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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 23 Negers ein grosser dürrer Baum aufgepflanzt. An seinen j Ästen hängen die Gefässe mit Lebensmitteln, so wie etwaige Kriegs-Trophäen, am Stamm ist die grosse Trommel (Noqara) befestigt, welche zum Krieg oder zum Tanz ruft. An diesem Baum ist, abgesondert vom übrigen Vieh, ein grosser fetter Ochse angebunden. Er ist weiss, auf Schultern und Schenkeln in dunkles Schiefergrau übergehend ; seine langen Hörner sind künstlich nach entgegengesetzten Seiten ge bogen und mit Haarbüscheln geschmückt. Die Schwanz quaste ist abgeschnitten. Es ist der Makwi, der Apis des Negers. Sein Herr, der ihn von Jugend auf an seiner Farbe und gewissen Zeichen erkannt hat, hat ihn gepflegt und erzogen, damit er dereinst sein Stolz in den Augen des Dorfes werde. Er hat ihn castrirt, herausgeputzt, dressirt, der Heerde als Leiter voranzugehen, zu tanzen, einen Kampf aufzuführen. Sein Makwi ist immer der Gegenstand seiner zartesten Aufmerksamkeit; er wird nie unterlassen, ihm ein Bündel der feinsten Kräuter zu bringen; wenn er sich eine Schelle verschaffen kann, hängt er sie ihm um den Hals, und Abends, wenn er Milch oder Merisa genug für Gäste hat, wird die Trommel gerührt, um die Jugend zum Tanz um den vergötterten Ochsen zu schaaren. An dere Ochsen, die sich durch gewisse Merkmale auszeichnen, geniessen auch einiger Auszeichnung unter ihren Mitbrü dern : der Magok, der Mobor, der Malwel, der Maryal ; aber der erste von Allen ist der Makwi.
Den Morgen, wenn die Mirja wach wird, sammelt man sorgfältig den Harn der Kühe an der Quelle in Qara. Jeder spült sich damit den Mund aus, wäscht sich das Gesicht tind übergiesst sich den Körper damit, nimmt selbst, wenn er im rechten Augenblick ankommt, das heilsame Douchebad unter dem Thier selbst. Auch die Hausgeräthe werden mit dieser Flüssigkeit gewaschen. Der Harn ist nicht das einzige Cosmeticum, welches die Kuh dem Neger liefert. Aus der Asche ihrer Excremente macht man einen Teig, womit man sich bei den Nucr den Kopf umgiebt, in dem man ein Ochsenbauchfell darüber bindet. Es sieht diese wie ein Helm aus und hinterlässt, wenn es nach einiger Zeit weggenommen wird, dem Haare eine schöne rothe Farbe, nach welcher die Elegants beider Geschlechter eifrig streben.
