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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 21 umgebunden. Glasperlen oder Muschelfransen werden nicht daran angebracht, nur einige Eisen- oder Kupferringe hängen in den Zipfeln. Frauen und Mädchen tragen Glasperlen halsbänder und Ringe um Arme und Beine, ähnlich denen der Männer, aber niemals solche von Elfenbein.
Beide Geschlechter bringen oft zur Verzierung Einschnitte auf der Haut an verschiedenen Stellen des Körpers an.
Am gewöhnlichsten tragen sie Linien auf der Stirn einge schnitten , deren Anordnung je nach den Stämmen ver schieden ist. Wie schon gesagt, reissen sich die Denqa die unteren Schneide- und Eckzähne aus, um nicht, wie sie sagen, den wilden Thieren ähnlich zu sein, die erst zer reissen, was sie fressen.
Die Waffen sind: 1) die Lanze, welche in der Hand gehalten oder auch mit Sicherheit auf 20 — 30 Schritte geworfen wird. Zu letzterem Zweck biegt man den Vorder arm, bis die Hand die Schulter berührt, schwingt die Lanze, indem man sie durch einen Ruck mit der Hand in vibrirende Bewegung setzt und wirft dann, indem man den Arm völlig nach vorn ausschnellt. Das Eisen der Lanze lässt sich abnehmen, um als Messer gebraucht zu werden. Als Zeichen von Trauer nimmt man das Eisen von der Lanze ab und ersetzt es durch ein Stück Holz. Der Schaft be steht aus Schilfrohr, ganz oder theilweis mit Eisendraht umwickelt. Die Eisenspitzen werden in kleiner Anzahl durch die Schmiede der Denqa verfertigt, eine grössere Zahl kommt von den Bari (kleinere Sorte), oder von den Atwot und den Gür ; die grössten, die besonders für die Elephantenjagd geschätzt sind, kommen in grosser Zahl vom Bahr Gazai, wo die Genqé-Schmiede sie hauptsächlich aus Eisen, das aus dem Innern kommt, verfertigen.
2) Die Keule aus hartem Holz, oft aus Ebenholz. Sie fechten damit, indem sie in der linken Hand einen Stock halten, der ihnen zum Pariren der Schläge dient und manchmal mit einem Handgriff und mit einer Nuthe ver sehen ist, in welche die Lanze eingelegt wird. Manchmal ist es auch ein gewöhnlicher, mit einer spiralförmig herum laufenden Haarfranse geschmückter Stock. Diese Fecht weise, die von einer Art von Tanzschritt begleitet wird, ist sehr interessant und von grosser Zierlichkeit. Der Kopf der Keule ist oft durchbohrt, um den Niün (?) aufzunehmen.
3) Der Bogen von Bambus oder von Holz, mit Pfeilen von Rohr mit eiserner, mit Widerhaken versehener Spitze, die nicht vergiftet wird. Da der Bogen schwach ist, so ist die Tragweite gering und der Pfeil wird in die Luft geschossen, um durch den Fall zu wirken. Sie sind darin ziemlich geschickt und schiessen auch, indem sie eine Art von Tanzschritt hin und her ausführen, um dem Schüsse ihrer Gegner das Ziel zu verrücken. Die Bogen und Pfeile kommen von den Bari oder werden auch im Westen bei den Atwot gekauft. Die Pfeile werden in einem Köcher über die Schulter gehängt getragen.
4) Die Verteidigungswaffe des Negers ist der Schild, der aber nicht allgemein im Gebrauch ist. Er besteht ge wöhnlich in einem länglich rechteckigen Stück Leder, das an einem unten vorstehenden Stocke befestigt ist, so dass man dessen Ende in den Boden stecken und eine fest stehende Brustwehr herstellen kann. In der Mitte befindet sich vorn eine nabelförmige Ausbuchtung, hinter welcher die Hand den Stock fassen kann. Der Neger geht gewöhn lich mit der Lanze oder mit der Keule bewaffnet, oft auch mit beiden zugleich. Viel seltener trägt er Bogen und Pfeile, und den Schild nur im Falle des Kampfes.
Gegenüber den mit Feuerwaffen ausgerüsteten Gegnern haben die Neger eine ausgezeichnete Taktik erfunden. Sie mischen sich unter ihre grossen Heerden, die sie im Lauf schritt gegen den Feind treiben, und schiessen ihre Pfeile über den Rücken der Ochsen ab, wie hinter einem Wall, hinter dem sie sich niederbücken, um die Schüsse zu ver meiden , bis sie, nachdem die Gewehre abgeschossen und die Feinde womöglich überrannt sind, sie einzeln mit Lan zen und Keulen tödten können. Auch bessere Truppen als die Nubischen Söldner der Hartümer Kaufleute würden einem solchen Angriff gegenüber schwer Stand halten können.
3) Politische und gesellschaftliche Zustände. Die Denqa-Stämme haben keine Einheit, als den Namen und eine sehr schwache Solidarität in Krieg und Frieden. Jedes Dorf bildet eine Gemeinde, die auf derselben Wald lichtung wohnt und ihr Vieh zusammen weiden lässt, in einer Heerde (Mir>a) oder in mehreren , wenn die Zahl zu beträchtlich ist. Das Dorf erkennt einen Häuptling an, dessen Autorität nur dem Namen nach vorhanden ist. Es ist ein Mann, dem die Zahl seiner Heerden oder sein per sönlicher Charakter einen gewissen Einfluss gegeben haben. Da der Besitz vielen Viehes ihn befähigt, eine grosse Zahl von Frauen zu nehmen, so kann er sich dadurch Verbin dungen mit vielen Familien seines eigenen und der Nachbar dörfer verschaffen ; er hat viele Diener ; er kann sich gegen die Anderen freigebig zeigen. So kann er auf gütlichem Wege manches von den Leuten seines Dorfes erlangen, ihre Streitigkeiten beilegen &c. Aber er kann ihnen keine Steuer auferlegen und noch weniger sie zu Dienstleistungen zwingen. Jeder ist frei in Allem, was er thut und treibt, er kann seine Streitigkeiten fortführen, seine Rachepläne zur Ausführung bringen und sich selbst Gerechtigkeit ver schaffen. Selten einmal mischt sich das ganze Dorf in eine Angelegenheit, um Gerechtigkeit zu üben und einen Schul digen zu verjagen oder gar zu tödten. — Der Häuptling empfängt einige Zeichen von Ehre und Unterwürfigkeit. Er geht immer voran und setzt sich auf den besten Platz und hat oft als Zeichen von Würde ein Individuum bei sich, das Alles, was er spricht, Wort für Wort wiederholt.
Die grosse Überzahl der Denqa-Bevölkerung führt ein Hirtenleben. Die Heerdenbesitzer (Baqqära von den Ara bern genannt) machen so zu sagen allein den Stamm aus ; die übrigen leben von Fischfang (Seyyâdîn), vom Schmiede handwerk, von der Jagd und von wilden Früchten (Haddadin). Beide letztere Kategorien, namentlich aber die Jäger, die im Walde oft Eisenlager finden, üben das Schmiede handwerk aus, wonach sie auch benannt sind.
a. Die Baqqära und die Viehzucht.
Das Hirtenleben und der Wechsel der Jahreszeiten be dingt es, dass die Denqa sich je nach den Jahreszeiten dem Flusse nähern oder sich von ihm entfernen müssen. Im Sommer, wo die Ebenen am Flusse sumpfig und von Moskito-Schwärmen bedeckt sind, beziehen die Heerdenbesitzer