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16 Erster Theil. Reisen und Forschungen hart sein, die ihrem Angriff widersteht. Von einem Paar । Stiefel, die man eine Nacht hindurch auf der Erde stehen lässt, findet man am nächsten Morgen unter Umständen nur die Nägel wieder. Teppiche, Bettwerk, Kleider, Nahrungs mittel, Bücher, Matten, Möbel, Nichts ist vor ihnen sicher. Wenn man einen Koffer auf dem Boden stehen lässt, so ist nach 2—3 Tagen der Boden verschwunden und der Inhalt in Staub verwandelt. Die Mauern von getrockneter Erde und die Balken, wovon die Wohnungen gebaut sind, das Stroh, womit sie gedeckt sind, werden mit Rapidität auf gezehrt. Man kann Sachen nur in Sicherheit bringen, wenn man sie an den Deckbalken mit Bindfaden aufhängt oder sie auf Gestelle setzt, deren Füsse man jeden Tag von den Arbeiten der Termiten reinigt. Diese Insekten nämlich arbeiten nur im Dunkeln und rücken auf ihre An griffsobjekte nur mittelst Erdgalerien vor, die sie über und um sich erbauen ; auch Holzstückchen und andere Gegen stände, die auf der Erde liegen, sieht man in einer Nacht mit einer Erdkruste, ähnlich wie die Incrustirungen gewisser « mineralischer Quellen, bedeckt. Die Termiten bewegen sich zwischen dem Gegenstand und dieser Decke, die an einigen Stellen auf jenem ruht, und schleppen Alles fort, so dass man, wenn man nach einiger Zeit die Kruste zerbricht, dieselbe leer findet. Die gewöhnliche Termite ist von der Grösse unserer gemeinen Ameisen, nur dicker und mit flach gedrücktem Leib ; sie ist weiss mit rothem Kopf. Ich habe Bauten gesehen, deren Insassen die Körpergrösse unserer Stubenfliege hatten, und andere, die sich schon der Grösse einer Wespe näherten. Ob es verschiedene Species sind, habe ich noch nicht feststellen können. Andere Ameisen arten, grosse und kleine schwarze, braune, rothe, machen auch die Wohnungen unsicher und haben es namentlich auf die Vorräthe abgesehen; überdiess verursachen einige sehr schmerzhafte Bisse. Da nun überdiess die Flussufer von Scorpionen, Spinnen, Tausendfüssen und Rüsselkäfern wim meln, so geht daraus hervor, dass die Ufer des Weissen Nil zu den unwohnlichsten Landstrichen der Erde gehören.
Die Armuth des Pflanzen Wuchses an den Flussufern ist schon erwähnt worden. Bemerkenswerth ist eigentlich nur der Papyrus der Alten, der aus Ägypten verschwunden ist, aber an einigen Orten des Weissen Flusses in grosser Menge auftritt: er ist eine prächtige riesige Cyperacee, die majestätisch ihren kugelförmigen Haarwedel im Winde nicken lässt und an und für sich schon ein Landschaftsbild giebt. Die zweite Pflanze, die hervorzuheben ist, ist der »Anbag, eine baumartige Leguminose mit grossen gelben Blüthen, die in Massen, mit dem Fusse im Wasser, wächst und manchmal endlose Wasserwälder längs der Ufer bildet, die den Blick einengen. Ihr Holz, obwohl es einer ge wissen Festigkeit nicht ermangelt, ist federleicht, so dass die Neger aus Bündeln junger Stämmchen sich Boote ver fertigen, die sie bequem auf dem Kopf oder der Schulter von Ort zu Ort tragen können.
Die endlosen Ebenen, die sich baumlos, nur von Ter mitenhügeln und an einzelnen trockneren Stellen von trau rigen Gebüschen besetzt, zu beiden Seiten des Flusses aus dehnen, bieten in der Regenzeit dieselbe Fauna wie der Fluss selbst. Die hohen, in Sumpf und Schlamm aufge schossenen Gräser werden höchstens noch von Elephanten, im Gebiete des Weissen Nil.
