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30 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
Viele zerwühlte und zerfressene Stämme oder Geäste von durch die Termiten allmählich gefällten Bäumen bedecken mit ihren barock erscheinenden knorrigen Resten weithin den Steppenboden. Auch Nester von Baumtermiten glaube ich hier und da gesehen zu haben. Adanson’s Biene, nebst der Ägyptischen (Apis fasciata) wohl nur eine "klima tische Abart unserer gemeinen Hausbiene, baut wilde Nester, deren zum Theil ausgezeichnetes Honigprodukt von den Fung in Kalebassen, Töpfen und Flaschen gesammelt wird, während das Wachs einen Ausfuhrartikel von hier nur geringer Bedeutung bildet. Wundern sollte es nicht, wenn sich eine mir 1872 von F. Binder gegebene Notiz, die süd lichen Burün hingen Körbe für die Ansiedelung wilder Bienenschwärme in die Adansonien, Sterculien, Tamarinden und Ficus, später bewahrheiten sollte. — Holzwespen (Xylocopa) sind auch hier gemein, darunter die blau violette JC. violacea, auch X. aestuans. — Eumenes und Mutillen, leben zerstreut. Ein grosser stahlblauer Hautflügler (Pronaeus instabilis?) streicht Tag aus Tag ein mit knarrenden und knackenden Lauten niedrigen Fluges rasend schnell über die schönen blumigen Wald wiesen dahin. — Die Moskitos scheinen hier nicht so schlimm wie ganz in der Nähe der Flüsse zu sein. Federmückenlarven schlängeln sich mit ihren von bekrallten Fussstummeln gehaltenen, aus Moosfäden und Diatomeen zusammengeballten Röhren in allen stehenden Gewässern, selbst von noch so geringer räumlicher Aus dehnung. An lästigen Fliegen ist kein Mangel. Grosse Bremsen (Tabanus) beunruhigen, an Grashalmen und Sträuchern längs der spärlichen Pfade lauernd, die Hausthiere ungemein.
Während der Regenzeit wird viel von einer berüchtigten Fliege geredet, welche man Surrita oder Sorrćta nennt. Der Eingeborene erzählt schlimme Dinge von dem Stich dieses Zweiflüglers, bringt aber dem wissbegierigen Forscher unter obigem Namen allerhand Dasselfliegen, Bremsen &c., nicht aber die ächte Tsetse (Glossinia morsitans), wie sie Schreiber dieses durch E. Mohr in so schönen Exemplaren von den Victoriafällen des Zambezi erhalten hat. E. Marno bekam unter dem Namen Surrêta eine Pangonia - Art (?) (Marno, Reisen im Gebiete des Blauen und Weissen Nil, S. 282.) Berichterstatter bemerkte bereits in seinem 1863 erschienenen Reise werke: „So scheinen denn Viehseuchen, die sich z. B. in Sennar zur Zeit des Harif (Regenzeit) einstellen, in südlicheren Regionen jedoch in gewissen Land schaften zu jeder Jahreszeit grassiren, Veranlassung zur Annahme der unbedingt tödtlichen Wirkung des Tsetse-Stiches gegeben zu haben. Wir sind daher geneigt, letzte ren nur als zufälliges, nebensächliches Vorkommniss, viel leicht höchstens als beschleunigendes Moment bei durch Seuchen &c. veranlasstem Viehsterben anzusehen &c.” (Hartmann, Die Reise des Frhrn. v. Barnim nach Nord ost-Afrika, Zusätze S. 45). Marno bemerkte elf Jahre später (1. c. S. 285): „Gewisse Gegenden Afrika’s bieten das ganze Jahr hindurch oder nur im Harif den nicht ein heimischen Hausthieren nicht die zum Gedeihen nöthigen klimatischen Bedingungen. Diese erliegen dann massenhaft seuchenähnlichen Erscheinungen, während ihr Untergang von den Eingeborenen der Tsetse oder Surrêta zugeschrie ben wird, die in der That nur als ein, vielleicht sogar untergeordneter Faktor dieser Erscheinungen zu betrachten ist &c.”
