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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 31 IX. Über die Grundlagen der Karte. Die Karte vom mittleren Ost-Sudan beruht in ihrer Construktion auf Grundlagen von sehr verschiedenem Werthe. Äusser de Pruyssenaere’s Aufnahmen sind dazu alle bisher veröffentlichten Reiseberichte und Karten über das dar­ gestellte Gebiet, soweit sie mir irgend zugänglich waren, ausgebeutet worden, so wie verschiedene, unten näher zu bezeichnende, noch unpublicirte Aufnahmen. Da die neue Karte selbst in der gegenseitigen Lage der Hauptpunkte und dem Laufe der altbekannten beiden Nile erhebliche Abweichungen von allen bisherigen Darstellungen bietet, so muss ein kritischer Überblick über die bisher maassgebend gewesenen astronomischen und Itinerar-Bestimmungen in unserem Gebiete und über diejenigen neueren, die mit Pruyssenaere’s Messungen zusammen die neue Darstellung begründen, vorausgeschickt werden.

Die ältesten hier in Betracht kommenden astronomischen Ortsbestimmungen rühren von J. Bruce her, welcher auf seiner abenteuerlichen Rückreise aus Abessinien, wo er die Lage der Quellen des Blauen Nil bestimmt hatte, im Jahre 1772 mehrere Positionen, theilweis unter schwierigen äusse­ ren Umständen festlegte. Von diesen fallen folgende in den Rahmen unserer Karte: Hör Qaqamüt in Qalabat 13° 1'33 * N. Br. Tiyäwa in Qedaref 14° 2' 4" N.Br. Gebel Bêla 13° 42' 4* N.Br. Sennär, Stadt Arbagi Halfaya 13° 34'36 * N.Br.33o 14° 30' N.Br. 15° 45'54 * N.Br. 32°49'Ö.L. v. Gr. Bruce hat das Schicksal gehabt, dass seine Angaben im Anfang vielfach angezweifelt worden sind, dass sie aber später fast überall, wo sie durch zuverlässige neuere Reisende geprüft worden sind, sich als richtig und für jene Zeit überraschend genau herausgestellt haben. Meine Unter­ suchungen über die obigen Positionen haben namentlich bezüglich der Breiten ganz ähnlichen Erfolg gehabt. Die Breiten von Tiyäwa und Bêla werden durch Pruyssenaere’s Bestimmungen glänzend bestätigt, die von Hör Qaqamüt stimmt sehr gut mit der Lage, die diesem Hör durch die besten Itinerarien angewiesen wird. Was endlich Sennär betrifft, so ist mir kein Zweifel geblieben, dass auch hier die Breite bis auf wenigstens x\-1* genau beobachtet ist; nur lag zu Bruce’s Zeit der Haupttheil der Stadt viel süd­ licher als jetzt, auf dem heutzutage mit Ruinen und kleinen Dörfern bedeckten Raume gegen Kadra hin. Diese geht deutlich genug hervor aus Bruce’s Angabe (Reise zur Entdeckung der Nilquellen, VIII. Buch, am Schlüsse des 7. Kap.), dass Sennär 2 ’/2 Engi. Meilen südsüdwestlich von Bagbag liege, welches dem nördlichen Theile der heutigen Stadt gerade gegenüber liegt. — Die Position von Halfaya ist 1' nördlicher als die 50 Jahre später von Cailliaud be­ stimmte. Das heutige Halfaya liegt aber wohl um 2 ' süd­ licher, wenigstens versicherte mich Hr. von Heuglin brief­ lich, dass es von Qubbet-Hogeli bis Halfaya höchstens 3 Stun­ den sei, während Lejean’s Angabe (Voyage aux deux Nils, p. 106) sogar nur 2 Stunden (vielleicht Schifffahrtszeit?) beträgt. Meine Karte giebt 5 */ 2 Ml. (60 = 1°) als Ent­ fernung zwischen Hartum und Halfaya, in Übereinstim­ mung mit Cailliaud’s Itinerar zwischen Halfaya und Ommderman (Voyage à Méroe et au Fleuve Blanc, IV, 226). — Wenn somit Bruce’s Breitebestimmungen sich bewähren, so oft sie mit neueren verglichen werden können, so lässt sich aus der von ihm gegebenen Breite von Arbagi schlies­ sen, dass diese Stadt nicht an der Stelle gelegen haben kann, wohin sie Steudner (Zeitschr. für aligero. Erdkunde, Bd. 17, S. 64) und von Heuglin (Reise nach Abessinien, 1861/62, S. 451) Hansal’s Vorgang (Fortsetzung der Briefe aus Hartùm, S. 116) folgend, verlegen, nämlich in die grosse Nilbiegung Rufa» gegenüber, sondern nordwestlich von Mesalamia, wo sie Marno (Reisen im Gebiete des Blauen und Weissen Nil, S. 140) gefunden und auf seiner Karte (hier noch etwas zu nahe bei Mesalamia) niedergelegt hat, womit auch Bruce’s Entfernungsangabe von Wold-abu-funi > stimmt. Schon Russegger hat übrigens aus Bruce’s Reise­ bericht die richtigere Lage von Arbagi herausgelesen und gegen Cailliaud aufrecht erhalten (Russegger’s Reisen in Europa, Asien und Afrika, Bd. II, 2. Theil, S. 449.)

