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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 27 schwätzigkeit, die an das Gackern eines Vogels erinnert. Die Weisen sind meistens dieselben, die Worte wechseln häufiger und sind oft improvisirt. Sie sind gereimt und haben einen Refrain, der oft die Nachahmung eines Thier schreies ist. — Der Tanz der Männer ist meistens eine pantomimische Darstellung eines Zweikampfes, eines Gefechts, der Jagd, der Geberden eines wilden Thieres und wird von Ausrufen begleitet — oft auch einfache Sprünge von sonder baren Geberden begleitet. Der Tanz, den die Frauen zum Vergnügen aufführen, ist eine Reihe von derben Sprüngen in der Runde; zum Tanz bekleiden sich auch die Mädchen.
Männer und Frauen tanzen unter Gesang und Tambourin klang namentlich zur Zeit des Überflusses nach der Ernte, und dieser Tanz dauert oft bis spät in die Nacht hinein. Das ganze Dorf, oft auch 2—3 zusammen, betheiligen sich daran. Die Begleitung dieser Tänze unterscheidet sich von ihrer übrigen Musik durch einen phantastischen Charakter, der eine gute Wirkung macht, wenn viele Stimmen singen.
6) Besondere Gebräuche und Gewohnheiten 8çc. Dem Fremden fällt zunächst am meisten die Gewohn heit dieser Neger auf, auf einem Bein zu stehen, worin sie eine erstaunliche Ausdauer besitzen; das ruhende Bein wird dabei mit der Fusssohle auf die Vorderfläche des Schenkels des Standbeines, dicht über dem Knie gesetzt. Die gewöhn liche Ruhestellung ist ein zusammengekauertes Hocken.
Die Kic haben eine ziemliche Anzahl von Begrüssungs und Höflichkeitsformeln. Sic begrüssen sich durch: Yin acanin, oder acinkëdë, giebt’s Neues? Beim Abschied: Ganabile, Lok; der Besuchte begleitet den scheidenden Be sucher einige Schritte und sagt dann Lor o, Jener ant wortet Don о ’)• Einem in die Hand zu spucken, ist ein Zeichen von Ehrerbietung, von Dank, von Befriedigung, z. B. um aus zudrücken, dass ein Kauf abgeschlossen ist. Auf den Kopf zu speien, ist die Handlungsweise einer hochgestellten Per sönlichkeit. Auf eine Wunde zu speien, gilt als heilkräftig; es gehört zu den Hauptmitteln der Zauberer. — Auffallend und an Abessinische Gebräuche erinnernd ist das V orrecht der Häuptlinge und Vornehmen, neben sich ein Individuum zu haben, welches wie ein Echo Wort für Wort ihre Unterhaltung wiederholt; so wie der Gebrauch, dass Ge ringere vor Höheren, wenn diese etwas zu ihnen reden, was keiner Antwort bedarf, das Gesagte oder wenigstens den letzten Satz wiederholen.
7) Glauben und Aberglauben.
Alle Denqa glauben an die Existenz einer Gottheit, die sie Dhengdit (nicht zu verwechseln mit Dendit, was star ken Regen bedeutet) nennen. Sie widmen ihr aber weder irgend einen Kultus, noch auch fürchten, hoffen oder er bitten sie etwas von ihr. Ich glaube nicht einmal, dass die Schöpfung ihr zugeschrieben wird, denn als ich Neger fragte, ob es nicht Gott sei, der die Welt erschaffen habe, antworteten sie, dass ihre Zauberer Hyänen, Vögel und andere Thiere machen könnten. Hingegen schreiben sie ’) Siehe Näheres, namentlich über die Bedeutungen bei Kaufmann, Schilderungen aus Central-Afrika S. 132; überhaupt dienen sich diese und Pruyssenaere’s Schilderungen zur wechselseitigen Ergänzung.
einen ungeheueren Einfluss auf alle Ereignisse dieser Welt den Geistern zu (das Wort molokot bezeichnet ein über sinnliches Wesen), von denen Einer ein guter ist und den Namen Aciëk führt, während eine unbegrenzte Anzahl schlimmer existiren, die den Gattungsnamen Gok führen, von denen aber jeder einzelne seinen besonderen Namen hat und die den Negern ein unbegreifliches Entsetzen ein flössen.
Nach Herrn Kaufmann unterschieden die Denqa bei dem Menschen das denkende Wesen von der Materie und das Wort molokot würde auch auf die menschliche Seele angewandt.
Der Glaube an die Unsterblichkeit ist nicht vorhanden. Ich habe oft die Neger über diese Dinge befragt und immer zur Antwort erhalten, dass nach dem Tode Alles aus sei, und wenn ich von einem andern Leben und der Aufer stehung sprach, machten sie sich über mich lustig. Manch mal indessen baten sie mich um ein Mittel, um nicht zu sterben. Sie sind so einfältig, dass sie ihren Zauberern, die sich bisweilen für unsterblich ausgeben, aufs Wort glauben und auch wenn sie das Gegentheil sehen, ein nächstes Mal nicht weniger leichtgläubig sind. Einige Ge bräuche können aber doch als Keime eines Glaubens an die Fortdauer des Geistes betrachtet werden: dahin gehören die Beschwörungen der Zauberer, die Thieropfer auf dem Grabe, das an einigen Orten noch lange nach dem Begräbniss mit Milch begossen wird; der Glaube, dass die Schlangen die Väter seien, die kämen, ihre Nachkommen zu besuchen, weshalb ihnen Milch hingestellt wird, wenn sie in die Zeriba kommen. Alle diese Dinge sind aber todte Buch staben, Jeder hegt und pflegt sie, ohne sich die Frage nach Ursprung oder Bedeutung vorzulegen. Noch eine Menge anderen Aberglaubens herrscht, der meist mehr oder weniger an den Fetischismus erinnert; so z. B. die grob behauenen Pfähle zu beiden Seiten der Thüren einer Wohnung, die Ehrfurcht vor gewissen Thieren, vor Allem vor den Schlangen und vor einigen Vögeln (die Purpurdrossel und die schöne Alcedo cyanoptera gehören dazu und sollen Einfluss auf den Regen haben). Eine Menge anderer abergläubischer Ideen sind da und dort verbreitet, aber wegen ihrer Ver worrenheit und ihrer Veränderlichkeit ist es unmöglich, daraus allgemeinere Schlüsse auf den Gedankengang der Neger zu ziehen, die sich selbst keine Rechenschaft davon geben und kein Bedürfniss nach irgend welcher Erklärung haben. — Ich habe mich überzeugt, dass sie sich den Teufel schwarz vorstellen. Bei der Furcht vor Geistern, die bei den Negern eine so grosse Rolle spielt, gelangen diejenigen, die man im engern Verkehr mit ihnen glaubt, manchmal zu ungeheuerem Einfluss, den sie vortrefflich auszubeuten wissen. Man nennt solche Zauberer Tyet, im Arabischen Kugur, bei den Bor Bunit, welcher letztere Name, wie Herr Kaufmann glaubt, von dem Bariwort bun, jäten, Kräuter sammeln, herkomme. Man hält dieselben für allmächtig, nicht nur als Regenmacher, was bei den Negern von der grössten Wichtigkeit ist, sondern auch als Beschwörer sämmtlicher Übel, Kenner der Zukunft, Vertreiber der bösen Geister u. à. m. Man glaubt, sie wüssten und hörten Alles, auch was sich in der Entfernung zutrüge, hätten die wilden Thiere in ihrem Dienst, könnten ihren Feinden alle Übel auf den Hals schicken &c. Unabhängig von ihrer Zauberei nehmen 4*