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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 15 denen Arten, darunter einige mit schönen Farben; endlich der einsame Spornkukuk, der im Schilf nistet, und die Raben, die man, wie es scheint, auf der ganzen Erdober­ fläche findet. Unter den Raubvögeln unterscheidet man den Haliaetos vocifer, einen schönen Fischadler; mehrere Arten von Falken, Weihen, Sperbern, den gelben Geier, den Ohrengeier, Vultur de Savignii, den Ägyptischen Aasgeier und einen andern der Gegend eigenthümlichen Percnopterus, welche alle angelockt werden durch die reiche Beute, die ihnen die Überreste der von den Fischern getödteten Fische und Flusspferde darbieten. Der Fluss besitzt nur ein Säuge­ thier, das Flusspferd, diese aber in so grossen Schaaren, dass sie manchmal das Fahrwasser verlegen. Sie erschrecken durchaus nicht vor den vorüberkommenden Barken, sondern verursachen ihnen öfters durch heftige Stösse schwere Be­ schädigungen und ganz kürzlich hat eines von ihnen einen Matrosen vom Bord weggeholt und ist mit ihm unter dem Wasser verschwunden. Wenn das Hippopotamos, welches den Tag über im Wasser zubringt, sich an der Oberfläche des Wassers treiben lässt, so dass von seinem Kopfe nur der obere Theil, von den Nasenlöchern bis in das Genick sicht­ bar ist, so gleicht sein Profil völlig dem eines ungeheueren Pferdes, namentlich den Pferden der alten griechischen und römischen Monumente; es lässt auch, wenn es das Wasser durch die Nasenlöcher ausstösst, ein starkes Schnarren und ein kurzes Wiehern hören, welches an das des Pferdes er­ innert (im Übrigen ist sein Schreien mehr einem mächtigen Grunzen ähnlich), so dass der Name Flusspferd, den ihm die Griechen gegeben haben, seine Rechtfertigung findet. Wenn das Flusspferd angebaute Gegenden bewohnt, wie von Hartüm bis zu den Silùk, oder im Norden von Hartüm bis Abu Hammed, so verursacht es enormen Schaden und ist die schrecklichste Geissel der Landleute. Die Neger machen emsig Jagd darauf, um seines Fleisches willen, namentlich die Silük sind unermüdliche Flusspferd-Jäger. Diese Jagd wird auf Kähnen ausgeführt; man durchbohrt das Thier mit Harpunen und Lanzen und überlässt es dann seinem Schicksal, während eine Boje an der Harpune befestigt bleibt und auf dem Wasser schwimmend den Ort andeutet, wo es verendet. Sein Fleisch giebt eine reichliche Mahl­ zeit. Sein Elfenbein wird an die Händler verkauft, ebenso seine Haut, die in Streifen geschnitten, ausgezeichnete Peitschen giebt, deren man sich im ganzen Orient bedient.

Von Reptilien sind vor Allem die riesigen Krokodile zu erwähnen, die überall auf den Sandbänken und niedrigen Inselchen liegen, Pythonschlangen, die 25—30 Fuss Länge erreichen, aber durchaus nicht so gefährlich sind, wie oft behauptet wird, weil sie giftlos sind und sich nur sehr langsam bewegen. Selbst die feigen Nubischen Diener treten furchtlos an sie heran, um ihnen die Mündung der Flinte dicht an den Kopf zu setzen. Die Warn-Eidechse und mehrere grosse Eidechsen, wovon eine bis zu 10 Fuss Lange erreicht, sind noch zu erwähnen. Das Fleisch des Krokodils von ganz jungen Thieren ist essbar und hat einen fischähnlichen Geschmack, das von alten Thieren hat aber einen Moschusgeruch, der es ungeniessbar macht und auch den Eiern eigen ist. Das Krokodil trägt unter jeder der beiden vordem Achselhöhlen eine mit moschusähnlicher Substanz gefüllte Drüse, deren Inhalt von den Nubischen Frauen als Wohlgeruch sehr gesucht ist. Abends und Morgens verbreitet sich dieser Moschusgeruch vom Fluss aus weithin durch die Luft und ertheilt andererseits an Orten, wo viele Krokodile hausen, dem Wasser einen geradezu un­ erträglichen Geschmack. Einige Süsswasserschildkröten von übelriechendem Fleisch und die Frösche, deren Concert man jede Nacht hört, beschliessen die Reihe der Amphibien. Auch die Fische sind reichlich vertreten und liefern sehr verschiedenartige gastronomische Genüsse.

