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Erster Theil. Reisen und .Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 33 Speke auf seiner berühmten Reise von Gondokoro (ein­ schliesslich) bis Hartum ausgeführten. Sie waren von um so grösserer Wichtigkeit, als 2 Längenbestimmungen (von Gondokoro und der Sobat-Mündung) darunter waren, deren erstere allen Flussaufnahmen zum Fixpunkt werden musste. Speke’s Länge von Gondokoro (Journ. of the R. Geogr. Soc., Bd. 33, p. 343) muss noch heute als die zuverläs­ sigste angesehen werden, da sie auf 5 Monddistanzreihen beruht, theils östlich, theils westlich, deren Einzelresultate im höchsten Falle um 15' vom Mittel abweichen, wäh­ rend J. A. Baker’s abweichende neuere Bestimmung (s. unt.) auf nur 2 sehr schlecht übereinstimmenden Beobachtungen beruht. Die übrigen Positionen Speke’s sind: Snuda’s Station (Pruyssenaere’s Panemedi) . 6° 5 ' 9" Missionsstation (Heiligkreuz)..................... 6° 49' 32" French station (Gaba Sambil, damals Malzac gehörig)............................................................7° 8' 18" Guteina (Bazaar)- Qetêna................................14° 52’ 49" Hartum, britisches Consulat............................... 15° 36' 23" Auf Speke und Petherick folgt S. W. Baker, der merk­ würdigerweise die Breite von Hartüm zu 15° 29' angiebt („Der Albert-Nyanza”, Deutsch von Martin, Volksausgabe, 8. 16); seine Breite der Sobat-Mündung = 9° 21' 14" (daselbst, S. 40) stimmt aber mit Speke und de Pruyssenaere überein, und höchst werthvoll ist seine Bestimmung der Längendifferenz zwischen diesem Punkte und der Gazäl-Mündung, dem Moqrên-el-bohùr, zu 4m 26s, so wie der Breite letzteren Punktes zu 9° 29’ (daselbst, S. 42). Es sind diese 2 Angaben, die der Construktion des Weissen Nil zu Grunde gelegt wurden. Gaba Sambil fand Baker in 7° 5' 46", also südlicher als Speke, sodass viel­ leicht schon damals eine Verlegung der ehemaligen Malzac’-schen, später Binder’schen Station an den südlicheren Punkt Statt gefunden hatte, wo heute nach Marno (Mitth. d. k. k. geogr. Ges. zu Wien, 1875, S. 166; Geogr. Mitth., 1875, S. 318) der Ägyptische Posten jenes Namens liegt. Die Position von Gondokoro hat Baker offenbar von Speke ent­ nommen, mit dem er dort zusammentraf.

Reisen und Forschungen. I.

Die grosse Ägyptische Expedition unter S. W. Baker-Pastf, welche bekanntlich extensiv die geographischen Kennt­ nisse wenig erweitert hat, ist für die genauere astronomische Festlegung des Weissen Nil-Laufes von hervorragender Wichtigkeit gewesen, insofern von Offizieren, die mit ihr in Verbindung standen, die ersten zuverlässigen Längen­ bestimmungen nördlich von Gondokoro gemacht worden sind. Vor Allem zu nennen sind hier die beiden sehr genauen Ortsbestimmungen de Bizemont’s, die beiden einzig er­ wähnens werthen, aber höchst werthvollen Resultate dieses leider durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges von der Theilnahme an Baker’s Expedition zurückgerufenen Französischen Marineoffiziers. Diese beiden Fundamental­ bestimmungen findet man im „Bull, de la soc. de geogr.”

6me sér. I, p. 123, III, p. 87, und „Revue maritime et colo­ niale”, Bd. 42, p. 823 u. 825. De Bizemont fand: Berber (Mudiria im Mittelpunkt der Stadt)=17° 58’ 57' N. Br. aus 9 Reihen von je 12 Circummeridianhöhen und 310 45 ' 30" Ö. L. von Paris aus 60 Reihen von je 6 Monddistanzen, woraus die 30 bestübereinstimmenden ausgewählt wurden. Ferner Hai tum (der Beobachtungspunkt findet sich leider nicht angegeben) = 15° 37' 20" N. Br., 30° 16' 45" O. L. von Paris aus 21 Reihen von Monddistanzen.

