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24 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

gar keine hat, muss bei einem reicheren Verwandten als Knecht dienen. Thut er diese nicht, so wird er ein Paria, und verlässt sein Dorf, um sich den Fischern, Jägern oder Schmieden zuzugesellen, ausgestossenen Menschen, die keinem Stamme angehören.

Bei dieser Liebe zum Vieh und der beständigen Furcht, seine Heerde sich vermindern zu sehen, lässt sich begreif­ licherweise , äusser im Falle natürlichen Todes, der Neger selten herbei, ein Thier zu schlachten Eine Kuh oder ein Kalb zu opfern, ist, glaube ich, ohne Beispiel. Wohlhabende lassen höchstens bei Gelegenheit eines ungewöhnlichen Er­ eignisses, z. B. eines Todesfalles, einmal einen Ochsen, der zu */ 5 bis V6 vom Werthe einer Kuh geschätzt zu wer­ den pflegt, schlachten. Ein solches Ereigniss veranlasst dann eine merkwürdige Schaustellung von Gefrässigkeit. Das niedergeworfene Thier wird mit Lanzenstichen getödtet, das Blut aus den Wunden wird in Qara’s gesammelt, und wenige Augenblicke später ist Alles verschwunden, theils befindet es sich in den Kochgeschirren, theils sieht man die Stücke an Lanzenspitzen in’s Feuer gehalten und alsbald mit Haut und Haaren verschlungen. Nichts bleibt übrig; die Knochen werden zerklopft und in einen Teig verwan­ delt, die Hörner und Hufe gesotten, bis sie weich werden. Der Ort, wo ein Ochse geschlachtet und verzehrt worden ist, bleibt so rein, dass nicht einmal die Fliegen angelockt werden. Die Gäste umgürten sich zum Andenken an den Schmaus den Hals mit einem schmalen Streifen Fett, wel­ ches unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen auf die Schultern herabträufelt und nicht vom Körper entfernt wird.

Den Gebrauch .der Butter kennen die Anwohner des Weissen Stromes kaum; einige Häuptlinge höchstens lassen sich solche durch Rühren von Milch in einem Gefäss machen. Die Bereitung des Käses ist ganz unbekannt. Von den Fellen wird eine Anzahl behalten und ganz gut zubereitet, um als Unterlagen zu dienen.

Die Denqa besitzen auch Schafe und Ziegen, beide mit steifen Haaren bedeckt, mit kleinen Hörnern, unscheinbar und mager. Sie haben eine kleine Anzahl Hunde von kleiner hässlicher Race, die weder zur Jagd, noch zur Be­ wachung des Hauses oder der Heerden recht taugen. Hühner oder anderes Geflügel haben sie nicht.

Die vorstehenden Schilderungen beziehen sich vorzugs­ weise auf die Lebensweise der Kiè, in deren Gog der Boden unfruchtbar ist, so dass nur in und um die Zeriben die Durra ordentlich gedeiht. Die Tuiò und die Bör sind reicher an Korn als die Kic und die Elyab. Die Röl bauen ihre Zeriben besser. Sie sind gross, rund, 12 Fuss hoch und besitzen im Innern eine runde, an den Seiten durch Pflöcke festgemachte Aufschüttung aus einer Mischung von Mist, Lehm und Asche, worauf die Toqul erbaut sind. An der Umzäunung schlingen sich Kletterpflanzen hinauf, wie grosse rothe Bohnen, Convolvulus, Bataten &c.

