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28 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

die Zauberer auch gewisse Handlungen vor, die in das Gebiet des thierischen Magnetismus und seiner physio­ logischen Wirkungen zu rechnen sind. Viele derselben wenden nämlich bei Krankheiten als Heilmittel magnetische Striche in ganz ähnlicher Weise an, wie die Faqih und wie es in Europa eine Zeit lang im Schwünge war. Diese Charlatane wissen ihre Künste äusserst vortheilhaft zu verwerthen. Ich habe einen gekannt, welcher mit Hülfe einer grossen Geschicklichkeit im Bauchreden der reichste und an­ gesehenste Kic-Häuptling geworden ist. Derselbe liess aus einem Käfig die Stimmen von wilden Thieren, Löwen und Hyänen hervorschallen, die er durch seine Zaubergewalt als Hüter seiner Wohnung darin ein geschlossen zu haben vorgab, jederzeit bereit, sie auf seine Feinde loszulassen. Bald ist es die Stimme seines Familien-Dämons, die aus der leeren Wohnung heraus erklingt und das Geschenk eines Ochsen oder einer Ziege fordert. Dieser Zauberer, Kirgok mit Namen, flosst allen Kiò und bis zu den Eliab und den Atwot hin einen unglaublichen Schrecken ein ; von allen Seiten führt man ihm Ochsen als Geschenke zu, so dass er die zahlreichsten Heerden der Gegend be­ sitzt. — Ein Anderer bei den Tuie von Elwas hat einen zahmen Löwen und 4 dicke Schlangen, die schlafend vor seiner Thür liegen und den Eingang hüten; lauter Dinge, die sich die Neger nur durch Zauberei erklären können. Äusser diesen grossen Zauberern giebt es noch eine Menge niederen Ranges, die man bis in die kleinsten Dörfer trifft. Auch von diesen glaubt man, dass sie Regen machen oder verhindern könnten, wilde Thiere von den Ernten abhalten, die Geschicke lenken, Krankheiten heilen, die Zukunft Vor­ hersagen &c. und sie finden immer Leute, die sich an­ führen lassen und auf deren Unkosten sie leben; aber sie begegnen auch vielen Zweiflern, die sie verhöhnen, und geniessen nur geringen Einfluss und wenig Achtung.

Die vernehmlichsten Zauberer sind im Allgemeinen klug genug, in Gegenwart von Europäern nicht allzuviel von ihrer geheimen Wissenschaft zu sprechen, nur die niederen Ranges sind manchmal unverschämt genug, mit ihren Mummereien sich herbeizudrängen. Aber auch sie wissen wohl, dass sie sich bei den Berberinern mehr erlauben können, von denen die meisten eben so abergläubisch wie die Neger sind. Als die Bör die Leute von Ibrahim Bas mit beträchtlichem Verlust in die Flucht jagten, waren diese überzeugt, dass die Zauberer ihre Gewehre behext hätten.

Wenn bei uns in Agorbar ein Hammel geschlachtet wurde, besprengte der Kugur der Bor unsere Toqül mit dem Inhalt des Magens und der Eingeweide. — Beim Tode eines Menschen tödtet man einen Hammel, um den bösen Geist zu verjagen, aus Furcht, dass er noch einen Anderen tödte. Die Verwandten setzen sich auf das Opfer bis es erstickt, dann schneidet ihm der Kugür die Kehle durch und nimmt von Rechts wegen das beste Stück für sich.

Anhang.

VIII. Bemerkungen über die Thierwelt der zwischen Bahr-el-azraq und Sôbât belogenen Gebiete von Robert Hartmann.

Pruyssenaere giebt über diese Gebiete nur einige zer­ streute , mit Bleistift flüchtig aufgeschriebene zoologische Notizen. Will man diese entziffern, so muss man vielfach zwischen den Zeilen lesen und manchmal combiniren. Der Reisende verräth zwar nicht in diesen und in seinen übrigen zoologischen Bemerkungen den geschulten Fachmann, wohl aber den geschickten Beobachter, welchem selbst die Erscheinungen des Variirens Stoff" żur Beurtheilung gegeben haben. Er steht in dieser Hinsicht über manchem seiner in dem antiquirten Firlefanz der pedantischen Artsonderung befangenen Vorgänger. Der Reisende erwähnt unter an­ derem dreier Formen von Genettkatzen. Die von ihm ge­ meine G. genannte entspricht in der That nach seiner Be­ schreibung dieser systematischen Benennung, der Viverra Genetta Linnd’s. Eine andere Form ist deutlich genug charakterisirt, um in ihr die Abessinische Genettkatze (Viverra abyssinica) erkennen zu lassen. Eine dritte, an­ geblich graugelbe, gelb überlaufene, mit grossen schwarzen Flecken gezeichnete ist unsicher, vielleicht nur individuelle A aviation der letztgenannten. Pruyssenaere beschreibt ein unvollständiges, im kopflosen Rumpf 81, im Schwanz 40 cm. langes Fell, dessen Färbung und Haarbeschaffenheit Refe­ renten an die sogenannte Zibeth-Hyäne (Proteles Lalandii) denken lassen. Das Vorkommen dieses früher nur aus Süd-Afrika bekannt gewesenen Thieres in den Küstengebieten des Rothen Meeres ist jetzt-'sicher gestellt, das Vorkommen desselben auch in Inner-Afrika aber sehr wahrscheinlich gemacht. — Unser Reisender führt den Sumpfluchs (Pelis chaus), den Serval (Pelis serval), den Stiefelluchs (Felis caligata) und die Kafferkatze (Pelis caffra) als Bewohner dieser Distrikte auf.

Er bemerkt ferner, dass die Untersuchung der Pantheroder Leopardenfelle kein gutes Material für die Unter­ scheidung zweier oder mehrerer Arten dieser Thiere abgeben könne. Denn wenn man die Grösse, die Länge des Schwan­ zes, die Grundfarbe und Zahl der Flecke in’s Auge fasse, so sehe man doch eine Anzahl intermediärer, zwischen den extremen Bildungen die Verbindung herstellender Individuen. Trotzdem sei nicht zu verkennen, dass in manchen Gegen­ den die Pantherfelle ihre Eigenthümlichkeiten gegenüber den aus anderen Gebieten stammenden darböten. So zeigten sich diejenigen von den Nuer gross, glänzend gelb von Farbe und mit 8 Längsreihen von Flecken geziert. Die­ jenigen aus Darfur und Täkla seien dagegen kleiner, inten­ siver gelb gefärbt und nur mit 6 Fleckenreihen versehen. Die Niam-niam-Felle seien grösser als die von den Nuêr kommenden, im Rumpf 140 cm., im Schwanz 85 cm. lang, blassgelb, gegen den Rücken, Nacken und Kopf hin gelber, mit 9 Reihen Rosetten, 4 Reihen Vollflecken. Der gelbe Schwanz sei oben gelb mit schwarzen Binden, die gegen die schwarze Spitze hin immer breiter würden und immer dichter zusammenrückten. Unten aber sei dieser Theil weiss mit grossen schwarzen Flecken.

Die Hunde dieser Gegend sind sämmtlich Windhunde,

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