Die Regenzeit ist die gute Zeit der Kühe und ihrer Herren. Erstere finden im Walde gute Weide, Regenwasser teiche und Schatten. Letztere leiden keinen Mangel an Milch, sie ernten etwas Durra und die Wälder bieten ihnen wilde Früchte in Menge: Uvarien, Chimenien, Carissa, Vangueria und andere. Es ist die Zeit, wo man Merisa braut, Hoch zeiten hält und jede Nacht tanzt. Ist aber der Oktober gekommen, das Gras abgeweidet oder verdorrt und die Wasserlachen ausgetrocknet, dann zwingt der Durst das ganze Dorf, mit den Heerden sich in nächster Nähe des Flusses niederzulassen. Man wohnt da in Umzäunungen, die äusser den Reküben noch leichter gebaute Toqul ent halten, die nur zum Schutze gegen die Sonne dienen sollen. Häufig bestehen sie nur aus Schilfrohr, manchmal dünn mit Schlamm bedeckt. Die nur aus einfachen Binsen bestehen den haben die Form eines abgestumpften Kegels ; andere sind spitz mit einem hohen Strohdach. Andere grössere von besonderer Bauart dienen dazu, diejenigen Kühe einzu schliessen, für die man besonders besorgt ist, weil sie die Milch für die Familie geben müssen. — Zur Zeit, wo die Neger aus dem Walde zurückkommen, haben die Regen aufgehört, die Gewässer haben sich zurückgezogen und die hohen Gräser, welche den Boden bedecken, sind getrocknet. Die Neger zünden sie an, um an ihrer Stelle einen jungen Graswuchs zu erzeugen. Diese Gras-Brände sind ein herr liches Schauspiel. Vom Winde fortgetrieben, ergreifen die Flammen die riesigen Schäfte, die sich knisternd drehen und krümmen, bis sie mit donnerähnlichem Krachen zer platzen. Schwarze Rauchwirbel, von rothen Flammen durchzuckt, erheben sich, die ganze Luft ist von Funken erfüllt. Der ausgedehnte Brand ist das Signal zu einem Gastmahl, das zahlreiche Theilnehmer anlockt. Die Mara but, die Anastomen und die ungeheueren Jabirus umgeben in einem weiten Gürtel das Gebiet der Feuersbrunst, um die Reptilien und kleineren Säugethiere auf der Flucht zu erhaschen; Geier und Weihe beschreiben ihre Kreise über den Rauchwirbcln und tauchen mit Blitzesschnelle hinein, um ihre Beute zu ergreifen, während die rothen Bienen fresser, kaum einen Schritt vor der Flamme noch auf den Stengeln sitzend, die auffliegenden Insekten im Flug weg schnappen.
In Folge dieser Brände erzeugt der Boden, der einige Feuchtigkeit bewahrt hat, einen neuen Graswuchs, welcher auf ein paar Tage zur Weide für eine Heerde ausreicht. Das Gras ist indessen bald abgeweidet und bei der Eile, womit die Besitzer der Heerden die Weideplätze einzu nehmen streben, noch mehr niedergetreten als abgeweidet. Es ist der Beginn der Monate des Elends: kein Gras für das Vieh mehr, äusser an einigen sumpfigen Stellen, die man sich mit den Waffen in der Hand streitig macht; keine Milch für die Herren mehr, keine Früchte an den Bäumen, wenn man nicht die bitteren Balaniten ausnimmt, von denen eine entsetzliche Polenta bereitet wird, denn die Durra-Vorräthe sind thöricht verschleudert. Man fischt nun nach den Kapseln der Nymphäen, gräbt nach Wurzeln und kocht Baumblätter. Als letztes Mittel lässt man den elen den Ochsen am Hals Blut ab, um es zu trinken. Die Neger sind in dieser Jahreszeit so abgemergelt, dass ihr Anblick schreckenerregend ist. Der Hunger decimirt die unglück lichen Heerden; mehr Thiere aber fallen noch an Dysen terie und anderen Krankheiten, wenn die ersten Regen frisches Gras spriessen machen. — Man sieht aus alledem, dass das Bestehen des viehzüchtenden Negers mit dem seiner Heerden identisch ist. Das Vieh ist ihm deshalb auch Alles; seine Unterhaltung dreht sich nur darum; er hat hundert Namen, um je nach Alter und Geschlecht alle mög lichen Verschiedenheiten von Farbe und Temperament zu bezeichnen und diese Namen sind diejenigen, die er auch vorzugsweise seinen Söhnen und Töchtern beilegt. Für seine Kühe vergisst er Weib und Kind, setzt er selbst sein Leben in Gefahr. Wenn sie sterben, trauert er um sie, indem er den Strick um den Hals hängt, mit dem das gefallene Thier an seinem Pflock angebunden war. Um die Kühe entbren nen meistens die Kriege; mit Kühen erkauft der Jüngling seine Braut von ihren Eltern, eine Häuptlingstochter mit 30 Kühen; wer keine zu geben hat, sucht sie zu stehlen. Derjenige, der die meisten Kühe hat, ist Häuptling; wer