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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 19 linke Ufer des Weissen Stromes von der Gazai-Mündung bis zum 13. Breitengrad eingenommen, während sie Spuren ihrer Anwesenheit längs dem Sôbât hin zurückliessen.
Dieses Ereigniss ist auch noch ziemlich frisch im Gedächtniss der Neger, doch glaube ich, dass es früher Statt gefunden hat, als der Einbruch der Nuêr, den man vielleicht in das 18. Jahrhundert setzen kann, während der der Siluk viel leicht ein Jahrhundert früher Statt gefunden hat.
Oberhalb der Denqa-Stämme folgt am Kir eine andere Nation, der die Sir (oder Gir), die Bari, Yambara und Man dara angehören. Im Westen der Atwot und der Röl be ginnen die Völkerschaften der Gûr, Dör und südwestlicher die Niamniam Die Nation der Denqa.
1) Allgemeine Beschreibung. Die Denqa sind immer von mehr als Mittelgrösse, meistens sogar sehr gross, gut proportionirt, häufiger schlank als fettleibig. Der Rumpf ist oft von bewundernswerthem Bau, die Extremitäten manchmal grob, oft auch elegant, die Arme in richtigem Verhältniss, die Beine jedoch fast immer verunstaltet durch die Abwesenheit der Waden oder die Unförmlichkeit des Kniegelenks, welches entweder zu dick oder zu vorspringend ist. Die bedeutendste phy sische Entwickelung trifft man bei den Viehzüchtern, die meistens ausserordentlich gross sind. Sie magern ungemein schnell ab und werden ebenso rasch wieder fett, je nach dem ihre Subsistenzmittel spärlich oder reichlich vorhanden sind. Die Schmiede sind kleiner und weniger fett, aber kräftiger und behender in Folge ihres Gewerbes. Der hohe Wuchs und die Körperkraft können von der Lebens weise nicht bedingt sein, denn diese ist fast durchgehends im höchsten Grade elend, die meisten Neger sind fast immer schlecht genährt und leiden sogar die Hälfte des Jahres Hunger.
Der Kopf hat nicht die seitlich zusammengedrückte Form, die finche Stirn und den stark entwickelten Hinter kopf der West-Afrikanischen Neger, aber er unterscheidet sich von der Kaukasischen Form durch eine geringere Entwicke lung der Schädelgegend im Vergleich zum Gesicht und namentlich ist die Stirn, obwohl weder flach, noch schmal, doch lange nicht so bedeutend entwickelt, wie bei den Euro päern. Das Gesicht ist meist ein wenig verlängertes Oval, das Profil wenig vortretend, die Backenknochen etwas vor stehend. Die Nase ist oft von grober Form, zeigt aber niemals die Abplattung des eigentlichen Negertypus. Die Zähne sind gewöhnlich lang, bleckend, gelblich, schlecht und unregelmässig eingesetzt, die Schneidezähne stehen schief hervor und haben oft zwischen den beiden mittelsten oberen einen zahnbreiten Zwischenraum. Die unteren Schneidezähne sind meist ausgerissen. Die Lippen sind dick, aber nicht übermässig, das Kinn rund und wenig vorstehend, die Ohren mittelgross, aber ein wenig hochstehend ; die Augen haben eine gelbliche Sclerotica.
•) Über diese Stämme enthält das Originalmanuscript eine ziem liche Reihe von erkundeten Nachrichten, die wir aber weglassen, weil jene Gegenden inzwischen von Europäischen Reisenden wiederholt be sucht und beschrieben worden sind.
Keines dieser Kennzeichen ist jedoch absolut allgemein: die Denqa besitzen kein allgemein typisches Merkmal und scheinen stark vermischt zu sein mit einem über den Negern stehenden Stamm, denn man begegnet unter ihnen häufig eleganten Extremitäten, grossen weissen Augen, Zähnen, die unsere Damen beneiden könnten, schöner Nase und Mund &c. Man sieht bisweilen Individuen, bei denen alle Körpereigenschaften einen hohem Charakter haben und die dann manchmal von grosser Schönheit sind.
Allgemein ist eine tiefschwarze Hautfarbe und krause Haare. Der Bartwuchs kommt sehr spät und ist spärlich, er beschränkt sich auf das Kinn und den äusseren Rand der Kinnbacken; auch Brust und Unterleib sind nur spär lich behaart und die Gliedmaassen ganz haarlos. Die Haut ist weich und nicht von unangenehmem Geruch, wenn nicht der der Unreinlichkeit ihr anhaftet. Die Stimme der Männer ist gellend, wie bei uns diejenige alter Weiber, unrein und kreischend; Gesicht und Gehör ausserordentlich scharf, wie bei den meisten Wilden.
Die Frauen sind oft wohlgebaut und anmuthig in der Jugend, sehr selten schön von Gesicht, sie bekommen aber sehr rasch hängende Brüste und werden runzelig und häss lich. Die Regeln scheinen nicht so früh einzutreten, wie im Sudan, in Ägypten und im südlichen Europa. Man sieht Mädchen von sehr entwickelter Brust und Becken, die noch keine Regeln haben. Auch das männliche Geschlecht scheint nicht sehr frühreif zu sein. Diese wird wahr scheinlich zum grossen Theil von der Lebensweise abhängen.
Obwohl schlecht genährt und der Gesundheit wenig zu trägliche Stoffe zu sich nehmend, sind die Denqa doch kräftig und wenig Krankheiten unterworfen und erreichen meist ein hohes Alter, soweit sich diese feststellen lässt. Sie sind namentlich unermüdliche Fussgänger, sehr schnell füssige Läufer und sowohl Männer wie Frauen daran ge wöhnt, mit unglaublicher Leichtigkeit mehrere Tage hinter einander 10—12 Stunden täglich mit schweren Lasten auf dem Kopfe zu marschiren. Beständig hungrig, sind sie manchmal durch längere Nahrungsenthaltung zu abschrecken der Dürre abgemagert, so dass die Haut in abscheulichen Falten um die fleischlosen Knochen hängt; aber sobald sie wieder reichlichere Nahrung finden, nehmen sie ungeheuere Quantitäten davon zu sich und werden in erstaunlich kurzer Zeit wieder fett. Ihre gewöhnlichsten Krankheiten sind Magenübel, herrührend von der schlechten Qualität und der ungenügenden Menge der Nahrungsmittel; sie arten oft in einen allgemeinen Marasmus aus. In der Zeit , wo die wilden Früchte reifen, essen Manche in solchem Übermaass davon, dass Todesfälle in Folge von Indigestion vorkommen. — Ein sehr gewöhnliches Leiden ist der Guineawurm, Ferentit der Araber, der zwischen Haut und Fleisch der unteren Gliedmaassen, manchmal auch am übrigen Körper auftritt und heftige Schmerzen mit Anschwellen des Beines verursacht, so dass oft der Gebrauch des Beines unmöglich wird. Bricht er endlich durch, so giebt es ein eiterndes Geschwür. — Blattern und Syphilis, die früher unbekannt waren, sind durch die Hartümer Händler unter ihnen ver breitet worden. Die Blattern richten erschreckliche Ver heerungen an. Sie vernichten manchmal ein Drittel eines ganzen Stammes und veröden ganze Dörfer. Die Syphilis 3 *