Auch Tausendfüsse sind nicht selten. Riesige in ähn lichen Formen am Gabun, Congo und in Loango auftretende Julus- Arten finden sich im Schutt, namentlich von Lehm bauten, an Waldwegen &c. Das hübsch gefärbte Strongylosoma Hartmanni, vom Berichterstatter übrigens nicht häufig gesehen, gehört zu einer Abtheilung, welche sehr kosmopolitisch ist und sich durch einen dünnen Halstheil auszeichnet. Lithobius, Polydesmus und Scolopendra sind ebenfalls reich vertreten. Es soll auch sehr giftige Scolopendren geben, jedoch kennt Referent dergleichen nur vom Hörensagen. Überaus zahlreich sind die Spinnenthiere. Unter den Scorpionen sind hier die häufigsten Ehrenberg’s Androctonus quinquestriatus, ferner auch A. tunetanus. Selbst Buthus-Arten kommen vor. Die riesige Solifuge Galeodes araneoides, Abu-Sabbat der Araber, schreckt mehr durch ihre haarige Erscheinung, als durch die Wirkung ihrer übrigens von kräftigen Kieferfüssen ausgetheilten Bisse. Taranteln, nicht selten von beträchtlicher Grösse, bewohnen Hütten, Schutt &c. Hüpfspinnen finden sich an jeder Örtlichkeit. — Unter den Milbenarten verursacht das erbsengrosse, prächtig scharlachrothe, sammtartig be haarte Trombidium Unctorium Erstaunen durch sein sehr häufiges Vorkommen auf vegetationslosen Stellen des fetteren Erdreichs nach stattgehabten Regengüssen. Schmarotzer milben haften an allen nur denkbaren Wirbelthiercn dieser Gegend in Menge. Schnellrudernde Wassermilben (77ydrachnaê) tummeln sich neben Wasserspinnen (Argyronectae) in grösseren stehenden, auch leichteren Zu- und Abfluss habenden, aber ruhig strömenden Gewässern. Q-irdän oder Zecken (Ixodidae) sind hier eine entschiedene Landplage. Berichterstatter fand alle gebräuchlichen Hausthiere, aber auch Leojfarden, Hyänen, selbst Amphibien, wie Warn eidechsen und Chamäleonen, von zum Theil sehr grossen Formen bedeckt. Eine mit prächtig metallisch-grüner Zeich nung versehene Art lebt in den Hautfalten der Nashörner. Madenhacker (Buphaga) begründen nebst vielen anderen Insekten fressenden Vögeln (Bienenfressern, Krähen, Ptilostomen) ihre Thätigkeit hauptsächlich darauf, dass sie Säugethieyen die auf ihnen schmarotzenden Ixodiden u. a. Insek ten ablesen.
Die Krebsthiere, Räderthiere, die Würmer und Infusorien dieses Gebietes sind, abgesehen von einigen durch Ref. gesammelten Specimina noch äusserst wenig bekannt. Besser weiss man schon mit den Mollusken dieser Gegend Bescheid, namentlich durch die gediegenen Arbeiten E. v. Martens’ und Jickely’s über diesen Gegenstand. Um die Regen tümpel her findet man grosse Schalen der Ampullaria ovata var., desgl. den Lanistes carinatus. Citrina sennariensis und Helix - Arten sind nicht häufig. Dagegen erkennt man überall am Boden zwischen Gebüsch und Baumgeäst hübsch gefärbte Achatinen (z. B. Achatina Cailliaudi, A. sennariensis var. Hartmanni). Auch Clausilien (Clausilia sennariensis) kommen vor. In Gewässern leben Paludina bulimoides. Bithynia sennariensis, Physa-Arten. Die Nilauster Aetheria Cailliaudi), deren klumpenweise zusammengewachsenen Schalen im Blauen und Weissen Nil mächtige Barren bilden, lebt hier nur vereinzelt. Vielleicht sind ihre Schalen nur verschleppt (?). Spatha Hartmanni und Sp. nilotica sind so gut Bewohner der Regenteiche wie auch Unio niloticus, U. Cailliaudi und Cyrena pusilla.