Sudan Archive

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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 22 die Waldregion des Gog, wo die Heerden festen Grund, reichliches Futter und Lachen mit Regenwasser zur Tränke finden. In den Lichtungen dieses Waldes hat der Stamm seine Wohnungen zerstreut. Jede Familie hat eine kreis­ förmige Umzäunung (Zeriba), aus einer doppelten Pallisadenreihe von in die Erde gesetzten Stämmen bestehend, zwi­ schen denen andere Stämme quer gelegt sind, während das Ganze mit Dornzweigen überdeckt und durchflochten ist, so dass ein ziemlich guter Schutz gegen einen Überfall und gegen wilde Thiere vorhanden ist. Im Innern befindet sich ein viereckiger Bau von zwei ringsum offenen Stock­ werken, aus Baumstämmen errichtet, dessen beiden Decken mit Erde bedeckt sind (Reküba im Arabischen). Im unteren Raum sind einige Ziegen und Schafe angebunden, die immer bei der Familie sind. Ausserdem umschliesst die Umzäu­ nung 2 bis 3 Toqül, welche meist sorgfältig gebaut sind, weil sie den giessbachähnlichen tropischen Regengüssen widerstehen müssen. Der Toqül besteht aus einem cylindrischen Theil von 10—12 Fuss Durchmesser und ungefähr 4 Fuss Höhe und ist aus in die Erde eingesteckten Stangen errichtet und inwendig und auswendig mit Schlamm be­ worfen. Der Boden ist fest gestampft und auch mit Schlamm beworfen. Er wird jeden Tag sorgfältig gekehrt, um die Termiten und die anderen Ameisen zu beseitigen. Über­ haupt findet man in den Behausungen der Neger eine Rein­ lichkeit, an die man bei den Muhammedanern des Sudan nicht gewöhnt ist, und die Neger sind auch im Übrigen weniger schmutzig als die Nubier. Man sieht die Frauen sich sorgfältig waschen, z. B. bevor sie das Essen zube­ reiten. — Das Dach des Toqül ist ein Schilfrohrkegel; es wird besonders hergestellt und dann als Ganzes auf das Haus gesetzt. Der Eingang in Bogenform, der von Aussen oft durch eine Vorhalle oder ein Wetterdach geschützt ist, ist so niedrig, dass man nur kriechend hinein kommen kann. Er wird mit einer oder zwei dicken Matten verschlossen.

Zur Rechten und zur Linken sind meistens einige roh behauene Pfosten oder Ochsenhörner aufgepflanzt, welche die Fetische der Wohnung sind. Einer der Toqül dient zur Aufnahme der Vorräthe und ist durch kleine Erd­ dämme in Abtheilungen geschieden, und man sieht darin ein oder mehrere Saidab. Die anderen dienen, ebenso wie das obere Stockwerk der Reküba, der Familie zur Wohnung. Die Ausstattung ist von der äussersten Einfachheit : einige getrocknete Felle, um sich darauf zu legen, verschieden ge­ formte und verzierte Qara, die als Gefässe dienen, unglasirte Thongefässe und einige grobe Körbe. — Der Hof ist durch einen concentrischen Kreis kleiner Pflöcke in einen äusseren Ring und einen kleinen inneren Hof abgetheilt, welcher letztere, festgestampft oder mit Sand bestreut, der Familie zum Aufenthalt dient. Der ringförmige Raum gehört den Ziegen und Schafen, ist auch wohl zum Theil mit etwas Durra oder Tabak bestellt. Der Tabak steht dann unter einem kleinen Saidab, um Schatten zu haben. Im Hof be­ findet sich ein ausgehöhlter Baumstumpf (Fuduk), der als Mörser dient, so wie einige Steine als Feuerstelle.

