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32 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
mung (Qerebin und Kilgu) nicht gut in Einklang zu bringen war. Nach de Pruyssenaere’s Visur auf Aqadi ist aber Cailliaud’s astronomische Breite die einzig mögliche und deshalb von mir unbedenklich benutzt worden, während das Itinerar des langen Tagemarsches durch waldiges Terrain von Qerebin bis Aqadi nur mit grosser Vorsicht zu ge brauchen ist.
Die Positionen von Cailliaud und Letorzec sind unverdientermaassen in den Hintergrund gedrängt worden durch Russegger’s Angaben. Die Resultate der Reise dieses treff lichen und gewissenhaften Gelehrten sind so vielseitig und tragen überall, wo er selbst als Beobachter auftritt, so sehr den Stempel der Zuverlässigkeit an sich, dass die Geo graphen diese Eigenschaft auch auf Beobachtungen über tragen haben, die er nicht selbst gemacht, sondern nur mitgetheilt hat. Russegger konnte selbst keine astronomischen Beobachtungen machen und scheint nur sehr geringe Kenntniss des Sternhimmels besessen zu haben (er schreibt z. B. in seinem Tagebuch immer Arthur statt Arctur). Die astro nomischen Beobachtungen auf seiner Reise machte der ihn im Sudan begleitende Deutsche Renegat und Ägyptische Flaggenkapitain Ahmed-Kaptan (s. Russegger’s Reisen II, 2. Th., S. 136 Anm.). Dass dessen Breitebestimmung von El-’obed um IV von der Rüppel’schen ab weicht, bemerkt schon Russegger selbst (1. c. S. 138). Wenn man Russ egger’s Originaltagebücher vor sich hat, wo er das Detail jeder Meridianhöhenbeobachtung und deren Berechnung ein getragen hat, so überzeugt man sich auf den ersten Blick, dass seinen Breiten keine Genauigkeit, die über У2° geht, zugeschrieben werden kann. Vernachlässigung des Index fehlers, der etwa 25' betragen zu haben scheint, ist der Hauptgrund, warum alle Positionen, die mit nördlich vom Zenith culminirenden Sternen erlangt sind, um 10 '—15' zu südlich ausgefallen sind. Überdiess kommen aber so bedeutende Einstellungs- und Reduktionsfehler vor, dass die Bestimmungen ganz äusser Berücksichtigung bleiben müssen. Merkwürdig ist nur, mit welcher Ehrfurcht Russegger selbst die Resultate dieser Ortsbestimmungen betrachtete. Ein Originalbrief von ihm, der sich unter seinen Papieren be findet, giebt Zeugniss von der Verzweiflung, in welcher sich der Construkteur seiner Karten im militärgeographischen Institut in Wien gegenüber der Zumuthung, dass die Breiten bestimmungen als absolut richtig der Routenconstruktion zu Grunde zu legen seien, befand: Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein Hauptausgangspunkt von Routen, die Insel Mak-el-lêlî bei Rosaires etwa 18' zu nördlich be stimmt war.
Auch einige Ortsbestimmungen Linant’s fallen in unser Gebiet. Die Breiten von Hartum, Sennär und El->afün (Halfun) sind aber von ihm um 2—3' zu niedrig ge funden worden, die von El-’ês (AÌeis) sogar um 20' und dessen Länge um 1° zu östlich. Die Angaben sind mitgetheilt von Rüppel in Zach, Correspondance astron. XIV, 346, so wie in Berghaus, Denkschrift zu No. 6 des Atlas von Asia S. 106, 108, 118. Nur am letztgenannten Ort wird die Position von El->es gegeben, deren Herkunft mir unbekannt ist. Bei dem geringen Grade von Genauigkeit obiger Zahlen muss man es wohl als Zufall ansehen, dass Linant’s Länge von Hartum nur um 6 ' vom zuverlässig sten bekannten Werthe abweicht.
