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20 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

ist von gutartigerer Natur als in Europa; ohne Zweifel wegen der Wärme, des reichlichen Schweisses und der weniger reizenden Nahrung. Da indessen keinerlei Mittel dagegen ergriffen werden, führt sie manchmal bis zu tödtlichem Ausgange und ist überall da, wo Sudanesische Händler hinkommen, ein allgemein verbreitetes Übel. — Auch die Cholera sucht diese Gegenden heim und hat namentlich 1856, wo sie auch in Nubien wüthete, grosse Verheerungen ver­ ursacht.

Die Intelligenz der Denqa ist lebhaft, aber ohne Aus­ dauer, wie die der Kinder; sie begreifen leicht, was man ihnen auseinandersetzt; es fehlt ihnen nicht an Mutterwitz und in ihrem Gedankenkreise bewegen sie sich recht verstän­ dig. Aber sie haben keinerlei Streben, sich zu einem höheren Ideenkreise aufzuschwingen, keinen Wunsch, etwas zu wissen oder zu begreifen, was ihnen neu und ungewohnt ist : keine Anwandlung von Fortschritt, selbst beim Anblick der Wunderwerke Europäischer Civilisation, worüber sie sich kaum wundern und die ihnen weder Erstaunen noch Be­ gierde verursachen. Im rohesten Materialismus versunken, sind sie taub gegen alle abstracten Dinge, die man ihnen vorführen möchte, und die Missionäre geben sich bei ihnen erfolglose Mühe. Sie bleiben ungläubig und sorglos und beschränken sich auf die unmittelbarsten Bedürfnisse des materiellen Lebens. Sie haben richtige Begriffe vom Guten und Bösen, vom Gerechten und Ungerechten, aber diese Ideen, ohne systematischen Zusammenhang und ohne Ver­ bindung mit einem von einem höheren Wesen ausgegangenen Gesetz, bleiben vag und nutzlos gegenüber den Leiden­ schaften , von denen sie besessen sind : der Rachsucht und der Habsucht. Sie leben deshalb beständig in Krieg, Mord und Plünderung, um sich gegenseitig ihr Vieh zu stehlen, oder ihre Weideplätze wegzunehmen. Die Unsittlichkeit ist nicht übermässig gross, weil ihr Dichten und Trachten zu vorwiegend auf Stillung ihres Hungers gerichtet ist und weil bezüglich der Ehe die grösstmögliche Leichtigkeit der Polygamie und der Scheidung gegeben ist. Trotzdem sind Sodomie und Ehebruch nicht unbekannt. Die Integrität der jungen Mädchen ist .durch die Sitten mehr gewährleistet, weil die Tochter einen Gatten finden muss, der sie ihrem Vater mit einer gewissen Anzahl von Kühen bezahlt. Ab­ treiben und Kindesmord sind seltener als bei den Bari. Bei den Kic wirft man Missgeburten in den Fluss. Eine Menge schwacher oder armen Eltern angehöriger Kinder und Waisen gehen vor Hunger und Elend zu Grunde. Die­ selben Ursachen befördern den Tod vieler alten Männer und namentlich Weiber, die ohne Hilfsmittel in einem entsetz­ lichen Zustande von Magerkeit umherirren. Ich habe auch gesehen, dass venerische Weiber aus den Dörfern verstossen wurden und in Hunger und Elend umkamen.

Was am Neger am meisten auffällt, ist die grossartige körperliche und geistige Trägheit, verbunden mit dem völligen Mangel an Voraussicht. Unbekümmert überlässt er sich dem Glück der Gegenwart, das für ihn in der Ruhe besteht, und geht nur unter der Herrschaft drückenden Hungers an die Arbeit. Ist er gesättigt, so kehrt er zu seinem Schlafleben zurück, bis die Hungersnoth kommt, er abmagert und von Neuem an die Arbeit denken muss. Mitten in den reichsten Gegenden der Erde lebend, leidet er doch an Allem Mangel. Auf fruchtbarem Boden geboren, denkt er nicht daran, ihn zu bestellen; kaum, dass die Frauen um die Hütten herum ein wenig Durra bauen, wo­ von 3/4 im grünen Zustande gegessen wird, so dass ein oder zwei Monate nach der Ernte nichts mehr übrig ist.