Die Reisenden Cailliaud und Letorzec, welche zunächst auf Bruce folgten, haben eine grosse Reihe von Ortsbestim­ mungen gemacht, von denen 11 in unser Gebiet fallen. Obwohl das Detail der Beobachtungen nicht bekannt ge­ worden ist, so verdienen sie doch grosses Vertrauen, weil Letorzec Astronom von Fach und Cailliaud ein geübter und höchst sorgfältiger Beobachter war, dessen Bestimmungen durch neuere Reisende fast überall volle Bestätigung fanden. Auch mit de Pruyssenaere’s Breiten stimmen die Cailliaud’s überein, wo eine Vergleichung möglich ist. Seine Länge von Sennär war bis zum Jahre 1870 jedenfalls die zuverlässigste Längenbestimmung im ganzen Gebiete, weil sie auf 13 Rei­ hen von Distanzen zwischen Sonne und Mond, theils öst­ lichen, theils westlichen beruht, wie Cailliaud ausdrücklich angiebt (Voyage &c. III, p. 342). Diese Position ist des­ halb auch bei der Construktion der Karte zu Grunde gelegt worden. — Äusser Sennär sind noch Längenbestimmungen gemacht in Halfaya, El-qerebin und am Tumät bei Gebel-Aqaro. Nur von letzterer Position erfährt man, dass sie das Mittel aus 4 Reihen von Monddistanzen ist. Diese 3 Längenbestimmungen hat indessen Cailliaud bei der Be­ rechnung seines Itinerars nicht benutzt (s. Voyage &c. IV, 225, 248, 256); wohl aber hat er in seiner Karte die beiden ersteren Orte danach eingetragen, für den dritten jedoch die östliche Länge um 3 ' vermindert, wiewohl sie das Itinerar noch um 10' östlicher ergiebt, als die Mond­ distanzen. Ich will gleich hinzufügen, dass meine Con­ struktion die Lage dieses Punktes mit Cailliaud’s Itinerarbestimmung übereinstimmend ergeben hat, die Lage von El-qerebin dagegen noch 6 ' östlicher als sein Itinerar, also 12' östlicher als seine astronomische Bestimmung, von der im Text (II, 349) nur das Resultat mitgetheilt ist, während Cailliaud sonst fast immer die Anzahl der „calculs” angiebt, woraus man wohl schliessen darf, dass es nur aus einem oder zwei Beobachtungssätzen abgeleitet ist. Im Positionenverzeichniss (III, 344 ff.) ist El-qerebin ausgelassen, da­ gegen findet sich hier eine Position für Aqadi, die im Text nicht erwähnt ist. Von dieser Breitenbestimmung hat aber Cailliaud weder bei der Berechnung des Itinerars, noch in der Karte Gebrauch gemacht, offenbar weil sie mit ersterem und der vorhergehenden und darauffolgenden Breitenbestim­

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