Weder die Begleiter der Ägyptischen Expeditionen auf dem Bahr-el-abyad, noch die Missionsreisen haben brauch bare astronomische Ortsbestimmungen geliefert. (Über Knoblecher’s Positionen siehe die sehr richtige Bemerkung Hassenstein’s im Mémoire zur 10-Blattkarte von Inner-Afrika, Geograph. Mitth., Ergänzbd. II, S. 30.)
Die Deutsche Expedition nach Ost-Afrika und die sich anschliessenden Reisen v. Heuglin’s haben einige Bestim mungen ergeben, von denen jedoch nur die durch Kinzelbach gefundene Position von Hartum (Geogr. Mitth., Er gänz.-Heft 13, 8. 28) zuverlässig ist. Herr v. Heuglin hat die Breite von Suq Abu Sin (ebendaselbst, 8. 46, und y. Heuglin, Reise nach Abessinien &c., 8. 438), von Wadi-Selai und der Sobat-Mündung zu bestimmen gesucht (Geogr. Mitth., Ergänzbd. II, 8. 150 u. 151; Heuglin, Reise in das Gebiet des Weissen Nil, 8. 69; die Elemente der letz teren Bestimmung auch in Steudner’s Reisebericht, Zeitschr. für allg. Erdkunde, N. F. XVII, 8. 94). Seine Bemühun gen, die Breite aus correspondirenden Sonnenhöhen, also aus Sonnenhöhen ausserhalb des Meridians, abzuleiten, führen jedoch in so niederen Breiten, zumal in Jahreszeiten, wo die Sonne nahe beim Zenith culminirt, nur zu unsicheren Resultaten. Die Breite von Suq-Abu-Sin ist wohl um 3 ' zu hoch ausgefallen. Die Beobachtungen an der Sobat-Mündung beziehen sich auf den oberen Sonnenrand, nicht wie in der ersten Mittheilung derselben steht, auf den unteren, und geben demgemäss nicht das von Herrn Bruhns gefundene Resultat, sondern die Breite = 9° 29,2'. Eine ähnliche Beobachtungsreihe, die Herr v. Heuglin auf der Rückkehr vom Bahr-el-gazâl am 7. März 1864 an der Sobat-Mündung angestellt hatte und die bisher noch nicht veröffentlicht, noch berechnet worden war, ergab mir die Breite = 9° 16,s'. Das Mittel aus beiden 9° 23' weicht nur um 2 ' von der Speke’schen und um 1 ' von der Pruyssenaere’schen Bestimmung ab. — Die Meridianhöhe der Sonne zu Wadi-Selai ist auch auf den oberen Sonnen rand zu beziehen und giebt dann die Breite =14° 25,4х, während sie nach Pruyssenaere 14° 32' beträgt. Herr v. Heuglin bezeichnete mir indessen seine bezügliche Beob achtung schon wegen des fast die Leistungsfähigkeit des Sextanten erschöpfenden grossen Winkels als unsicher. — 3 Sätze von Beobachtungen äusser dem Meridian, zu denen die correspondirenden fehlen, angestellt zu Wohni, Matama und Doqa habe ich wegen der oben erwähnten Unsicher heit, zu der sich hier noch die ungenügende Zeitbestimmung gesellt, unberech.net gelassen; zumal die Breite von Doqa durch de Pruyssenaere ziemlich sicher bestimmt ist.
Petherick hat auf seiner Reise von 1862 mehrere astro nomische Bestimmungen gemacht („Journ. of the R. Geogr. Soc.”, Bd. 35, p. 298; „Geogr. Mitth.”, 1866, 8. 178), von denen die Breiten von Hartüm, Abu Kuka (= 6° 54 ' 35") und Gondokoro brauchbar sind, insofern erstere und letztere mit anderen Messungen, die mittlere mit dem Resultat der Flussaufnahme gut harmoniren. Seine Breite der Gazal-Mündung ist aber jedenfalls um y2° zu niedrig und desshalb auch deren Länge bedenklich und augenscheinlich zu westlich. Die Länge von Abu Kuka dagegen verdient Vertrauen.
Die ersten durchaus zuverlässigen Ortsbestimmungen längs dem Weissen Nil, die bekannt wurden, sind die 7 von