Im Übrigen ist das Naturell der Neger, wenn sie nicht durch die Berührung mit den Fremden verdorben sind, eher gutartig als schlimm zu nennen; man hat sie wohlwollend, gastfrei und selbst manchmal freigebig, soweit es ihre Armuth gestattete, gefunden, denn bei einem hungrigen Negef ist es Edelmuth, wenn er einem Fremden eine Ziege oder eine Qarja mit Milch bringt. — Aber die Plünderungen der Händler haben alle Neger erbittert, mit denen sie in Berührung kamen, grausame Repressalien erfolgten, der Geschmack am Gewinn hat sie habsüchtig und zu Dieben und Betrügern gemacht. Die Rachsucht ist eine starke Leidenschaft, die sie unerbittlich macht. Sie sind dann um so gefährlicher, als sie ihre Pläne bis zum günstigen Augen­ blick geheim zu halten verstehen.

2) Kleidung und Bewaffnung.

Die Kleidung, oder richtiger gesagt, die Kleidungslosigkeit der Denqa-Stämme ist durch zweierlei Charakterzüge bedingt. Zunächst haben sie keine Idee von Schamgefühl, und halten es sogar bei Männern und Mädchen für eine Schande, die Schamtheile zu bedecken. Zweitens haben sie von allen Negervölkern in Nordost-Afrika am wenigsten Geschmack für den Aufputz. Bei ihnen sieht man weder die elegante Haartracht, noch die sorgfältig aufgelegte blaue und rothe Aschenschicht, welche die Silük auszeichnet, noch die rothen Haare, die Muschelkronen, die Perrücken, die zahlreichen Glas-Schmucksachen und die Thierfelle der Nuêr, noch den wilden Schmuck der Stämme vom Sôbât, der Bari-Häuptlinge, der óiir &c. Wenig auf den Schmuck ihrer Person bedacht, tragen sie Glassacheu nur im Arm­ band oder Halsband, das aus Geneto oder Mangûr mit 1 oder 2 Bered besteht, oder auch am Gürtel, der gewöhnlich aus mehreren Reihen bläulich-grüner polirter Borgük zu­ sammengesetzt ist. Sie tragen ferner Ohrringe und Arm­ bänder von Kupfer oder Eisen, die von den Bari kommen, oder auch von Elfenbein oder Flusspferdhaut, den Trophäen einer Jagd. An den metallenen Armbändern halten sie aber besonders wegen ihres Verkaufswerthes fest. Sie haben nicht einmal immer die Aschenschicht, womit sich die übrigen Neger stets sorgfältig bedecken. Die Häuptlinge haben meist gar nichts auf dem Körper. Ich habe sie oft um ein Stückchen Stoff, um ein farbiges Hemd, ein Pantherfeil, um Armbänder &c. betteln sehen, ohne dass sie jemals etwas davon getragen hätten. Sehr selten sieht man sie in den Haaren eine Feder tragen oder einen Turùr von Stroh oder Wad ja (Kauri-Muscheln). Meist tragen sie das Haupthaar kurz und entfernen sorgfältig alle übrigen Haare am Körper. Die Haare wachsen zu lassen, ist ein Zeichen von Trauer. Die Mädchen sind nackt und tragen höchstens manchmal als Schmuck einen Gürtel von Etherien-Deckeln, deren Weisse gegen das Schwarz der Haut sehr vortheilhaft absticht. Die Frauen bekleiden sich mit 2 gegerbten Ziegen­ oder Schaffellen, die fein und geschmeidig und von grauer Farbe sind. Eins wird von vorn, das andere von hinten

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