Die Insektenwelt hat am Flusse nur wenige, aber ihre allerunangenehmsten Vertreter: es sind die Fliegen, die dem Menschen tagsüber keine Ruhe lassen und die Moski­ tos, die mit Sonnenuntergang sich in ungeheueren Schwär­ men aus dem hohen Grase erheben und dicht wie ein Regen niederfallen. Ihre Bisse sind wie Lanzettenstiche und selbst die Kleider gewähren nur unvollkommenen Schutz. In der Regenzeit sind die Ufer wegen des Überhandnehmens der Moskitos unbewohnbar; denn auch bei Tage überfallen sie . Jeden, der sich vor den sengenden Sonnenstrahlen in den Schatten zurückzieht. Eine andere Calamität, die man in ganz Nigritien von den Ufern des Flusses bis in das Dunkel der Wälder hineinfindet, sind die Ameisen von verschiedenen Arten. Vor Allem sind die berüchtigten weissen Ameisen oder Termiten zu nennen, welche jeden Fussbreit Land überziehen. Ihre Bauten sind wunderbar; ihre unterirdischen Gänge durchziehen den ganzen Boden, so dass sie jedes an­ greifbare Objekt fast augenblicklich entdecken. Fast überall errichten sie über dem Boden 12—14 Fuss hohe konische Hügel, die namentlich auf gewissen Ebenen in der Nähe des Flusses zahlreich sind und sich in Zwischenräumen von zehn zu zehn Schritten in unabsehbare Ferne hin er­ strecken. Diese Hügel, deren Gipfel sich in der Regel mit Krautpflanzen und Gesträuchen bedeckt, welche sonst in der feuchten Ebene nicht fortkämen, geben dann der Land­ schaft einen ganz eigenthümlichen Charakter. Wenn man mit der Hacke eine dieser hartwandigen Bauten öffnet, so findet man sie von einer Menge von Gängen durchzogen, welche nach aussen oder weit unter den Boden führen und deren Verzweigungen in eine Menge von Gemächern mit flachem Boden und halbkugelförmiger Wölbung von 10 —15 cm. Durchmesser endigen. Jeder solche Raum ist durch einen Kuchen von der Form eines löcherigen Schwammes ein­ genommen, der aus einer holzharten, pergamentähnlichen Masse besteht, dem unserm Bienenwachs vergleichbaren Umwandlungsprodukt der von den Termiten verzehrten vegetabilischen, namentlich holzigen Substanzen. Diese Kuchen enthalten die Larven und werden auch von den Termiten selbst bewohnt. Die umfangreichen Bauten dieser Thiere haben aber nicht immer sie allein zu Bewohnern.

Es giebt andere Ameisen, die mit ihnen in hitzigem Kriege leben und sie oft aus einem Theil oder auch dem ganzen Bau vertreiben und sich so die Mühe, eine eigene Wohnung zu erbauen, sparen. Wespen, Hemipteren- und Coleopteren-Larven, Feldmäuse und andere kleine Nager, Coluber naja und andere höchst giftige Trigonocephalen bewohnen eben­ falls diese Höhlungen ; selbst das Nest einer Genette mit Jungen fand ich einst in einem geöffneten Termitenbau. — Die Termiten sind die Geissel der Wohnungen. Es giebt keine thierische oder pflanzliche Substanz, sie mag noch so

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