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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 29 haben allermeist aufrecht stehende Ohren, isabellgelbe bis röthlichbraune Farbe und glattes Haar. Merkwürdigerweise fügt Pruyssenaere express hinzu, diese Thiere bellten. Wahr scheinlich hat er geglaubt, letztere Eigenschaft gehe unter den Tropen verloren. Allein man weiss jetzt, dass diess nur in sehr wenigen Ausnahmefällen vorkommt.
Die Schafe sind hier von verschiedener Race. Eine der selben erinnert durch ihre Kopfform, ihre braune Farbe und einen weissen Seitentieck an den Mouflon (Ovis musimon). — Die Giraffen werden erwähnt. — Man züchtet hier auch kleine Hühner.
Nach den vom Referenten veranstalteten Erkundigungen und während vieler Jahre erworbenen Sammlungen finden sich hier überhaupt folgende charakteristischen Thierformen.
1. Affen : Meerkatzen (Cercopithecos griseoviridis, pyrrhonotos), Paviane (Cynocephalus Anubis, C. Thoth ff)), Guriêsa’s oder Stummelaffen ( Colobus Guereza). 2. Halbaffen: Der Tenn oder Galago (Otolicnus senegalensis). 3. Fleder mäuse in grosser Zahl. 4. Katzen : Äusser den oben er wähnten noch Löwen, Geparden (Felis jubata) und Karakal oder Rothluchse (F. caracal). 5. Hyänen: Die gefleckte Hyäne (Hyaena crocuta). 6. Hunde: Gemalter Hund (Canis pictus), Wolf (C, lupaster), Fuchs (C. niloticus), Schakal (C. aureus), Grossohr (Megalotis famelicus). 7. Viverren: Civetten (Viverra civetta), Genetten (s. oben), Zebra-Ichneu mon (Herpestes fasciatus) u. a. Arten. 8. Marder: Der Bandiltis ( Rhabdogale mustelina), der Honigdachs (Ratelus capensis). 9. Insektenfresser: Mehrere Arten Igel und Spitz mäuse. 10. Nagethiere in grösserer Zahl, namentlich Band mäuse (Golunda pulchella), Eichhörnchen, Stachelmäuse (Acomys), Rennmäuse (Meriones) und Springmäuse (Dipus), Stachelschweine (Hystrix), Hasen (Вергів aethiopicus). 11. Wenigzähnige: Erdferkel ( Orycteropus aethiopicus) und Schuppenthiere (Manis Temminckü). 12. Wiederkäuer: Unter den Antilopen besonders hervorzuheben der Kudu ( Strepsiceros Kudu), der Weissohrbock (Kobus leucotis), der Korrigum (Damalis senegalensis), die Pferdeantilope (Hippotragus leucophaeus, II. Baleri synonj, das gebänderte Gnu (Catoblepas Gorgon), das Hartebeest (Acronotus Caama), der Têtal (A. bubalis, A. Tora syn.), die Säbelautilope (Oryx leucoryx), die Mendesantilope (Addax nasomaculatus), der geschirrte Bock (Tragelaphus scriptus) &c. Ferner Wildbüffel (Bubalus caffer), Giraffen. 13. Dickhäuter: Das Sennarschwein (Sus sennariensis), Wildschwein (Sus scropha ferus), Warzenschwein (Phacochoerus Aeliani), Flusspferd, Elephant, das weisse Nashorn (Rhinoceros simus), das schwarze Nashorn (R. africanus), Klippschliefer (Hyrax). Pferde: Zebra (Equus Zebra) und Burchell’s Zebra (E.Burchellii). An Vögeln kommen die zur Sennärischen Ornis gehörigen vor. — Die Reptilien sind noch nicht genauer bekannt, indessen weiss man von Riesenschlangen (Python Sebae), Puffottern (Echidna Clotho, E. arietans), Cleopatraschlangen (Naja ha je), Sandvipern (Echis carenata), Hornvipern (Cerastes cornuta), von Riesenschildkröten {Testudo tabulata), Gehafien (Pentonyx Gehafie) &c., von Pantherkröten (Bufo pantherinus), Ladenbläsern (Cystignathus), Büchsenköpfen (Pyxicephalus) u. A. — Unter den Fischen sind merkwürdig die auch im Trocknen ausdauernden Wels arten (z. B. Claratis) und