Ersterer Ort fällt ausserhalb des Rahmens der Karte. Die Position von Hartüm dagegen ist als Hauptfixpunkt zu Grunde gelegt; und zwar habe ich angenommen, dass sich dieselbe auf das Gouvernementsgebäude bezieht, welches am äussersten Nordrand der Stadt, dicht am Flusse, liegt. Die Breite stimmt dann gut mit Cailliaud und Petherick und auch mit de Pruyssenaere’s Breite des Minarets.

Der Neffe und dauernde Begleiter Sir Samuel Baker’s, Lieutenant J. A. Baker, bestimmte im Bereich unserer Karte 6 Punkte am Weissen Nil und Bahr-zeräf (S. W. Baker’s „Ismai’lia”, II, p. 565, und Journ. of the R. Geogr. Soc., Bd. 44, p. 70). Seine Breite von Hartum, auf einer ein­ zigen Sonnenmeridianhöhe beruhend, ist um 1 ' zu niedrig ausgefallen; Gondokoro, auf 4 Höhen beruhend, ist 40" nördlicher als Speke’s Bestimmung, weil der Lagerplatz in der That etwa 1 km nördlicher lag als das alte Missions­ gebäude, wo Speke gemessen hatte; die aus 2 sehr differirenden Monddistanzen bestimmte Länge dieses Orts ist ungenügend neben Speke’s guter Bestimmung und auf Tafel 22 der „Geogr. Mitth.” 1875 mit Unrecht dieser vor­ gezogen. Neue werthvolle Punkte sind Dänab oder Fasòda in 9° 54' 15" N. Br., 32° 15' 45" Ö. L. v. Gr. (chrono­ metrisch bestimmt) und das Baker’sche Winterquartier Taufîqîya in 9° 25' 5" (8 Meridianhöhen) und 31° 44' 13" Ö. L. v. Gr. (aus 4 östlichen und 3 westlichen Mond­ distanzen) oder zuverlässiger 31° 45' 9" (chronometrisch), die Dabba (wahrscheinlich Marno’s Dabbet-jagfiza) im Bahrzeräf 7° 47' 13" N. Br. (2 Meridianhöhen), 30° 41' 54" Ö. L. V. Gr. (chron.) und die 3 Dabba’s (Marno’s Mirjagöl) in 7° 31' 51" N. Br., 30° 41 ' 54" Ö. L. v. Gr. (chron.). Die chronometrischen Längendifferenzen sind zu Schiff gegen Haitüm bestimmt und daraus von mir unter Annahme von de Bizemont’s Länge von Hartüm die Längen von Greenwich abgeleitet, die, wie man sicht, bei Taufîqîya mit der aus Monddistanzen bestimmten bis auf 1 ' über­ einstimmt, jedenfalls aber den Vorzug verdient. Da Tau­ fîqîya etwa 4 Min. nordöstlich von der Sobat-Mündung liegt, so kommt diese noch 17 ' östlicher zu liegen, als nach Speke’s vereinzelter Monddistanz, sie liegt also nur wenig westlich vom Meridian von Gondokoro.

Soviel über die astronomischen Grundlagen der Karte, soweit sie nicht von de Pruyssenaere herrühren. Die 36 von diesem Reisenden bestimmten Positionen findet man im zweiten Heft zusammengestellt.

An die Position von Sennär schliessen sich nun un­ mittelbar de Pruyssenaere’s Dreiecksmessungen an, deren Er­ gebnisse ebenfalls im zweiten Heft mitgetheilt werden. Es wird hierdurch zunächst der wichtige Punkt Karkö£ am Flusse und das Berg-System längs diesem und im Innern der Gezira festgelegt. Durch kleinere angehängte Dreiecke, so wie durch Azimuthbestimmungen ergaben sich dann verschiedene Orte am Flusse und Visirlinien nach verschiedenen bemerkenswerthen Bergen (z. B. Nyemati, Tabi, Gerì &c.), während andere vereinzelte Dreiecks­ messungen längs dem unteren Weissen Strom die relative Lage der dortigen Berge und Orte bestimmen.

Äusser der mit dem Sextanten ausgeführten Haupt­ triangulation liegen auch noch zahlreiche Bussolenpeilungen.

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