Der Besitz der Heerden und der Weideplätze bedingt einen Zustand unaufhörlicher Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen Stämmen, oft sogar zwischen den verschie­ denen Dörfern, die sich Beides gegenseitig streitig machen, und namentlich seitdem de Malzac das System des bewaff­ neten Vieh- und Menschen-Raubes organisirt hat, sind die Räubereien und Fehden endlos und furchtbar erbittert ge­ worden. Die gewöhnlichen Gefechte sind an sich nicht sehr verlustreich, werden es aber durch ihre Fortdauer. Es ist zu wenig Zusammenhalt vorhanden, als dass allgemeine Kriege ausbrechen könnten und es ist selten, dass sich mehrere Dörfer gegen einen gemeinsamen Feind verbänden, wie diess in den ersten Kriegen gegen die Europäer der Fall war, wenn man nicht einem mächtigen Feind wider­ stehen muss, von dem Jeder sich bedroht glaubt, wie die Nuêr oder Ibrahim Bai. In der übrigen Zeit sind es Plün­ derungszüge , die überraschend ausgeführt werden, oder kleinere Scharmützel, wobei lange Zeit damit zugebracht wird, sich gegenseitig von Kantür’s aus zu beobachten, sich Beleidigungen zuzurufen oder sich anzusingen. Alsdann wird meist eine Anzahl Pfeile gewechselt und höchst selten geht es von da zu einem ernsten Kampf Mann gegen Mann über. Bei Plünderung eines Dorfes werden die Häuser an­ gezündet, die Heerden geraubt und Alles, was man von Männern finden kann, ohne Gnade niedergemetzelt, jedoch ohne raffinirte Grausamkeit. Männer werden nur deshalb nicht zu Gefangenen gemacht, weil man Nichts mit ihnen anzufangen weiss. Frauen und Kinder werden verkauft. Solche Ereignisse sind in den Kämpfen zwischen den Denqa selten; die Nuêr dagegen führen solche Plünderungszüge gegen die Denqa aus und die Röl gegen ihre westlichen Nachbarn, die Gur.

b. Die Fischer (Seyyâdîn) und ihr Gewerbe. Eine grosse Zahl obdachloser Leute, Individuen, die sich selbst ruinirt haben, oder die der Krieg ihrer Habe beraubt hat, und die nicht als Knechte bei den Viehbesitzern diene» wollen, lassen sich am Strom-Ufer nieder, wo sie kleine Fischer-Dörfer bilden und Häuptlinge haben, die ebenfalls keine rechte Autorität über sie haben und nur etwas weni­ ger elend sind als die Übrigen. Von dem übrigen Theil des Stammes verachtet und oft ausgeplündert, führen diese Fischer ein jammervolles Dasein, Tag und Nacht sich ab­ mühend , um die Fische zu erhalten, die fast ihre einzige Nahrung bilden. — Ihre Häuser sind klein und erbärm­ lich, ganz aus Rohr und Binsen, innen beworfen und ohne Zeriba, wegen der Schwierigkeit, sich Holz zu verschaffen.

Sie haben Kähne, die in einem ausgehöhlten Baum­ stamm bestehen. Es gehört eine beträchliche Arbeit dazu, einen Stamm mittelst Feuer und erbärmlicher kleiner Hacken auszuhöhlen und zum Fluss zu schleppen. Man zahlt deshalb auch 3, 4 bis zu 10 Kühen für einen solchen. Der Reichthum der Häuptlinge besteht meist darin, dass sie mehrere Kähne besitzen, die sie an Solche, die keinen be­ sitzen, gegen einen Theil des Fangs vermiethen. Diese Barken, ohne Anstrich oder Überzug, faulen rasch und wer­ den oft durch Flusspferde beschädigt. Man bessert sie durch Zusammenbinden mit Stricken aus und verstopft die Löcher mit Lederstücken und mit Schlamm. Das Fahrzeug wird mit zwei schaufelförmigen Rudern (Pagaien) fortbe­ wegt, wovon das eine vorn, das andere hinten geführt wird, und gehen sehr schnell; aber man muss sich darin nieder­ setzen und unbeweglich bleiben, wenn man nicht mit dem Boot umschlagen will. Wenn sie auf den Fischfang gehen, so rudert Einer das Boot vom Hintertheil aus ; ein Anderer steht vorn und schleudert die Harpune auf’s Gerathewohl in

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