der Doppelathmer (Protopterus aethiopicus) hervorzuheben. — Die Insektenwelt ist in diesem Gebiet durch recht charakteristische Formen vertreten. Die grotesken Büsche des »Usar (Calotropis procera) sind mit gefrässigen zierlich punktirten Heuschrecken (Poecilocera Calotropidis) bedeckt. Unseren Wanderheuschrecken ähn liche grosse Geradflügler (Acridium peregrinum) unternehmen zuweilen von den Steppen aus verderbliche Züge land einwärts. Erzählungen der Eingeborenen von jeder Be schreibung spottenden, das Binnenland Sennär’s manchmal in schrecklich verheerenderWeise heimsuchenden Heuschrecken flügen beziehen sich zweifelsohne auf die eben genannte Art. — An Bäumen und Sträuchern bemerkt man grosse Mantiden in der bekannten zum Zugreifen gerüsteten Auf rechtstellung ihres Vorderkörpers, während im Steppengestrüpp Naseuschrecken (Truxalis, z. B. T. obsoleta) umherbüpfen. Das forschende Auge vermag nur mühselig die abenteuer lichen Stabschrecken (Bacillus) von den mit ihnen täuschende Ähnlichkeit zeigenden dürren Reisern der Acacieu und anderen Bäume zu unterscheiden. Uber lichte Stellen der Grassteppe zieht eine träge dornige und borstige Schabe (Heterogamia ursina) ihre langweiligen Zickzackfurchen in den Sand, welche zuweilen von denen irgend eines Mit gliedes der artenreichen Käferfamilie der Pimelien gekreuzt werden. In dichten Grasbüscheln und Stauden verursacht an schwülen Abenden das Heimchen (Gryllus capensis) einen Höllenlärm, während andere Arten in den Strohhäusern der Eingeborenen musiciren. Den Gramineen setzen auch hier kleine Maulwurfsgrillen (Gryllotalpa africana) in böser Art zu. Libellen spielen über den Regenteichen. In den Blüthen des Hegelig (Balanites aegyptiaca) zeigt sich ein schön scharlach und schwärzlich gefärbter Blasenfuss (Thrips). Der Steppensand lässt auch hier sehr häufig die manchmal dichtgesäeten Trichtergrübchen der Ameisenlöwen erkennen, deren ausgebildete Individuen Abends in zum Theil grossen, ungemein zierlich beflügelten Formen umherschwirren. Die leicht beschwingten Goldaugen (Chrysopa) sind ebenso wie die Ameisenlöwen und mancherlei zarten Dipteren eine häufige Beute sehr gieriger überall umherstöbernder und lauernder Ameisen (Formica maculata), welche letzteren selbst auch die Stammbasen des Afrikanischen Baumgiganten der Homra oder Imbondeira (Adansonia digitata) für An legung ihrer subterranen Bauten auswählen. Stachelameisen (Ponerae) führen einen nie ruhenden Krieg mit den licht scheuen Termiten, welche sie in wohlgeordneten Schlacht reihen, Plänkler voran, die Soutiens mit Bedacht nachrückend, angreifen und in erbarmungsloser Weise abstechen und von dannen schleppen. Die durch den Ponerenstachel gelähmte Termite lebt zwar noch, ist aber schlapp und zu keiner Bewegung mehr fähig. Viele Termiten bauen nur in der Erde, andere hier zu Lande, z. B. Termes destructor, errichten hohe Dombauten manchmal dicht neben den Wohnungen der Eingeborenen, welche in ihrer Indolenz solcher Zudring lichkeit der »Arda oder Erdgräberin, wie sie das verderb liche Insekt zu nennen pflegen, kaum einmal ernstlich zu wehren suchen. Die krümeligen aus Lehmerde und Speichel zusammengefügten Laufröhren der Termiten überziehen nicht nur den Steppen- und Waldboden, sondern auch die Wände, Dächer und Gebälke der Menschenwohnungen, deren Ver nichtung zwar langsam, aber um so sicherer betrieben wird.