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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 25 der Nachbarschaft der Ufer-Pflanzen, wo die Fische sich massenhaft aufzuhalten pflegen, in’s Wasser, bis er etwas getroffen hat. Die Harpune besteht aus einem langen Rohr, in dessen Ende durch eine Schnur das Stück Holz festge halten wird, in dem die Spitze befestigt ist. Ein zweiter Strick ist an diesem Holz befestigt und wird mit dem an deren Ende in der Hand gehalten, um die geschleuderte Harpune wieder zurückzuziehen. Die Fischer verschmähen aber auch nicht den Genuss von todten Fischen, wie über haupt von Thier-Cadavern ; eben so wenig die Krokodils-Eier, trotz ihres Gestanks.
Während der Überschwemmung gewährt der Fischfang auf den überschwemmten Wiesen einen eigenthümlichen An blick. Man sieht einzelne Menschen stundenlang auf einem Bein im Sumpf stehen und unter glühender Sonnenhitze un verwandt in’s Wasser blicken, um einen Fisch zu erspähen, auf den er seine Harpune schleudern will. Man legt sich unwillkürlich die Frage vor, welcher Unterschied zwischen einem solchen Menschen und einem Reiher besteht, der einige Schritte weiter genau in derselben Stellung verharrt. Auch Angeln besitzen sie, von denen sie 4 oder 5 an ihren Kahn hängen, jede mit einem Schwimmer versehen. Der Haken ist gekrümmt wie unsere Angelhaken, hat aber keinen Widerhaken. In den Hör legen sie auch manchmal Reusen in der Form spitzer, etwas ausgebauchter Kegel, aus denen die Fische nicht zurück können. Sie sind aus gespaltenem Arür gemacht.
Die Fischer jagen auch Flusspferde, die sie mit Har punen und Lanzen angreifen und dann ihrem Todeskampf überlassen. Sie folgen dann dem Strom, der den Körper fortführt, längs dem Ufer, bis das Thier todt ist und an die Oberfläche kommt. Die Fischer sind meist auch Schmiede und verfertigen sich ihre Harpunen selbst. Sie führen auch einige Arbeiten für die Baqqära aus.
Zu einem arbeitsvollen und darbenden Leben verdammt, unterdrückt und furchtsam, sind die Fischer im Allgemeinen von besserem Charakter als die Viehzüchter, die immer faul, oft hochmüthig und gewaltthätig sind. Vielleicht könnte man mit Aufwand vieler Mühe sie gewisse Arbeiten lehren und ihnen zu Spuren eines Fortschrittes verhelfen, um sie zu Menschen und Christen zu machen. Diesen Zweck haben die Missionäre von Heiligkreuz vor Augen, welche von der Fruchtlosigkeit ihrer Bemühungen bei den Viehbesitzern selbst überzeugt sind.
o. Die Schmiede (Haddadin) und ihr Handwerk.
Eine andere Kategorie der Ausgestossenen bewohnt das ganze Jahr hindurch den Wald. Sie wohnen mit ihren Familien vereinzelt und erkennen keinen Häuptling an. Sie haben ähnliche Behausungen wie die Viehzüchter und graben sich manchmal in der Nähe einen Brunnen, der von einer dichten Dornhecke geschützt wird, und haben dann während der ganzen trockenen Jahreszeit Wasser. Um ihre Wohnungen bebauen sie auch etwas Land, die übrige Zeit leben sie von Baumfrüchten und Wurzeln, so wie auch von Blättern. Sie ernähren sich auch von Raub, von im Wald verirrtem Vieh und sind ganz besonders gehasst und verachtet. Obgleich sie im Walde wohnen, bewirkt doch die Mangelhaftigkeit ihrer Waffen, verbunden mit ihrer geringen Geschicklich keit und Kühnheit, dass die Jagd keine Hülfsquelle für sie Reisen und Forschungen. I.
ist. Sehr wenige von ihnen jagen Elephanten, aber die Meisten graben rings um ihre Felder Fallgruben, die mit Zweigen und Erde bedeckt werden und in welche bisweilen einmal ein Elephant stürzt.
Sie üben sämmtlich das Schmiede-Handwerk aus, wozu sie das Eisen von den Stämmen im Innern erhalten oder auch selbst an gewissen, vom Flusse ziemlich entfernten Örtlichkeiten ausbeuten. Von dieser Beschäftigung haben sie den Namen Haddadin (im Denqa Agwön) erhalten, unter dem sie allgemein bekannt sind. Sie sind kleiner und magerer als die Viehzüchter, aber kräftiger und anstelliger. Schon von Kindheit an sind sie von überraschender Körperstärke und Beweglichkeit.
Das Erz, welches ich bei den Kiö gesehen habe, ist ein sehr zerreiblicher Braun-Eisenstein, von dem sich ziemlich beträchtliche Lager zu Tage liegend über dem ursprüngli chen Fels finden. Die Öfen sind aus Lehm in Gestalt ab gestumpfter Kegel, von etwa 4 Fuss Höhe auf РД Durch messer an der Grundfläche, gebaut und äusserlich durch hölzerne Pfosten (Seba) gestützt. Sie haben unten zwei Öffnungen, um den Wind von zwei Blasebälgen einzulassen. Ein Blasebalg ist ein irdenes Gefäss mit einem Fell bedeckt, das abwechselnd gehoben oder niedergedrückt wird. Im Centrum hat der Boden des Ofens ein Loch, welches in eine darunter gelegene, rohgewölbte Kammer mündet. Man füllt den Ofen mit abwechselnden Schichten von Ebenholz kohlen und zerriebenem Erz. Das geschmolzene Eisen läuft in die untere Kammer, wo man es, mit der Schlacke ge mischt, in Gestalt einer schwammigen Masse findet. In die sem Zustand wird es aufbewahrt, bis es bearbeitet wird. Die Bearbeitung macht es compakt und presst die Schlackentheile aus. Man erhält so aus erster Hand ein wenig reich liches, aber dehnbares Eisen von guter Qualität. Oft sieht man zwei Öfen verbunden. Wenn man nur mit kleinen Mengen Erz zu thun hat, begnügt man sich wohl auch, ein Loch in den Boden zu graben, in das ein granitischer Stein als Boden eingesetzt wird. Man bringt hierauf das Erz und bedeckt diese mit einer grossen Menge Kohlen, deren Feuer durch zwei Blasebälge angefacht wird. Das Eisen findet sich dann unter der Asche. — Beim Schmieden dient ein grosser Stein als Ambos; der Hammer ist ein Eisenklotz, die zu schmiedenden Stücke werden mit Holzstücken gefasst. Der Blasebalg ist der schon beschriebene. Sie verfertigen so Lanzen und Pfeile, aber in geringen Mengen wegen mangelnder Gewohnheit und Spärlichkeit des Metalls ; häufi ger Mallot und Hacken. — Die meisten eisernen Geräthe jedoch, die verbraucht werden, kommen vom Bahr Gazai und von den dur, wo die Erze viel verbreiteter sind; von dorther kommen die fertigen Waaren theils durch den in neren Verkehr von Stamm zu Stamm, theils durch die Händler in die Uferlandschaften des Kir. Die Haddadin schmieden auch das von den Händlern eingeführte Kupfer zu Armbändern und Ohrringen, wie sie die Schwarzen tragen.
4) Familienleben. Die Neger halten sich so viel Frauen, wie sie mögen und die Mittel haben, und wechseln darin mit der grössten Leichtigkeit. Der Gatte kauft seine Frau für eine gewisse Zahl Ochsen, die mit dem Ansehen der Familie wächst, der 4