiter nördlich die kleinen Berge am Strom.
Der Stromkurs von H. Danaqla bis zum G. Nyemati wurde in ähnlicher Weise berechnet, nur konnte die Ge schwindigkeits-Einheit nicht durch eine bekannte Breite letzteren Punktes bestimmt werden, sondern durch Pro jektion der beiden Coordinaten auf die gegebene Visirlinie vom G. Dali zum genannten Berg. — Die folgende Strom strecke bis Hellet-Qaqa hat eine Lücke von etwa 6 Ml. während einer Nachtfahrt; eine ähnliche Lücke bietet die nächste Strecke bis zur Sobat-Mündung. Ich habe die selben so ausgefüllt, dass ich vorläufig annahm, es habe jedes Mal die fehlende Strecke hindurch (deren Länge durch Herrn v. Heuglin jedes Mal geschätzt ist) das Mittel aus den 3 letzten am Abend und den 3 ersten am Morgen beobachteten Richtungen geherrscht. Die Construktion gab alsdann schliesslich für die Sobat-Mündung (bez. Taufîqîya) eine geographische Länge, die nur sehr wenig von der astronomischen, durch J. A. Baker bestimmten abwich. Ich habe dann die Richtung dieser beiden Nachtstrecken so modifient, dass die Übereinstimmung eine vollständige wurde. Die zweite dieser Strecken, in der Gegend der Yal-Mündung gelegen, konnte ich auch nach Lejean’s Aufnahme (im Atlas zur Voyage aux deux Nils, flle 12) einzeichnen, die von H. Qaqa aufwärts sorgfältig gemacht zu sein scheint, wäh rend sie weiter nördlich nur äusserst roh ist. Der gerade Stromarm indessen, den Lejean direkt von H. Qaqa nach Fasòda laufen lässt, existirt nicht und beruht seine Ein zeichnung sicherlich auf einem Missverständniss. Was Lejean im Text seiner Reise (p. 67) über das Verlassen des direkten Arms, um Faśóda zu umgehen, sagt, kann sich nur auf das Umfahren der allerdings ziemlich grossen, diesem Ort gegenüber liegenden Insel beziehen.
Vom Sobat zur Gazal-Mündung konnte ich meine neue Construktion äusser mit Lejean auch schon mit Werne ver gleichen, nach dessen durch Mahlmann construirter Karte (Expedition zur Entdeckung der Quellen des Weissen Nil). Die Übereinstimmung der 3 Zeichnungen der genannten Nilstrecke ist befriedigend; eben so die Übereinstimmung mit Lejean in dem kleinen Stück des Gazai selbst, das noch in die Grenzen des Cartons vom oberen Weissen Nil fällt.
Dieser Carton enthält den Lauf des Weissen Stroms, bez. des Kir bis gegen den 6° N. Br. Für die Strom strecke vom Moqrên-el-bohûr bis Gondokoro ist Werne’s hier sehr sorgfältig (auf der Rückfahrt) geführtes Tage buch noch immer die beste Quelle. Dasselbe ist äusser von 5*