Büffeln und Warzenschweinen durchbrochen. Nur nach dem ersten Austritt des Flusses lohnt es sich, auf Negerkähnen über diese Flächen hinzufahren und der Jagd obzuliegen. Im Winter, der trockenen Jahreszeit, sind die Ebenen von Negern mit ihren Heerden belebt und bieten dann auch auf dem Trockenen gute Jagd. Äusser dem Francolinus Rüp-< pelii, einem Vogel, der etwa in der Mitte zwischen dem Fasan und dem Rebhuhn steht und das delicateste Fleisch besitzt, giebt es mehrere prachtvolle Trappenarten, die gutes Wildpret liefern und deren Jagd leicht ist (Otis tarda, arabe, melanog aster, houbaraj. Zahlreiche Heerden von ver schiedenen Antilopen, von der Grösse der Gazelle oder des Rehes bis zu der eines Ochsen: die Gazelle, die Kudus-Antilope, der Nagor, der Nodu, der Algazel, Strepsiceros, Gib, Leucoryx und viele andere, theils bekannte, theils noch unbekannte, worunter eine wunderschöne Art von der Höhe eines Ochsen und wie eine Giraffe gezeichnet mit Hörnern von bizarrer Krümmung, hier Alwalwon genannt. Heerden von Büffeln (Bos cafferj bilden ein gefährliches Jagdobjekt. Ihr Fleisch ist, wie das der grösseren Antilopen arten, meist zäh.
Die dritte Grundform des Landescharakters, der Wald, findet sich überall, parallel mit den Flüssen laufend, im mittleren Abstand von 2—3 Stunden von denselben, manch mal sich mehr nähernd, manchmal weiter zurücktretend. Geht man von dem Fluss aus gegen das Innere, so bietet der Wald zuerst das ziemlich traurige und eintönige Schau spiel der Wälder des Sudan. Es sind fast ausschliesslich Mimosen der Gattung Acacia. Die Arten dieser durch ihren Gummi-Ertrag u. a. m. wichtigen und interessanten Gattung sind bis jetzt sehr mangelhaft botanisch definirt und be nannt, indem manche noch unbekannt sind und andere ver mengt werden; die dem oberen Nubien und dem Gebiete des Weissen Nil eigentümlichen heissen im Arabischen Haêaba, Talha, Sant, Siyâla, Haras, Kitr, Qaqamüt, ferner zwei andere Arten, von denen ich nicht weiss, ob sie einen Namen haben. Es sind Bäume von nicht sehr hohem Wuchs, trocken, dornig, den Boden mit ihren abgestorbenen Zweigen bestreuend mit schwacher Belaubung und wenig Schatten. Der Balanites aegyptiacus, ein höherer Baum, ebenfalls dornig, und der Rhamnus lotus, gleichfalls ein Dornstrauch; diese und einige Gebüsche und Schlingpflanzen aus der Familie der Strychneen, Capparideen, Smilaceen, sämmtlich Dorn pflanzen, machen fast die ganze Vegetation dieses Wald strichs aus. Der Boden ist vorwiegend mit Poa (halfa) be deckt, die 5—6 Fuss Höhe erreicht. Erst wenn man min destens 3 Lieues zurückgelegt hat, kommt man in die wahre Waldregion, das Gog, wo die neuen und bewundernswerthen Formen eines tropischen Urwaldes auftreten. Ungeheuere Bäume mit domförmig gerundeten Blätterschirmen, worunter alle Vögel des Waldes Schutz finden; knorrige Baumriesen, die nach allen Seiten hin ihre ungeheueren Arme hinaus-> drehen, schlanke Stämme mit leichtem spitzenähnlichen Laub, deren Schatten das Licht wie durch ein Sieb erhält; Bäume mit dichten unbeweglichen Kronen von dunkelglänzendem Grün, als ob sie aus Bronzé gegossen wären ; kurz, Bäume von allen Grössen, allen Formen, allen Schattirungen des Laubs. Zwischen diesen Riesen des Waldes wachsen niedrigere Bäume und unter diesen wieder Sträucher, deren Fuss von