Um die Wohnung herum machen die Weiber eine kleine Strecke Boden urbar, worauf Durra, untermischt mit Sesam, in fast immer für die Familie ungenügender Quan­ tität gesäet wird. Zum Zweck dieser Kultur werden die Sträucher und die Bäume umgehauen, von denen man die 2—3 Fuss hohen Stümpfe stehen lässt, man hackt den Boden mit Mallotten (einem Instrument, das die Mitte zwischen einer Hacke und einem Spaten hält) um und reisst das Unkraut von Zeit zu Zeit mit den Händen aus. Dieser ärmliche Landbau hat eine Menge von Feinden ; des Nachts sind es Affen und Elephanten, die durch Gerassel verscheucht werden; bei Tag die Vögel, gegen welche ein Wachtposten auf der obersten Plattform der Reküba aus­ gesetzt ist. Man säet im April und erntet Anfang August. Die hungrigen Schwarzen warten aber nicht, bis das Korn reif ist, sondern essen eine grosse Menge der Ähren grün ; ein Wenig wird sorgsam für die nächstjährige Bestellung aufgehoben; der Rest ist bald aufgegessen und der Stamm hungert von Neuem.

Das Rindvieh der südlichen Denqa gehört, wie das des Sudan, zur Varietät des Zebu und hat den Buckel auf dem Widerrist, es ist aber im Allgemeinen weniger schön als das Sudanesische Vieh. Die örtlichen und klimatischen Verhält­ nisse in den südlicheren Flusscbenen sind seinem Gedeihen weniger förderlich und so würde es eine intelligentere und ausdauerndere Behandlung nöthig haben, als seine Herren ihm angedeihen lassen. Man sieht Stücke von allen Far­ ben; die typische der Race scheint nicht mehr, wie im Sudan, die aschgraue, sondern die isabellfarbene zu sein, die um so allgemeiner wird, je weiter man nach Süden kommt. Die Ochsen der Atwot sind sogar ausschliesslich von dieser Farbe: es ist eine besondere, bestimmt geschie­ dene Race, von hohem Wuchs, schmachtleibig, mittelgrossem Höcker, schwarzer Schnauze, grossen Hörnern, leichtfüssig und von der Gangart der Antilopen.

Das Rindvieh der Dorfbewohner hält sich nicht im Dorfe selbst auf, sondern weidet zusammen in einer oder mehreren Heerden unter der Aufsicht der jungen Leute an je nach der Jahreszeit wechselnden Plätzen zwischen dem Fluss und dem tiefen Wald. Jede Heerde (Mirja) hat deshalb auf einer etwa senkrecht zum Fluss verlaufenden Linie ver­ schiedene Parks (Zeriba) vertheilt, die meist mit einer Dorn­ hecke umgeben sind. Im Innern derselben hat jede Familie zum Schutzdach eine einfache Reküba ohne Stockwerk, die aus Stämmen, überdeckt mit Ästen, Zweigen und einer Erd­ schichte, besteht und unter der die Asche angehäuft ist, worin man schläft, um sich vor den Moskito-Stichen zu schützen; auch befindet sich hier meist ein Herd, wo man sich an kühlen Regentagen wärmen kann. — Am Tage, während die Heerde unter Führung der jungen Leute auf die Weide geht und die jungen Kälber sich im Schatten der Reküben halten, beschäftigen sich die Neger damit, die Excremente des Viehes an der Sonne zu trocknen und sie in grosse Haufen zu sammeln, um die herum eine Anzahl Pflöcke eingeschlagen sind. Am Abend, wenn die Heerde heimkehrt, sucht jedes Stück seinen Pfosten, den es kennt. Die trocknen Düngerhaufen werden angezündet und die Thiere athmen mit Behagen den Qualm ein, der die Mos­ kitos von ihnen abhält. Die Kühe werden jetzt gemolken, die jungen Mädchen erhalten ihren Theil, den sie am näch­ sten Morgen ihren Müttern im Dorfe bringen, dann wird gegessen, geplaudert und gelacht bis tief in die Nacht hinein. — Hier und da ist neben der Reküba eines reichen

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